Chorauftritte im Altenheim, Straßenaktionen gegen die Pelzindustrie, Bereitschaftsdienst bei der Feuerwehr, studentische Unternehmensberatung − die Liste der Möglichkeiten, sich neben Studium oder Beruf seinen Interessen folgend zu engagieren, sind vielfältig. Warum sollte man sein Engagement nicht auch in die Bewerbung einfließen lassen? Welche Vorteile ein Ehrenamt für den Beruf mitbringt und worauf Sie dabei achten sollten, erfahren Sie hier.
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Freiwilliges Engagement meint eine meist längerfristige Arbeit neben der Haupttätigkeit, zum Beispiel dem Studium, die nicht oder nur im Rahmen einer Aufwandsentschädigung entlohnt wird und in den meisten Fällen einen Beitrag zur Gemeinschaft leistet. Die Mitgliedschaft in einem Fussballverein ginge in diesem Fall über den Sport hinaus und meint die Übernahme zusätzlicher Tätigkeiten wie Platz- und Kassenwart, Standbetreuung bei Stadtfesten, Webseitenbetreuung etc.

Einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zufolge engagieren sich ca. 45% der deutschen Gesamtbevölkerung in irgendeiner Art und Weise freiwillig. Ganz vorn dabei sind Sportvereinsmitgliedschaften, Musik- und Theatergruppen sowie Kirchgemeinden.

Das Engagement als Blickfang im Lebenslauf

Grundsätzlich bedeutet zusätzliches Engagement neben dem Studium, der Ausbildung oder dem Job einen dicken Pluspunkt im Bewerbungsprozess, weil es von der Masse abhebt. Vor allem bei berufsnahen Tätigkeiten knüpft man Kontakte, die für den Jobeinstieg nützlich sein könnten.

Abgesehen davon zeigt es aber auch, dass man bereit ist, schon im jugendlichen Alter gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Das deutet auf insgesamt positive Charaktereigenschaften hin. Neben den harten Fakten wie Abschlussnote und Praktikumszeugnissen menschelt es also im Lebenslauf − und das finden gerade Großunternehmen gut.

Die Frage nach einer starken Arbeitgebermarke beschäftigt moderne Betriebe nämlich immer mehr. Diese kann nur gedeihen, wenn Mitarbeiter engagiert arbeiten und idealerweise auch noch einen Beitrag zur Gesellschaft leisten, der über die Zahlung von Steuern und Sozialabgaben hinausgeht. Wer schon im Vorfeld Ehrenämter oder Ähnliches ausführt, wird beim neuen Arbeitgeber nicht damit aufhören und rückt das Image der Firma als ihr Vertreter ganz nebenbei ins rechte Licht.

Außerdem kann man mit einem passenden Engagement die ein oder andere Schwachstelle im Lebenslauf ausbügeln. Schlechte Noten? Längere Studiendauer? Phasen der Arbeitslosigkeit? Klingt alles halb so schlimm, wenn Sie nebenher Spendengelder für Flüchtlinge gesammelt, Nachhilfe für sozial benachteiligte Kinder gegeben oder Musiknachmittage in Altenheimen organisiert haben.

Nicht zu vergessen: Engagement stärkt den Charakter, vermittelt praxisrelevante Schlüsselkompetenzen für den Arbeitsalltag und kann auch die Möglichkeit bieten, bereits Fachwissen anzuwenden. Meist wird auf quasi-professionellem Niveau gearbeitet  mit verantwortungsvollen Aufgaben, die Teamfähigkeit, kommunikative Kompetenz oder sogar Führungsqualitäten erfordern und trainieren.

Die Vielfalt der Ehrenämter

Keine Ausreden mehr  Möglichkeiten, sich gesellschaftlich zu engagieren, gibt es unzählige, sodass für jeden etwas dabei ist.

Da ist zum einen das berufspolitische Engagement in Berufs- und Interessenverbänden. Schauen Sie zum Beispiel einmal bei der IHK vorbei, auf Absolventenmessen oder auch in entsprechenden XING-Gruppen. Tätigkeiten, die mit dem eigenen Berufsfeld in Verbindung stehen und praxisnahe Erfahrungen versprechen, sind in Bewerbungen besonders gern gesehen. Engagement heißt hier auch, dass Sie beispielsweise einen Blog betreiben.

Ebenfalls dazu gehören berufsbezogene studentische Initiativen, zum Beispiel studentische Unternehmensberatungen. Generell bietet das Hochschulumfeld einige Varianten des Engagements, beispielsweise in Fachschaftsräten, als Tutor oder in anderen, themenbezogenen studentischen Gruppierungen.

Als Sprecher, Veranstaltungsorganisator oder Finanzwart lernen Sie schon einiges über das spätere Berufsleben. Vorsicht bei Asta oder Bruderschaften, sie genießen aufgrund spezieller politischer Ausrichtungen und wegen vieler Vorurteile nicht den besten Ruf in den Personalabteilungen.

Der Klassiker ist das soziale Engagement, sei es bei der Feuerwehr, in der Senioren- und Kinderbetreuung, Obdachlosenhilfe oder in Kirchengruppen. Auch die Vereinsarbeit, zum Beispiel als Schiedsrichter, Jugendtrainer, Kassenwart oder Webseitenbetreuer lässt sich oft zugunsten des Jobprofils kommunizieren.

Selbst regelmäßige Geld-, Zeit-, Sach- oder auch Blutspenden unterstreichen Ihre soziale Ader. Oder haben Sie schon einmal über Mentorenprogramme nachgedacht? Die gibt es im beruflichen, aber auch sozialen Bereich. Ein Beispiel, das sich gut für Studenten eignet, sind die diversen „Großer Bruder / große Schwester“-Programme, die Kindern aus sozialen Brennpunkten einen Partner für das tägliche Leben an die Seite stellen.

Wenn Sie in Gewerkschaften, Parteien oder anderen politischen Gruppierungen tätig sind, sollten Sie abwägen, inwiefern eine Angabe im Lebenslauf sinnvoll oder hinderlich ist. Das hängt unter anderem von Ihrem zukünftigen Arbeitgeber und Ihrer Argumentationsstärke ab.

Für viele junge Menschen ist die zeitliche und örtliche Gebundenheit der vielen genannten Engagements ein Problem − die Stundenpläne sind voll, der Nebenjob frisst Zeit und eine andere Stadt ruft zum Praktikum oder Masterstudium. Auch in anderen Phasen des Lebens, beispielsweise durch Kinder, anstrengende Jobs, Hausbau usw. bleibt für viele kaum Zeit, sich zu engagieren.

Aber auch dafür gibt es mittlerweile Lösungen. Sogenannte Kurzzeitengagements dauern nur einen Tag oder ein paar Stunden und haben trotzdem schon jemandem sehr geholfen. Und Sie als Helfer können sich für die nächste Aktion melden, wenn Sie wieder einmal Zeit haben. Schauen Sie mal vorbei bei:

Wenn Sie das Haus gar nicht erst verlassen, aber trotzdem hilfreich sein wollen, können Sie sich auch um ein Online-Volunteering bemühen und je nach Fähigkeiten Webseiten gestalten, Texte übersetzen oder Crowdfunding betreiben. Hier finden Sie mehr Informationen:

Und schließlich können Sie auch mit der richtigen Argumentation Ihre privaten Interessen, also interessante Hobbies oder Vereinsmitgliedschaften als Engagement kommunizieren, um zu verdeutlichen, dass Sie ein aktiver, interessierter Mensch sind.

Fallen und Tücken bei der Angabe von Ehrenämtern

Wenn Ihr Engagement über interessante Hobbies nicht hinausgeht, sollten Sie diese zumindest genauer beschreiben. Wichtiges Schlüsselwort: interessant. Mit Lesen und Reisen können Sie keinen Personaler vom Hocker reißen. Eine besondere (Vereins-) Sportart oder jobbezogene Leidenschaften wie Programmierung oder Modellbau machen dagegen wirklich etwas her und bieten Gesprächsstoff im Bewerbungsgespräch. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie die Hobbies lieber ganz weg, sie sind nicht essentiell.

Doch zurück zum ehrenamtlichen Engagement. Denn dessen Angabe im Lebenslauf ist nicht immer eine gute Idee. Während Tätigkeiten in der Betreuung oder im sportlichen Bereich gern gesehen sind, sollten Sie die Arbeit mit Tabuthemen wie Sucht, Gewalt, Prostitution und auch Selbsthilfegruppen eher nicht hervorheben. Ebenso vorsichtig sollte die Erwähnung von politischen Aktivitäten behandelt werden, wenn die Position des Arbeitgebers noch unbekannt ist. Dann ist eine Konzentration auf erworbene Fähigkeiten und nicht auf Inhalte ratsam.

Überdenken Sie auch die Anzahl Ihrer Engagements, denn „Viel hilft viel“ ist nicht unbedingt der beste Weg. Der Arbeitgeber legt Ihnen das vielleicht als Sprunghaftigkeit aus und könnte den Eindruck bekommen, dass Sie Ihren Job allzu schnell für Ihre vielen Ehrenämter vernachlässigen könnten. Konzentrieren Sie sich also lieber auf ein, zwei Tätigkeiten, die Ihnen wirklich am Herzen liegen.

Auch Ehrenämter haben Platz im Anschreiben

Wenn Sie Ihre außerjobmäßigen und nebenstudentischen Tätigkeiten auf die vorangegangenen Ausführungen hin überprüft haben und passende Engagements in Ihre Bewerbung integrieren wollen, dann machen Sie es auch gleich richtig und führen sie nicht nur im Lebenslauf, sondern ebenfalls im Anschreiben mit auf.

Wichtige Punkte, die Sie dabei beachten sollten: beschreiben Sie in Stichpunkten die Tätigkeit, ihren Beginn und Inhalt sowie die Vorteile und Kompetenzen, die Sie damit für Ihren Job mitbringen. Schriftliche Nachweise runden Ihre Präsentation ab. Aber Achtung: Der argumentative Bezug zur zukünftigen Stelle ist zwar ein wichtiger Faktor, es nützt aber auch nichts, mit aller Gewalt einen Zusammenhang darstellen zu wollen, den es einfach nicht gibt.

Fazit

Die Angabe eines ehrenamtlichen oder anderweitig gearteten Engagement im Lebenslauf allein bringt noch keinen Vorteil, das sind nur leere Worthülsen auf dem Papier. Wichtig sind vor allem die Kenntnisse und Fähigkeiten, die man dabei erlernt hat und im Job einsetzen kann. Idealerweise engagieren Sie sich also zu Themen aus Ihrem beruflichen Umfeld und in einer Einrichtung, die unternehmensähnliche Strukturen aufweist.

Wer erst kurz vor Studienabschluss oder in der Bewerbungsphase ehrenamtlich tätig wird, gerät schnell in Verdacht, sich nur schnell noch ein paar Pluspunkte sichern zu wollen. Daher immer daran denken: wahres Engagement kommt nicht aus dem Willen heraus, den eigenen Lebenslauf aufzupolieren, sondern aus dem Herzen − und das wissen auch die Personalexperten. Die meisten Engagierten scheinen das aber ohnehin verstanden zu haben. In der Studie geben 79% an, dass ein beruflicher Nutzen für sie keine Rolle spielt. Was ist für 73% mit Abstand der wichtigste Grund? „Weil es mir Freude macht.“

Quellen

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend / Institut für Demoskopie Allensbach (2013): Motive des bürgerschaftlichen Engagements. Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage. Via www.ifd-allensbach.de

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