Bei Meetings träumen Ihre Kollegen vom Feierabend, anstatt Ihnen zuzuhören? Es fällt Ihnen schwer, die Aufmerksamkeit anderer auf Ihre Ausführungen zu lenken? Wer fesselnd Geschichten erzählen kann, profitiert davon auch im Berufsleben. Mit knackigen Anekdoten und prägnanten Metaphern fesseln Sie Ihre Kollegen und Vorgesetzten und beweisen rhetorische Kompetenz. Während die meisten Manager auf objektive und standardisierte Methoden wert legen, versuchen Sie es doch mal mit dem Subjektiven, Einzigartigem und Besonderem. Denn wie schon der Philosoph Umberto Eco wusste: „Der Mensch ist von Natur aus ein Geschichten erzählendes Tier.“ Wie Sie das Geschichten-Erzählen als machtvolles Management-Instrument einsetzen oder Ihren Mitarbeitern und Kollegen mit Storytelling verborgenes Expertenwissen entlocken, wollen wir uns nun genauer ansehen.
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Bild: “Märchenonkel” von Anfuehrer. Lizenz: CC BY-SA 2.0


Neue Popularität einer alten Kulturtechnik

Eine lebendig erzählte Geschichte verschafft Ihnen garantiert viel Aufmerksamkeit und Konzentration seitens der Zuhörer. Denn diese wollen schließlich den Sinn der Geschichte erfassen und gelangen so automatisch in einen Trancezustand des Zuhörens. Diese jahrtausendealte Kulturtechnik erfreut sich in Deutschland seit dem Millennium wachsender Popularität.

Vielleicht gerade deshalb, weil wir uns in einer so schnelllebigen und oberflächlichen Zeit befinden. Wir sehnen uns nach Sinn und Identität – und die stiften gute Geschichten. Kein Wunder, dass Experten damit rechnen, dass das Storytelling in den kommenden Jahren immer wichtiger für die Unternehmenskommunikation nach innen, wie nach außen werden wird.

Storytelling im Unternehmen

Natürlich ist mit Storytelling im Unternehmen nicht gemeint, eine Märchenrunde unter Kollegen abzuhalten oder den letzten Sommerurlaub als Abenteuer-Roman wiederzugeben. Im unternehmerischen Kontext können Sie die Erzähltechnik bewusst dazu benutzen, um Traditionen, Werte und Kultur Ihres Unternehmens lebendig aufzubereiten. Existieren hartnäckige Konflikte, können Sie diese mit einer geeigneten Metapher neutral erfahrbar machen oder ohne Zeigefinger einen Lösungsweg aufzeigen.

Erzählungen einzelner Mitarbeiter helfen dabei, das Unternehmen nach außen hin zu repräsentieren, und unentdeckte Schwachstellen oder Lösungswege gerade bei komplexeren Arbeitsprozessen aufzudecken. Oder Sie empfangen neue Mitarbeiter künftig mit unterhaltsamen Erfahrungsberichten der alten Hasen. So fühlen sich Neueinsteiger sofort integriert und gewinnen nebenbei einen Überblick über Strukturen und Abläufe in Ihrem Unternehmen.

Learning History

Die wohl bekannteste Storytelling-Methode bei Unternehmen ist der Learning-Histories-Ansatz, der am renommierten Massachusetts Institute of Technology seit den 90er-Jahren entwickelt wurde. Dabei werden die Erfahrungen und das Wissen mehrerer Mitarbeiter über ein besonderes Ereignis im Unternehmen erfasst, meist im Format eines Interviews.

Nach einer Auswertung entsteht daraus eine gemeinsame Geschichte. Tipps und Tricks werden dokumentiert, ein Erfahrungsschatz für das gesamte Unternehmen aufbereitet. Auch die auf Firmen-Blogs derzeit überaus beliebten Beiträge einzelner Mitarbeiter über ihre Tätigkeiten oder besondere Herausforderungen gehören in die Kategorie der Learning History.

Storytelling-Analyse

Solche Mitarbeiter-Erzählungen informieren nicht nur besonders prägnant und authentisch von Unternehmenskultur, -Werten und –Kommunikation. Die subjektiven Berichte können Sie auch hervorragend zu einer detaillierten Analyse nutzen. Mittels der narrativen Erfahrungsberichte decken Sie schnell Schwachstellen, unbeachtete Problemstellungen oder ungeahnte Lösungswege auf.

Die Storytelling-Analyse wird typischer Weise eingesetzt bei der Entwicklung von Leitbildern und Unternehmenswerten. Möchten Sie etwa herausfinden, ob die ideelle Unternehmenskultur tatsächlich den gelebten Realitäten Ihrer Mitarbeiter entspricht, sollten Sie das mittels einer Analyse von mehreren Arbeitsberichten schnell nachvollziehen können.

Möchten Sie unglücklich geregelte Arbeitsprozesse reorganisieren, ist eine Storytelling-Analyse ebenfalls ein effizientes Instrument erster Wahl. Auch wenn es um das große Ganze geht, etwa eine Stärken-Schwächen-Analyse Ihres Unternehmens ansteht, lohnt sich diese Analyse. Warum Sie dabei gerade mit der subjektiven Methodik des Storytellings erfolgreich sind, wollen wir nun an konkreten Beispielen genauer beleuchten.

Mehr-dimensionale Geschichten voll implizitem Expertenwissen

Wenn Sie sich etwa ständig mit Ihrem Chef in den Haaren liegen, öffnet ein persönlicher Bericht beider Seiten dem jeweils anderen die Augen. So erkennt der Chef, dass sein Bild vom Unternehmen kaum mit Ihrem Arbeitsalltag übereinstimmt, und sie kommen zusammen zum Schluss, dass sie eigentlich die ganze Zeit aneinander vorbei geredet haben.

Vor allem, wenn Sie sich gefangen in Ihrer Perspektive fühlen, lohnt es sich, mittels Storytelling ein mehrdimensionales Bild des kritischen Sachverhalts zu zeichnen. Übertragen Sie das Beispiel auf andere Hierarchien in Ihrem Unternehmen, auch auf Prozessbeteiligte wie Zulieferer oder Kunden. Werden hier die konkreten Erfahrungen mit den objektiven Anforderungen und Zielen verglichen, zeigen sich schnell Schwachstellen in der Unternehmenskommunikation und bei Arbeitsabläufen.

Um Entwicklungsbedarf und Schwachstellen zu erkennen, müssen Sie lernen, zwischen den Zeilen so lesen. Denn ein narrativer Text enthält viele implizite Bedeutungen – und gerade das ist es, was Storytelling so wertvoll macht. Möchten Sie neben expliziten oder objektiven Inhalten auch komplexe, neue oder schwer fassbare Inhalte sichern, brauchen Sie also das narrative Format.

Ein weiteres Beispiel: Nach dem erfolgreichen Start eines neuen Projekts soll das Expertenwissen in Form eines De-Briefings mit einem standardisierten Fragebogen erfasst werden. Das gehört für viele Unternehmen längst zur Norm. Doch erfasst werden dabei lediglich explizite Wissensinhalte. Musste ein Mitarbeiter für ein seltenes Problem einen komplizierten Lösungsweg anwenden, wird dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht vom De-briefing erfasst.

Lieferte ein externer Dienstleister die entscheidenden Hinweise, ist dafür im vorstrukturierten Tool bestimmt kein Feld vorgesehen. Beim Storytelling aber werden diese Lösungswege komplett abgebildet. Anstatt vorzuschreiben, das Problem A werde durch B gelöst, ist es doch erheblich effektiver, Mitarbeitern aufzuzeigen, wie der Kollege auf das Problem A aufmerksam wurde und mit welcher Strategie er zur Lösung B gelangte, oder?

Machen Sie das verborgene Wissen Ihrer Mitarbeiter sichtbar und vermitteln Sie auch komplexeste Sachverhalte anschaulich – Storytelling macht’s möglich.

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