Wird aus der Generation Praktikum jetzt die Generation Trainee? Die Kritiker der jobspezifischen Kurzausbildung sagen: ja. Doch die Praxis zeigt, dass viele dieser Vorurteile unhaltbar sind. Wir räumen damit auf und verraten, welches Gehalt Sie als Trainee erwarten können und welche Chancen Ihnen ein Trainee-Programm außerdem bietet.
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Bild: “Money!” von Thomas Galvez. Lizenz: CC BY 2.0

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Gehen Unternehmen und Trainee auf das Experiment ein, kann eine wahre Win-Win-Situation für beide Seiten entstehen. Der Trainee lernt viele Unternehmensbereiche kennen, schnuppert Berufsluft und empfiehlt sich als künftiger Arbeiternehmer ‑ und das Unternehmen muss nicht die sprichwörtliche Katze im Sack kaufen.

Die Teilnahme an einem Trainee-Programm ist in 40 % der Fälle zeitlich begrenzt. Die Dauer beträgt meist 15 bis 18 Monate. Eine feste Übernahmegarantie gibt es in aller Regel nicht ‑ allerdings besagt eine Mut machende Tendenz, dass 90 % der Unternehmen ihre Trainees auch übernehmen.

Da leider immer wieder schwarze Schafe vorkommen – so wird eine Praktikantenstelle manchmal mit dem hochtrabenden Wort „Trainee“ ausgeschrieben ‑ sollte jeder Interessent im Vorfeld erst einmal Folgendes recherchieren:

  • Welche Ausbildungsinhalte bietet das Trainee-Programm?
  • Wie ist das Verhältnis zwischen theoretischen und praktischen Lerninhalten?
  • Wie bewerten ehemalige Trainees ihre Kurzausbildung?
  • Wie hoch sind die Übernahmechancen?
  • Welche Rechte und Pflichten hat ein Trainee im Unternehmen?
  • Steht pro Trainee ein Mentor oder Tutor mit Rat und Tat zur Seite?
  • Gibt es eine definierte Tätigkeitsbeschreibung oder redet man nur von einer wie ein Praktikum anmutenden „Hands-on-Mentalität“?

Fällt die Bewertung dieser Punkte vergleichsweise gut aus, sollte der Interessent intensiv ins Bewerbungsverfahren gehen. Dies ähnelt dem auf eine feste Anstellung ‑ und ist ein Echtzeittraining der Extraklasse.

Das Trainee-Gehalt kann sich in vielen Branchen sehen lassen

Glauben Sie im Übrigen nicht, dass der einzige Unterschied zwischen einem Trainee und einem Praktikanten in der höheren Wertigkeit seiner Bezeichnung liegt. Während Praktikanten meist unentgeltlich oder für einen geringen Lohn im Unternehmen tätig sind, verdienen Trainees ‑ je nach Branche ‑ richtig gut. Zwischen 25.000 und 53.600 Euro kann das Bruttojahresgehalt liegen.

Einsame Spitzenreiter sind demzufolge Trainees in der Luft- und Raumfahrtindustrie ‑ mit durchschnittlich 53.600 Euro Bruttolohn. Bei 44.111 Euro im Bereich der Elektrotechnik und 43.781 Euro im Sektor Finanzdienstleistungen jährlich, klafft schon eine erhebliche Lücke zum Branchenprimus. Erst recht zum Letztplatzierten: Trainees in der Medienbranche verdienen durchschnittlich 25.716 Euro brutto p.a.. Noch schlechter verdienen übrigens Volontäre ‑ obwohl ein Volontariat im Grunde genommen mit einem Trainee-Programm vergleichbar ist.

Neben der Branche hängt das Trainee-Gehalt auch von vielen anderen Faktoren ab: Die Noten, etwaige Zusatzqualifikationen, Sprachkenntnisse sowie Praxis– und Auslandserfahrung. Sie allesamt haben einen Einfluss auf die Höhe des Bruttolohnes. Darüber hinaus entscheidet ebenfalls die Fachrichtung im Studium. Im Ranking wird deutlich: Ingenieure verdienen am meisten.

  1. Ingenieure erwarten ein mittleres Bruttojahresgehalt von 41.000 Euro.
  2. Naturwissenschaftler bekommen ein mittleres Bruttojahresgehalt von 40.300 Euro.
  3. IT-Absolventen erhalten ein mittleres Bruttojahresgehalt von 39.800 Euro.
  4. Wirtschaftswissenschaftler erwarten ein mittleres Bruttojahresgehalt von 37.500 Euro.
  5. Geisteswissenschaftler verdienen hingegen ein mittleres Bruttojahresgehalt von 28.200 Euro.

In allen Bereichen gilt: Nach erfolgreich absolvierter Kurz-Ausbildung eines Trainees und dessen Übernahme in die Firma wird das Gehalt neu verhandelt. Dabei hilft ihm die vergleichsweise günstige Ausgangslage: Er ist bereits eingearbeitet und kann mit Antritt der Festanstellung gleich durchstarten. Das weiß ein Unternehmen zu schätzen. Daher kommt es meist auch beim Einstiegsgehalt schnell zu einer Einigung.

Das Trainee-Programm ist keine Warteschleife

… sondern bietet Universitätsabsolventen die Möglichkeit zu einem raschen, entsprechend gut bezahlten Start ins Berufsleben. Deshalb sei an dieser Stelle mit diesem Vorurteil aufgeräumt: Direkteinsteiger verdienen nicht mehr als Trainees, sondern weniger oder dasselbe Gehalt. Tendenziell öfter werden Masterabsolventen in ein Trainee-Programm aufgenommen. Die fachliche Qualifikation hat somit einen hohen Stellenwert.

Ein Ratschlag für Interessenten: Trainee-Gehälter sind verhandelbar. Sogar wenn das Grundgehalt festgelegt wurde, gibt es immer noch die Zusatzvergütungen, die zum beiderseitigen Vorteil ausgehandelt werden können: ein Diensthandy, ein Dienstwagen, vermögenswirksame Leistungen oder Weiterbildungsmaßnahmen.

Trainee-Programm als Schmiede für Führungskräfte?

Das ist durchaus möglich, denn ein Trainee-Programm stellt nicht selten die Einstiegsqualifikation für den geradlinigen Weg in die Führungsetage dar. 25 % der Unternehmen besetzen ihre Leitungspositionen quasi mit hauseigenen ehemaligen Trainees. Praxistipp: Der Sprung klappt allerdings nur mit dem gewissen Führungsgen. Nicht jeder kann sich damit arrangieren, mehr Vorgesetzter als Kollege zu sein. Die Unterschiede in Macht und Autorität bei der Position oder bei der Person sind oft eklatant.

 

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