Unternehmen beschäftigen sich laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) vordergründig wegen gesetzlicher Bestimmungen mit der Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Finanzielle Erwägungen und moralische Gründe sind bisher zweitrangig. 
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Bild: “Healthy Meetings and GlassMakesFriends 33075” von Ted Eytan. Lizenz: CC BY 2.0


Werte wie Respekt, Anerkennung und Verantwortung stehen aber gerade im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise häufiger im Mittelpunkt der Diskussion, wenn es um solide Unternehmensführung geht. Sollte das Wohlbefinden der Mitarbeiter dann nicht an erster Stelle stehen? Die betriebliche Gesundheitsförderung hat viele gute Gründe, Einzug in die Personalabteilungen zu halten. Welche das sind und was Sie für die „Gesundheit Ihres Unternehmens“ tun können, erfahren Sie jetzt!

Der gegenwärtig oft erwähnte demografische Wandel beruht auf der Alterung der Erwerbsbevölkerung. Eine Statistik der BAUA zeigt – wenig überraschend – die Häufung von Fehltagen mit zunehmendem Alter.

Bild: “Arbeitsunfähigkeit nach Altersgruppen” von Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Quelle: “Arbeitsunfähigkeit nach Altersgruppen” von Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

 

Betriebe stehen vor der Herausforderung, die Erwerbsfähigkeit ihrer immer älter werdenden Belegschaft bestmöglich zu erhalten, und zwar unter den erschwerten Bedingungen des Fachkräftemangels. Die Produktionsausfallkosten (53,0 Mrd. Euro) und der Ausfall an Bruttowertschöpfung (92,0 Mrd. Euro) für die deutsche Wirtschaft aufgrund gesundheitlicher Probleme der Arbeitnehmer sind enorm. Erhöht werden diese Summen noch durch die Kosten der Entgeltfortzahlungen.

Bild: “Verteilung der Arbeitsunfähigkeitstage nach Diagnosegruppen” von Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Lizenz:

Quelle: “Verteilung der Arbeitsunfähigkeitstage nach Diagnosegruppen” von Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

 

Hier kommt die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ins Spiel, die sich präventiv auf das Wohl der Mitarbeiter auswirken soll und scheinbar nebenbei das Betriebsklima und die Attraktivität als Arbeitgeber verbessert. Sie zielt heute immer weniger auf klassische Belastungsfaktoren wie Lärm, Schmutz oder körperliche Anstrengungen ab.

Vielmehr stehen psychische Belastungen im Fokus, verursacht durch zu hohes Arbeitsaufkommen, die Unvereinbarkeit von Berufs- und Privatleben und ständig wachsende Herausforderungen an den Job, sei es im Zuge technologischer Entwicklungen oder der Internationalisierung des Arbeitsmarktes und Unternehmensumfeldes.

Betriebliches Gesundheitsmanagement vereint drei Komponenten

Die Gesundheitsförderung ist nur ein Teil des übergreifenden Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Hinzu kommt einerseits der Arbeitsschutz. Er ist gesetzlich verankert im Arbeitsschutzgesetz und meint die Gewährleistung und Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz für die Mitarbeiter durch den Arbeitgeber.

Andererseits gehört das seit 2004 für Arbeitgeber verbindliche Eingliederungsmanagement dazu, das heißt die Vorbeugung und Überwindung von Arbeitsunfähigkeit. Alle drei Komponenten sind eng miteinander verzahnt. Ihre Planung und Umsetzung macht die Qualität des betrieblichen Gesundheitsmanagements eines Betriebes aus.

Die Idee dazu geht auf eine Erklärung der Weltgesundheitsorganisation zurück. Die Ottawa-Charta (1986) definiert weit über das unternehmerische Umfeld hinaus die Gesundheitsförderung als einen Prozess der Befähigung aller Menschen zur Selbstbestimmung und Stärkung ihrer Gesundheit. Sie fordert zudem eine intensivere Vernetzung entsprechender Maßnahmen.

Weiterhin hat die Europäische Union 1997 die Luxemburger Deklaration abgegeben, die alle gemeinsamen Maßnahmen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und der Gesellschaft umfasst, welche der Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz dienen. Die Veränderung der Arbeitsorganisation und -bedingungen, die Förderung aktiver Mitarbeiterbeteiligung sowie die Stärkung persönlicher Kompetenzen sollen hierbei miteinander verknüpft werden.

Gesundheitsmanager haben sich demnach auf die Fahnen geschrieben, die Arbeitsbedingungen und persönlichen Ressourcen der Belegschaft insofern positiv zu verändern, dass höhere Motivation und Produktivität erzielt werden können.

Nutzen Sie die Vorteile des BGM für Ihr Unternehmen

Gesunder Mitarbeiter = gesundes Unternehmen. In Bezug auf das Personalmanagement gilt das in jedem Fall. Angesichts der eingangs erwähnten hohen Kosten für Produktionsausfälle wird schnell klar, dass ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement die Produktivität, Innovationskraft sowie Produkt- und Dienstleistungsqualität erhöhen kann und somit zum Unternehmenserfolg beiträgt.

Da es sich im Idealfall um eine Situation handelt, von der sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber profitieren, verbessern sich weiche Faktoren wie das Unternehmensimage oder die Corporate Social Responsibility ebenso wie die harten Zahlen und Fakten. In Zeiten des Fachkräftemangels hat der Betrieb bei der Suche nach qualifiziertem Personal mit einer ausgeprägten Gesundheitsförderung ein weiteres Ass im Ärmel.

Gesundheit ist ein Wettbewerbsvorteil.

…sagt auch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Doch das kommt nicht von allein. Um die Potenziale des betrieblichen Gesundheitsmanagements nutzen zu können, bedarf es eines ganzheitlichen, strategischen Ansatzes, einer wirksamen Umsetzung und fortwährenden Evaluation. Lesen Sie nun, wie das in seinen Grundzügen funktioniert und was Sie beachten sollten.

1. Bestandsaufnahme

Was Sie zu Beginn brauchen, ist eine umfassende Übersicht über die gesundheitlichen Belange Ihrer Belegschaft und das gegenwärtige Angebot Ihres Unternehmens. Hierzu gehört die geschlechtersensible Bestandsaufnahme der physischen und psychischen Belastungen und Beanspruchungen aller Beschäftigten. Die Analyse wird mitunter aufwändig und zeitintensiv sein, doch sie bildet die notwendige Basis für die Zielstellung und anschließende Strategieplanung.

Tipp 1: Ziehen Sie hierbei Gefährdungsbeurteilungen, Fehlzeiterfassungen und Krankenkassenberichte, aber auch Mitarbeiterbefragungen zu Rate. Verschiedene Analyse-Tools der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zur Unterstützung Ihrer Untersuchung finden Sie hier.

Desweiteren sollten Sie kritisch hinterfragen, welche Maßnahmen zur Gesundheitsförderung bereits durchgeführt werden. Wie steht es um flexible Arbeitszeitmodelle, Sportkurse, Gesundheitsschulungen, die Kantinenverpflegung, die Einhaltung des Arbeitsschutzes, das Eingliederungsmanagement, die Führungskräfteentwicklung? Spielt Gesundheit eine Rolle im Unternehmensleitbild? Wie werden Mitarbeiter motiviert, selbst etwas für ihr Wohlbefinden zu tun?

2. Zielsetzung und Strategieplanung

Tipp 2: Seien Sie SMART, wenn es um die Formulierung Ihrer Ziele geht. Diese sollten specific, measurable, achievable, realistic und time-scaled sein.

Definieren Sie, welche Kennzahlen aus Ihrer Eingangsanalyse messbar verbessert werden sollen, beispielsweise die Teilnehmerzahlen in angebotenen Sportkursen, die Krankheitstage oder die Einhaltung von Zielvereinbarungen. Bedenken Sie, dass Ihre Ziele realistisch und auch erreichbar sind. Anschließend geben Sie einen Zeitrahmen vor, wann erste Ergebnisse erzielt werden sollen.

Einhergehend mit der Zieldefinition wird sich zudem die Frage nach Handlungsbereichen (in welchen Abteilungen und auf welcher gesundheitlichen Ebene muss etwas getan werden?) , Verantwortlichkeiten und Ressourcen stellen. Der Einbezug aller Ebenen, klare Zuständigkeiten, feste Strukturen und die Bereitstellung von nötigen Ressourcen sind unabdingbar für ein erfolgreiches Gesundheitsmanagement.

Bei der Ausarbeitung einer Strategie sollten Sie sich auf drei Bereiche konzentrieren: die Stärkung der Eigenverantwortung Ihrer Mitarbeiter, passende Angebote für gesundheitsförderndes Verhalten und die Rahmenbedingungen im Unternehmen. Experten sprechen dabei auch vom Drei-Säulen-Modell. Die folgende Grafik zeigt mögliche Elemente für das BGM in allen drei Bereichen.

Säulen-Gesundheitsmanagement

Legen Sie bei Ihrer Strategie besonderen Wert auf Nachhaltigkeit, sowohl im Betrieb, als auch bei den Mitarbeitern selbst. Eine Rückenschulung allein wird nicht zur langfristigen Stärkung der Gesundheit oder zum Unternehmenserfolg führen. Wichtig ist es, am Ball zu bleiben und Pläne für die Fortführung und Neuentwicklung von gesundheitsfördernden Maßnahmen zu erarbeiten.

3. Umsetzung und Evaluation

Um eine wirksame Planung und Durchführung des BGM zu gewährleisten, bietet es sich an, eine Steuerungsgruppe zu gründen, in der Vertreter der Unternehmensleitung, Personalabteilung, des Betriebsrats und der Betriebsarzt gemeinsam an gesundheitsfördernden Maßnahmen arbeiten.

Tipp 3: Wenn Sie die Maßgabe haben, schnell Ergebnisse bringen zu müssen, dann konzentrieren Sie sich zunächst auf ausgewogene Ernährung und körperliche Aktivität. Beide Elemente sind relativ schnell umzusetzen und bilden wesentliche Bestandteile der Gesundheitsförderung.

Das Steuerungskonzept der Balanced Scorecard nach Kaplan und Norton, mit deren Einsatz Strategien gezielt implementiert werden können, gilt als erfolgversprechend. Hierbei handelt es sich um eine mehrdimensionale Steuerung und Leistungsmessung, die neben den klassischen finanziellen Faktoren auch nicht-finanzielle Kennzahlen mit einbezieht. Genaue Ausführungen hierzu finden Sie hier.

Tipp 4: Halten Sie Ihre Mitarbeiter auf dem Laufenden! Ein wichtiger Punkt innerhalb der Umsetzung des BGM ist das Kommunikationskonzept, welches die Herausgabe von Informationen umschreibt. Wer soll wann über den Stand der Gesundheitsförderung und neue Angebote informiert werden, welche Kanäle (Mitarbeitermagazin, Aushänge, Intranet, Newsletter etc.) werden hierfür genutzt, wer gibt Informationen weiter?

Eine transparente Kommunikation baut Hemmschwellen ab, die oftmals durch fehlendes Wissen und Verständnis entstehen. Sie fördert das Engagement und die Teilnahme der Führungskräfte und Mitarbeiter an gesundheitsfördernden Maßnahmen. Darüber hinaus wirkt sie sich frei nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“ positiv auf das Unternehmensimage aus.

Tipp 5: Überprüfen Sie regelmäßig die Erreichung Ihrer Ziele, sodass Ihr BGM kontinuierlich verbessert werden kann. Neben der Kennzahlenanalyse bieten sich Mitarbeiterbefragungen und weitere Tools an, die Sie schon in der Analysephase verwendet haben. Denken Sie daran: betriebliches Gesundheitsmanagement ist ein fortwährender Prozess von Analyse und Modifizierung.

Wer hilft Ihnen weiter?

Beim Aufbau eines betrieblichen Gesundheitsmanagements können Sie sich Unterstützung von Arbeitsschutzbehörden, Krankenkassen, Unfallversicherungsträger sowie Vereinen und Verbänden holen. Onlinekurse zur Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter in der Personalabteilung werden beispielsweise auch von Lecturio angeboten.

Tipp 6: Halten Sie regelmäßigen Kontakt zu den Krankenkassen. Sie sind gesetzlich verpflichtet, die gesundheitliche Situation für den Betrieb zu erheben und Vorschläge zur Verbesserung zu geben. Nutzen Sie dabei auch die Konkurrenz untereinander, um das für Sie beste Angebot zu erhalten. Krankenkassen unterstützen Sie auch finanziell bei der Durchführung eines BGM.
Tipp 7: Gesundheitsfördernde Maßnahmen bis zu einem Betrag von 500,00 Euro pro Jahr und Mitarbeiter bleiben steuerfrei, wenn Sie den Anforderungen des § 20 und 20a des SGB V entsprechen, insbesondere Themenfelder, die in den Präventionsleitfäden der Spitzenverbände der Krankenkassen aufgeführt sind. Auch Unfallversicherungsträger, Integrationsämter und Rehabilitationsträger können Prämien und Boni gewähren.

Informieren Sie sich!

Zahlreiche Institutionen bieten Informationen und Unterstützung an:

 

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Ein Gedanke zu „Halten Sie Ihre Mitarbeiter fit mit betrieblichem Gesundheitsmanagement

  • SchäferManfred

    Der Nährwert Ihrer Seite ist meiner Meinung nach hervorragend.
    Ich finde sie bis jetzt eine der Besten mit der ich mich beschäftigt habe.
    Werde diese auf alle Fälle weiterempfehlen.
    Gruss Manfred Schäfer