In der heutigen Arbeitswelt sind Rückschritte nicht vorgesehen. Wenn jemand diesen Weg des so genannten Downshiftings trotzdem geht, erntet er oft Unverständnis. Dabei gibt es viele sinnvolle Gründe, die Karriereleiter nicht weiter zu erklimmen und sich stattdessen für eine Position mit weniger Verantwortung zu entscheiden. Wie Sie Ihren Standpunkt plausibel vor Kritikern vertreten und den Umstieg in vier Schritten heil überstehen, erfahren Sie in folgendem Artikel.
Tipp: Keine Lust zu lesen? Dann starten Sie doch einfach kostenlos unseren Online-Karriereplanungs-Kurs.

das-sind-treppen-die-abwaerts-fuehren

Bild: “Vatican stairs, escaleras del Vaticano.” von Vicente Villamón. Lizenz: CC BY-SA 2.0


Downshifting kommt Ihrer aktuellen Lebenssituation zugute

Unsere Arbeitswelt ist so strukturiert, dass wir befördert werden, wenn wir sehr gute Leistungen erbringen. Rückschritte werden hingegen oft mit negativen Aspekten assoziiert.

Doch Lebensumstände verändern sich. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass eine Arbeitsstelle nicht mehr zum aktuellen Familienstand passt. Vor allem wenn Kinder zum Alltag gehören, sehnen sich viele Mitarbeiter nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance.

Andere Arbeitnehmer gelangen in ihrer Karriere an einen Punkt, wo die Anforderungen die Grenzen Ihrer Fähigkeiten übersteigen. Sie können dann jahrelang erfolglos in dieser Position verweilen oder eine Veränderung anstreben.

Auch wenn der Wechsel in eine weiter unten angesiedelte Position vorerst unsinnig erscheint, kann diese Maßnahme der Schlüssel für höhere Zufriedenheit im Berufsalltag sein.

Denken Sie daran, Karriere bedeutet übersetzt nichts anderes als „Laufbahn“. Eine stetige Bewegung nach oben muss damit nicht gemeint sein.

So gelingt das Downshifting in vier Schritten

1. Bereiten Sie sich eingehend auf Ihren Rückschritt vor

Bei allen Vorhaben ist es wichtig, dass Sie wohl überlegt und durchgeplant sind.

Werden Sie sich darüber bewusst, ob Ihr Wunsch in Wirklichkeit nur eine Flucht vor mehr Verantwortung ist. Vielleicht können Sie auch in Ihrer aktuellen Position mit besserem Zeitmanagement und mehr Führungsstärke etwas verbessern.

Falls Sie sich dennoch für Downshifting entscheiden, überlegen Sie genau, wie Ihr Arbeitsplatz aussehen soll. Wollen Sie einen Job, bei dem Sie jeden Tag vor Ort sein müssen oder nicht? In welchem Aufgabenbereich möchten Sie tätig sein? Möchten Sie z. B. auf Überstunden verzichten oder die gesamten Arbeitsstunden reduzieren?

Besonders für Arbeitnehmer, die zuvor in höheren Positionen mit viel Verantwortung tätig waren, kann ein Rückschritt eine Zeit der Ruhe bringen. Nachdem Sie neue Kraft gesammelt haben, können Sie auch wieder mehr Leistung als Top-Manager erbringen.

Lassen Sie sich nicht davon abschrecken, dass viele einen Rückschritt zuerst mit Versagen verbinden. Ob diese Veränderung sich als Rück- oder Fortschritt erweist, hängt letztlich von Ihrer Zielsetzung und der eigenen Perspektive ab.

Vergessen Sie allerdings nicht, dass Downshifting häufig auch finanzielle Einschränkungen nach sich zieht. Überlegen Sie, wie Sie damit umgehen möchten. Auf welche Hobbys und Reisen könnten Sie verzichten? Oder steht  die Ausbildung Ihrer Kinder auf dem Spiel?

2. Stehen Sie zu Ihrem Entschluss

Nach langen Überlegungen erscheint Ihnen Ihre Entscheidung logisch und richtig. Sie sollten jedoch immer damit rechnen, dass Außenstehende diesen Weg anzweifeln und kritisieren.

Lassen Sie sich dadurch möglichst nicht verunsichern. Besonders bei zukünftigen Bewerbungsgesprächen sollten Sie angemessen reagieren, wenn Sie gefragt werden, warum Sie die vorherige Position freiwillig verlassen haben.

Antworten Sie kurz und präzise. Ein Gespräch unnötig in die Länge zu ziehen, wirkt unglaubwürdig und unsicher.

Am besten ist es, wenn Sie mit der Vergangenheit abschließen und sich auf den potentiellen Job konzentrieren. In einem Bewerbungsgespräch kommt es besser an, wenn Sie ausführen, warum Sie den neuen Job gern übernehmen würden und Sie sich besonders gut dafür eignen.

3. Passen Sie Ihre Bewerbungsunterlagen an

Ihre veränderte Ausrichtung sollte sich auch in Ihren Bewerbungsunterlagen widerspiegeln. Überarbeiten Sie deshalb Ihren Lebenslauf und Ihr Know-How-Profil. Entscheiden Sie genau, welche Arbeitszeugnisse Sie beilegen.

Dabei ist es einfacher, Ihre Bewerbung an die Anforderungen eines fremden Unternehmens anzupassen. Doch auch in der eigenen Firma kann Downshifting möglich sein. Natürlich sollten Sie sich genauso viel Mühe geben wie bei einem neuen Unternehmen.

Machen Sie ehrlich Angaben, erwähnen Sie jedoch nicht alles, falls es Ihren Plänen nicht zuträglich sein sollte. Behelfen können Sie sich schon, wenn Sie auf Ihre Formulierungen achten: Wählen Sie bescheiden klingende Bezeichnungen wie etwa „Kaufmännischer Sachbearbeiter“ statt „Kredit- und Leasing-Spezialist“.

Wenn Sie zuvor in einem Großkonzern für eine hohe Anzahl von Mitarbeitern verantwortlich waren, genügt es, die Mitarbeiteranzahl des Standorts anzugeben. Auch das Budget, für das Sie zuvor verantwortlich waren, sollten Sie weglassen. So gelingt Ihnen der Wechsel in eine mittelständische Firma.

4. Überzeugen Sie Recruiter und Vorgesetzte mit stichhaltigen Argumenten

Recruiter und Vorgesetzte werden Ihre Entscheidung weniger gutheißen. Um überzeugend aufzutreten, brauchen Sie gute Argumente.

Machen Sie Ihre Schritte nachvollziehbar, indem Sie Ihre persönlichen Gründe offen legen. Auch wenn das bedeutet, dass Sie zugeben, dass die vorherige Arbeitsstelle Ihren Vorstellungen nicht entsprochen hat.

Mit Beschönigungen provozieren Sie nur Nachfragen, die ein Bewerbungsgespräch unnötig verlängern und eventuell unangenehm ausklingen lassen.

Verzichten Sie allerdings darauf, von Überforderung sprechen! Führen Sie lieber an, dass die vorherige Position Ihren Fähigkeiten weniger entsprochen hat und Sie eine ausgewogenere Lebensbalance anstreben.

Fazit:

Das Risiko eines Stellenwechsels ist natürlich, dass Sie scheitern könnten – doch auch aus Misserfolgen können Sie lernen. Dieser Aspekt sollte Sie nicht daran hindern, Neues auszuprobieren.

Wichtig ist, dass Sie Ihre berufliche Veränderung möglichst genau planen und sich über eventuelle Konsequenzen bewusst werden. Am Ende könnte ein Rückschritt zum Fortschritt werden. Es kommt dabei vor allem auf Ihre Perspektive an.

Quellen

Downshifting: Der schwierigste Karriereschritt – der Rückschritt via karrierebibel.de

Fünf Tipps zum Downshifting via karriere.de

Weiterführende Literatur

Sponagel, Wiebke: Downshifting: Selbstbestimmung und Ausgeglichenheit im Job. Haufe-Lexware, Freiburg, 2013.

Nolden, Noemi: Downgrade Deluxe: Mehr Zeit – Mehr Ruhe – Mehr von Dir, Kindle-Edition, 2014.

Sie haben einen Bildungsgutschein?
Mit dem Bildungsgutschein zum Projektmanager!
(PRINCE2®, ITIL®, Six Sigma)
Jetzt mehr erfahren & Beratung anfordern!
Nein, danke!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *