Lexikon

Abführmittel

Definition Abführmittel

auch bekannt als: Laxanzien

Mittel zur Beschleunigung und Erleichterung der Stuhlentleerung. Die meisten Mittel wirken auf den Dickdarm, einige aber auch auf den Dünndarm oder auf beide Darmabschnitte. Man unterscheidet die Abführmittel nach ihrem Wirkungsmechanismus:

1. Stoffe mit chemischem Wirkungsmechanismus: Sie hemmen die Wasser- und Mineralstoffaufnahme aus dem Darm, so dass im Darm mehr Flüssigkeit verbleibt und der Stuhl dünner wird. Über einen Dehnungsreiz kommt es dann zur Stuhlentleerung. Hierher gehören die stark wirkenden Pflanzenzubereitungen bzw. -extrakte: Aloe, Faulbaumrinde, Rhabarberwurzel, Sennesblätter, Rizinusöl, Harzdrogen, Feigensirup, Gallensäuren, Phenolphthalein und andere chemische Substanzen.

2. Stoffe mit physikalischem Wirkungsmechanismus: Sie wirken durch Füllung, Quellung und Stuhlaufweichung. Hier gibt es 3 Untergruppen: a) Salze: Bittersalz = Magnesiumsulfat, Glaubersalz = Natriumsulfat, Karlsbader Salz = Gemisch verschiedener Salze; und Zuckeralkohole: Sorbit, Mannit, Xylit. b) Quell- und Füllstoffe: Agar-Agar, Kleie, Leinsamen. c) Gleitmittel: Paraffinöl, Glyzerin-Zäpfchen.

3. Stoffe mit mikrobiologischem Wirkungsmechanismus: Milchzucker und Lactulose. Diese Zucker werden durch die normalen Darmbakterien in Stoffwechselprodukte gespalten, die Wasser im Darm zurückhalten, damit den Stuhl dünner machen und die Darmbewegungen anregen. Abführmittel werden heute zwar von Ärzten nicht mehr oft verschrieben, sie spielen jedoch bei der Selbstbehandlung der Verstopfung, an der 2 von 3 Menschen leiden, eine große Rolle. Rund ein Drittel aller Bundesbürger nimmt daher regelmäßig derartige Präparate ein. Da es sich aber keineswegs um nebenwirkungsfreie, harmlose Mittel handelt, ist der Dauergebrauch gefährlich und deshalb abzulehnen. Das gilt auch für die oft als harmlos angepriesenen pflanzlichen Abführmittel, deren Wirkung ebenfalls auf chemischen Mechanismen beruht. Auf keinen Fall dürfen Abführmittel bei unklaren Bauchbeschwerden und Ileus (Darmverschluss) eingenommen werden.

Bei Dauereinnahme über längere Zeit ist - je nach Mittel mit folgenden Schädigungen zu rechnen: Verarmung des Organismus an Natrium, Kalium und Kalzium, wobei sich der Kaliumverlust besonders schwerwiegend auswirkt, weil er zur Erschlaffung der Darmmuskulatur und dadurch zur Verstärkung der Verstopfung, zu allgemeiner Muskelschwäche, zu Störungen der Herztätigkeit, Schock und Lähmungen führen kann; Schäden am Muskel-Nerven-Apparat des Dickdarmes; Mangel an Vitaminen, insbesondere an den Vitaminen A, D, E und K. Außerdem können Wechselwirkungen zwischen Abführmitteln und anderen Medikamenten auftreten, die dazu führen, dass deren Wirkung abgeschwächt oder verstärkt wird. Besonders bedenklich ist die Einnahme von Abführmitteln zur Gewichtsreduktion, weil dabei ein Gewichtsverlust vorgetäuscht wird, der jedoch nur auf gesteigertem Wasserverlust beruht.