Harvard, Cambridge, London - So heißen die Traumziele vieler Juristen, wenn es darum geht, ein LL.M.-Studium in Angriff zu nehmen. Allenfalls Australien oder Neuseeland werden noch als Zielländer in Erwägung gezogen. Einen prestigeträchtigen Titel und ausgezeichnete Studienbedingungen erwarten sie hiervon. Doch wie sieht es eigentlich mit einem Studium in Osteuropa aus? Für viele ein blinder Fleck auf dem Kontinent, bietet es doch interessante Spezialisierungsmöglichkeiten für Nachwuchsjuristen.
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Studenten im Ausland


Vorteile eines LL.M.s in Osteuropa

Zunächst einmal kann man feststellen, dass nicht allzu viele Juristen fundierte Kenntnisse der (mittel-) osteuropäischen Rechtsordnungen vorweisen können. Darüber hinaus bietet Ihnen das Studium eine tolle Möglichkeit, Sprachkenntnisse im jeweiligen Land zu erwerben und sich in dessen Kultur einzuleben. Zudem sprechen viele Osteuropäer hervorragend Englisch und auch die meisten Masterprogramme werden auf Englisch abgehalten.

Außerdem ist der Osten Europas nach wie vor ein wichtiger Investitionsstandort für deutsche bzw. westeuropäische Unternehmen. Dementsprechend ist Fachpersonal begehrt: Mit ihrem Master verfügen Sie über ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal auf dem Arbeitsmarkt.

Ein weiterer Punkt, der natürlich nicht von der Hand zu weisen ist: Ein LL.M. in Osteuropa ist i.d.R. deutlich günstiger als im Rest der Welt. Sowohl was die Studiengebühren angeht, als auch hinsichtlich der Lebenserhaltungskosten. Allerdings sollten die geringen Kosten niemals der ausschlagebende Punkt darstellen – wichtiger ist das persönliche Interesse an Land & Masterprogramm.

Welche Programme werden angeboten?

Zur Auswahl stehen Ihnen zahlreiche Möglichkeiten, von denen wir Ihnen einige beispielhaft vorstellen möchten.

Ein wohl einzigartiges Programm wird an der Jagiellonen-Universität Krakau angeboten: ein zweisemestriger LL.M. „Polnisches Wirtschaftsrecht“. Das erste Semester besteht aus einer Teilnahme an der „Schule des Polnischen Rechts“, die zwischen März und Juni durchgeführt wird.

Sie können noch kein Polnisch? Keine Panik. Die Veranstaltungen werden hier auf Deutsch abgehalten und während der 4-monatigen Präsenzphase in Krakau profitieren Sie außerdem von einem Sprachkurs an der Uni, der ein integraler Bestandteil des Programms ist. Egal, ob Fortgeschrittener oder blutiger Anfänger: Ihre Sprachkenntnisse werden Sie in jedem Fall verbessern.

Im 2. Semester des Programms ist schließlich die LL.M.-Arbeit, in der Regel auf Polnisch, anzufertigen. Sofern Sie der polnischen Sprache bis dahin nicht ausreichend mächtig sind, kann auch ein Antrag auf die Erlaubnis gestellt werden, die Arbeit auf Deutsch zu schreiben.

Auch die Prager Karls-Universität hat ein eigenes LL.M.-Programm etabliert. Hier kann mit vier unterschiedlichen Schwerpunkten studiert werden. Bspw. „The Law and Business in the Czech Republic and Central Europe“ oder „International Human Rights Law and Protection of Environment“.

Die Veranstaltungen werden auf Englisch abgehalten und das Studium dauert drei Semester, wobei eine Präsenzphase von zwei Semestern vorgesehen ist und im dritten Semester die Masterarbeit angefertigt wird. Diese muss im Anschluss auch verteidigt werden.

Die Andrássy Universität Budapest bietet ebenfalls ein deutsch-/englischsprachiges LL.M.-Programm an. Auch dieses ist interdisziplinär angelegt und beinhaltet unter anderem politikwissenschaftliche Themen. Außerdem ist es den Studierenden möglich, ihren Fokus auf geschichtliche, kulturelle oder wirtschaftswissenschaftliche Aspekte zu legen.

Optional können die Teilnehmer hier mit einer bestimmten Spezialisierung studieren, wobei die Schwerpunkte „Internationales Unternehmensrecht: Schwerpunkt Ostmitteleuropa“ und „Internationale und Europäische Verwaltung“ zur Verfügung stehen. Das Programm dauert grundsätzlich zwei Semester, kann jedoch auch berufsbegleitend innerhalb von vier Semestern absolviert werden, wobei sich letztere Option vor allem an Juristen richtet, die im Raum Budapest tätig sind.

Wollten Sie schon immer einmal das Baltikum kennenlernen? In diesem Fall sollten Sie sich über die Studienmöglichkeiten an der Riga Graduate School of Law informieren. Momentan werden hier ein LL.M. in Technology Law, International and European Law, Law and Finance, Public International Law and Human Rights, EU Law and Policy und Transborder Commercial Law angeboten. Es sollte also fast für jeden Geschmack etwas dabei sein. Die Unterrichtssprache ist hier Englisch auf sehr hohem Niveau mit internationalen Dozierenden.

Sie interessieren sich für russisches Recht? Dann könnte der „Joint Degree Universitätslehrgang Business Law and Economic Cooperation between the EU and Russia” der Karl-Franzens-Universität Graz etwas für Sie sein. Diese kooperiert für diesen Master mit der National Research University “Higher School of Economics” (NRU HSE) in Moskau.

Das dreisemestrige Studium wird ebenfalls mit einem LL.M.-Titel abgeschlossen, wobei die Veranstaltungen auf Russisch und Englisch stattfinden. Für Teilnehmer, die des Russischen nicht mächtig sind, werden die Vorlesungen auf Englisch simultan übersetzt. Der Unterricht erfolgt sowohl in Graz als auch in Moskau.

Wie hoch sind die Kosten?

An der Karls-Universität Prag werden die Kosten für die jeweiligen Programme derzeit mit 6000 US-Dollar insgesamt angegeben. Die Gebühren an der Riga Graduate School of Law variieren indessen zwischen 5000 und 7000 Euro. Bei einem Teilzeitstudium erhöhen sie sich entsprechend. Die Internetseite der Hochschule informiert auch über die Möglichkeiten, ein Stipendium zu erlangen.

Das LL.M.-Studium in Graz und Moskau kostet demgegenüber 15600 Euro. Hingegen müssen in Krakau Kosten von 18000 Zloty (ca. 4500 Euro) getragen werden, die sich aber unter Umständen um ein Drittel reduzieren, sofern man für die „Schule des Polnischen Rechts“ ein DAAD-Stipendium erlangt. Nähere Informationen dazu gibt es auf der Internetseite des Studiengangs.

An der Andrássy Universität Budapest müssen demgegenüber 925 Euro pro Semester gezahlt werden. Insgesamt kann man festhalten, dass die Studiengebühren in der Regel wesentlich günstiger als diejenigen für LL.M.-Programme im anglo-amerikanischen Sprachraum sind.

Fazit

Auch in (Mittel-) Osteuropa gibt es interessante LL.M.-Studienangebote für Juristen. Hier haben Sie die Chance, juristisches Know-how zu erwerben, das nur wenige Ihrer Kollegen vorweisen können. Außerdem bietet Ihnen ein solcher Master eine gute Möglichkeit, Land und Leute in einer Region kennenzulernen, mit der Sie sich bisher vielleicht nur wenig auseinandergesetzt haben. Entdecken Sie also Europas Osten, denn er hat unglaublich viel zu bieten.

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