Gute Netzwerke sichern Chancen in der Karriere! Gerade bei wachsender Konkurrenz und globaler Interaktion in der Arbeitswelt scheinen Beziehungsstrukturen für Berufseinstieg und Beförderung unumgänglich – und werden dabei nicht selten kritischer Reflexion unterzogen. Wieviel Vitamin B ist nötig, wie viel möglich? Wie weit rücken Fachwissen und Kompetenzen in Gegenüberstellung zu Beziehungsstrukturen wirklich in den Hintergrund?
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Vitamin B

Bild: “Red Grapes” von Christian Schnettelker. Lizenz: CC BY 2.0


Kompetenzen und Beziehungen in der Karriere

In Hinsicht auf wegweisende Faktoren für einen beruflichen Ein- oder Aufstieg ist grundsätzlich zwischen Human- und Sozialkapital zu unterscheiden. Jede Person, die in die Karrierewelt eintritt, zeichnet sich durch eine quantitativ wie qualitativ differenzierte Ressourcengrundlage aus, auf die sie im Arbeitsumfeld zurückgreifen kann.

Berufsqualifizierende Fähigkeiten, Fachwissen und Kompetenzen sind dem Begriff des Humankapitals zuzuordnen. Das gewisse Vitamin B beschreibt dem gegenüber das verfügbare Sozialkapital einer Person. Individuelle Beziehungen können zur erfolgversprechenden Ressource werden – und darüber hinaus zu einem gesellschaftlichen Mechanismus.

Sei es durch Freunde, Kollegen oder Vorgesetzte, zum Erreichen kurzfristiger Ziele oder für den langfristigen Aufstieg in die Topetagen: Das Networking kann Türen öffnen und Wege ebnen! Denn Jobs, die auf dem sogenannten verdeckten Stellenmarkt unter der Hand zu besetzen sind, werden nur durch Netzwerke kommuniziert und gelangen unter Umständen nie an die Öffentlichkeit.

Die Relevanz des Vitamin B für die Stellenbesetzung am Arbeitsmarkt

2011 veröffentlicht das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB Kurzbericht 26/2011) eine Studie, die zeigt: „Neueinstellungen gelingen am besten über persönliche Kontakte“. Das individuelle Networking wird zur verheißungsvollen Strategie! Nach der repräsentativen Befragung erfolgten 2010 circa 25% der Neubesetzung von Stellen über Kontakte. Der Versuch, über Vitamin B einen neuen Job zu ergattern, wurde dabei in 2 von 3 Fällen mit Erfolg gekrönt! Die Bewerbung über die Arbeitsagentur oder Stellenanzeigen aus dem Internet führten bei nur circa 14% zur Neueinstellung.

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Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB Veröffentlichungsversion) kommt zu den Ergebnissen, dass vor allem bei der Vorauswahl und zur Einladung zum Bewerbungsgespräch das soziale Kapital mit ausschalggebend ist. Des Weiteren werden Netzwerke zwischen Freunden und Bekannten als wichtige Informationskanäle beschrieben.

Die TU Braunschweig (Bericht) erarbeitete in einer Studie weitere interessante Informationen, die vor allem auf das Verhalten beim Networking zurückschließen lässt. Demnach wenden Frauen und Männer unterschiedliche Strategien an, um Beziehungen für sich zu nutzen. Frauen sind generell eher selbst innerhalb der Netzwerksstrukturen tätig und stabilisieren somit die Beziehungen, wobei Männer am meisten direkte Kontakte zu Personen in hohen Führungspositionen knüpfen.

Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein und die richtigen Kontakte zu pflegen, persönliche Seilschaften und Informationskanäle nutzen zu können. All diese Chancen und Optionen haben nach den vorliegenden Studien andere Faktoren wie Qualifikationen, Kompetenzen, sowie die Einstellungswege über Arbeitsagentur und Internetanzeigen oder auch Initiativbewerbungen nicht gänzlich in den Schatten gestellt. Dennoch: Der potenzielle Nutzen von Vitamin B wird immer größer, je weiter man in der Karriere gelangt – und gelangen möchte.

Networking in der eigenen Karriere nutzen

Um auf ein effizientes Netzwerk zurückgreifen zu können, sollten im Voraus einige Strategien beachtet werden.

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  1. Vertrauen sichern: Investieren Sie Zeit und Geduld in Ihre Netzwerke und bauen Sie Ihre Beziehungen auf gegenseitiger Wertschätzung und einem kommunikativen Interessenaustausch auf. Mit dem gewonnenen Vertrauen können Sie Ihre Beziehungen im richtigen Moment gelungen einbeziehen und aktivieren.
  2. Weite Reichweite des Networking: Erweitern Sie Ihren Horizont, knüpfen Sie Kontakte in unterschiedlichen Fachbereichen und Branchen und vergrößern Sie die Reichweite potentieller Informationskanäle. So sichern Sie sich einen intensiven Austausch auch über Ihren momentanen Arbeitsbereich hinaus.
  3. Nicht Quantität, sondern Qualität zählt: Vermeiden Sie es, so viele Kontakte wie möglich aufzubauen. Gestalten Sie die Netzwerkarbeit strategisch – das Networking hin zu qualifizierten und gut positionierten Personen wird Ihnen in Ihrer Karriere den meisten Nutzen erbringen.

Netzwerke als Chance

Ein starkes Netzwerk unterbreitet vielfältige Perspektiven, die Sie dem beruflichen Erfolg einen großen Schritt näher bringen. Nutzen Sie diese Möglichkeiten für sich – es besteht kein Grund, sich durch negativ konnotierte Ausdrücke und Aussagen in Bezug auf Vitamin B einschüchtern zu lassen oder sich für das eingesetzte Vitamin B zu schämen. Gesellschaftliche Strukturen sind nun einmal durch Kommunikation und Beziehungen geprägt und dürfen auch in dieser Hinsicht genutzt werden: Zur Förderung der eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten kann das Networking also in jeder Hinsicht als Chance gesehen werden!

Quellen

Hartl, M., Kieser, H., Ott, J., Pokorny, M., & Urschler, U. Soziale Beziehungen und Personalauswahl : eine empirische Studie über den Einfluß des kulturellen und sozialen Kapitals auf die Personalrekrutierung. via ssoar.info

Martin Dietz, C. R. (2011). IAB-Kurzbericht: Betriebliche Personalsuche und Stellenbesetzungen, Neueinstellungen gelingen am besten über persönliche Kontakte. Institut für Arbeitsmarkt-und Berufsforshung, Die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit. via iab.de

Sauer, N. C. (2014). Sozialkapital in der Karriereentwicklung: Männer, Frauen und ihre Netzwerke. Personal quarterly. via researchgate.net 

 

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