Harvard, Cambridge, London - So heißen die Traumziele vieler Juristen, wenn es darum geht, ein LL.M.-Studium in Angriff zu nehmen. Allenfalls Australien oder Neuseeland werden noch als Zielländer in Erwägung gezogen. Einen prestigeträchtigen Titel und ausgezeichnete Studienbedingungen erwarten sie hiervon. Doch wie sieht es eigentlich mit einem Studium in Osteuropa aus? Für viele ein blinder Fleck auf dem Kontinent, bietet es doch interessante Spezialisierungsmöglichkeiten für Nachwuchsjuristen.
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Studenten im Ausland

Bild: ISC Prague Discovery Game Fall 2011 von Jirka Matousek. Lizenz: CC BY 2.0


Vorteile eines LL.M.s in Osteuropa

Zunächst einmal kann man feststellen, dass nicht allzu viele Juristen fundierte Kenntnisse der (mittel-)osteuropäischen Rechtsordnungen vorweisen können. Darüber hinaus bietet Ihnen das Studium eine tolle Möglichkeit, Sprachkenntnisse im jeweiligen Land zu erwerben und sich in dessen Kultur einzuleben. Außerdem ist der Osten Europas nach wie vor ein wichtiger Investitionsstandort für deutsche bzw. westeuropäische Unternehmen. Dementsprechend ist Fachpersonal begehrt: Mit ihrem Master verfügen Sie über ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal auf dem Arbeitsmarkt.

Welche Programme werden angeboten?

Zur Auswahl stehen Ihnen zahlreiche Möglichkeiten, von denen wir Ihnen einige beispielhaft vorstellen möchten. So wird etwa an der Jagiellonen-Universität Krakau ein zweisemestriges LL.M.-Programm „Polnisches Wirtschaftsrecht“ angeboten. Das erste Semester besteht aus einer Teilnahme an der „Schule des Polnischen Rechts“, die zwischen März und Juni durchgeführt wird.

Sie können noch kein Polnisch? Keine Panik. Die Veranstaltungen werden hier auf Deutsch abgehalten und während der 4-monatigen Präsenzphase in Krakau profitieren Sie außerdem von einem Sprachkurs an der Uni, der ein integraler Bestandteil des Programms ist. Egal, ob Fortgeschrittener oder blutiger Anfänger: Ihre Sprachkenntnisse werden Sie in jedem Fall verbessern.

Im 2. Semester des Programms ist schließlich die LL.M.-Arbeit, in der Regel auf Polnisch, anzufertigen. Sofern Sie der polnischen Sprache bis dahin nicht ausreichend mächtig sind, kann auch ein Antrag auf die Erlaubnis gestellt werden, die Arbeit auf Deutsch zu schreiben.

Auch die Prager Karls-Universität hat ein eigenes LL.M.-Programm etabliert. Hier kann mit zwei unterschiedlichen Schwerpunkten studiert werden. Die erste Spezialisierungsmöglichkeit nennt sich „The Law and Business in the Czech Republic and Central Europe“. Dabei geht es vorrangig um das Privatrecht. Besonderer Wert wird auf die Vermittlung von Internationalem Privatrecht und des Einflusses der EU-Gesetzgebung gelegt. Interessant sind auch die zahlreichen Exkursionen in tschechische Institutionen, die angeboten werden.

Als zweite Möglichkeit können sich die Studierenden in „International Human Rights Law and Protection of Environment“ spezialisieren. Dabei steht ein interdisziplinärer Ansatz im Vordergrund, der die beiden Themengebiete miteinander verbindet und die Absolventen damit optimal auf eine spätere Tätigkeit in der öffentlichen Verwaltung oder internationalen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen vorbereitet.

Die Veranstaltungen werden auf Englisch abgehalten und das Studium dauert drei Semester, wobei eine Präsenzphase von zwei Semestern vorgesehen ist und im dritten Semester die Masterarbeit angefertigt wird. Diese muss im Anschluss auch verteidigt werden.

Die Andrássy Universität Budapest bietet ebenfalls ein deutschsprachiges LL.M.-Programm an. Auch dieses ist interdisziplinär angelegt und beinhaltet unter anderem politikwissenschaftliche Themen. Außerdem ist es den Studierenden möglich, ihren Fokus auf geschichtliche, kulturelle oder wirtschaftswissenschaftliche Aspekte zu legen.

Optional können die Teilnehmer hier mit einer bestimmten Spezialisierung studieren, wobei die Schwerpunkte „Internationales Unternehmensrecht: Schwerpunkt Ostmitteleuropa“ und „Internationale und Europäische Verwaltung“ zur Verfügung stehen. Das Programm dauert grundsätzlich zwei Semester, kann jedoch auch berufsbegleitend innerhalb von vier Semestern absolviert werden, wobei sich letztere Option vor allem an Juristen richtet, die im Raum Budapest tätig sind.

Wollten Sie schon immer einmal das Baltikum kennenlernen? In diesem Fall sollten Sie sich über die Studienmöglichkeiten an der Riga Graduate School of Law informieren. Momentan werden hier ein LL.M. in „International and European Law”, in „Law and Finance”, in „Legal Linguistics”, in „Public International Law and Human Rights”, in „Transborder Commercial Law” und in „European Union Law and Policy” angeboten. Es sollte also fast für jeden Geschmack etwas dabei sein.

Die Unterrichtssprache ist hier Englisch. Zu beachten ist, dass die Masterstudiengänge in „International and European Law“ sowie in „Law and Finance“, je nach den individuellen Voraussetzungen der Bewerber, in einem oder zwei Jahren absolviert werden können.

Sie interessieren sich für russisches Recht? Dann könnte der „Joint Degree Universitätslehrgang Business Law and Economic Cooperation between the EU and Russia” der Karl-Franzens-Universität Graz etwas für Sie sein. Diese kooperiert für diesen Master mit der National Research University “Higher School of Economics” (NRU HSE) in Moskau.

Das dreisemestrige Studium wird ebenfalls mit einem LL.M.-Titel abgeschlossen, wobei die Veranstaltungen auf Russisch und Englisch stattfinden. Für Teilnehmer, die des Russischen nicht mächtig sind, werden die Vorlesungen auf Englisch simultan übersetzt. Der Unterricht erfolgt sowohl in Graz als auch in Moskau.

Wie hoch sind die Kosten?

An der Karls-Universität Prag werden die Kosten für die jeweiligen Programme derzeit mit 6000 US-Dollar insgesamt angegeben. Die Gebühren an der Riga Graduate School of Law variieren indessen zwischen 5000 und 10000 Euro. Bei einem Teilzeitstudium erhöhen sie sich entsprechend. Die Internetseite der Hochschule informiert auch über die Möglichkeiten, ein Stipendium zu erlangen.

Das LL.M.-Studium in Graz und Moskau kostet demgegenüber 15600 Euro. Hingegen müssen in Krakau Kosten von 18000 Zloty (ca. 4500 Euro) getragen werden, die sich aber unter Umständen um ein Drittel reduzieren, sofern man für die „Schule des Polnischen Rechts“ ein DAAD-Stipendium erlangt. Nähere Informationen dazu gibt es auf der Internetseite des Studiengangs.

An der Andrássy Universität Budapest müssen demgegenüber 925 Euro pro Semester gezahlt werden. Insgesamt kann man festhalten, dass die Studiengebühren in der Regel wesentlich günstiger als diejenigen für LL.M.-Programme im anglo-amerikanischen Sprachraum sind.

Fazit

Auch in (Mittel-)Osteuropa gibt es interessante LL.M.-Studienangebote für Juristen. Hier haben Sie die Chance, juristisches Know-how zu erwerben, das nur wenige Ihrer Kollegen vorweisen können. Außerdem bietet Ihnen ein solcher Master eine gute Möglichkeit, Land und Leute in einer Region kennenzulernen, mit der Sie sich bisher vielleicht nur wenig auseinandergesetzt haben. Entdecken Sie also Europas Osten, denn er hat unglaublich viel zu bieten.

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