In nicht allzu ferner Zukunft steht die berufliche Weiterbildung vor einer völligen Neuorientierung, die vor allem den fortschreitenden technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen geschuldet ist. So lesen sich zumindest die Ergebnisse der Studie "Lernen im Jahr 2030". Erfahren Sie mehr über die Neuerungen in der Branche und wie Sie sich auf die Zukunft der Weiterbildung in Ihrem Betrieb einstellen können.
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back to the future

Bild: “Do You Remember…The Future?” von JD Hancock. Lizenz: CC BY 2.0


Personalverantwortliche tun gut daran, sich hinsichtlich der Fortbildungsmöglichkeiten ihrer Mitarbeiter auf dem Laufenden zu halten, um rechtzeitig Konsequenzen für Ihre eigene innovative Arbeit ziehen zu können. Schließlich bringt einer österreichischen Studie zufolge schon heute jeder Euro, den ein Unternehmen in Weiterbildung investiert, ganze 13 Euro mehr Gewinn. Vor allem Kurse, die Soft Skills erweitern, rentieren sich.

Vor dem Hintergrund der Globalisierung und dem rasanten technischen und wirtschaftlichen Entwicklungstempo bleibt auch im Weiterbildungsmarkt nichts mehr wie es war. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Ihre Mitarbeiter auf dem neuesten Wissenstand zu halten und ihre Kompetenzen zu fördern, um auf dem internationalen Markt noch mithalten zu können. Der Schwerpunkt der deutschen Wirtschaft wird sich von der Dienstleistungs- zur Wissensökonomie entwickeln.

Aktuelle Studie „Lernen im Jahr 2030“ erlaubt einen Blick in die Zukunft

Das Institute of Corporate of Education e.V. hat in Zusammenarbeit mit der F.A.Z. Executive School, der Bayer MaterialScience und dem Corporate Campus für Management & Strategie der DZ BANK Gruppe 102 Weiterbildungsexperten über mögliche Zukunftsszenarien befragt und knapp 2.000 Diskussionsbeiträge ausgewertet, die Inspirationen für Ihr späteres Weiterbildungsprogramm liefern können.

Die vermutlich eintretenden Neuerungen wurden in vier Themenfelder eingeteilt, die strategische, angebotsbezogene, organisatorische und finanzielle Aspekte betrachten. Angeordnet nach dem Zeitpunkt des geschätzten Marktreifegrads geben sie Aufschluss über das Zukunftsbild der beruflichen Weiterbildung von heute bis zum Jahr 2030.

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Daten der Grafik: Institute of Corporate Education e.V. (incore)

Die Grafik zeigt eine Fülle an Neuerungen und den Zeitpunkt ihres Marktreifegrads auf einem Radar von heute bis zum Jahr 2030. Wie Sie sehen, befinden sich die meisten Entwicklungen unter oder auf dem 2020er-Grad. Sie werden nach Ansicht der befragten Experten also bereits innerhalb der nächsten fünf Jahre ein Thema für Ihr Weiterbildungsprogramm sein, beispielsweise die Augmented Reality, die virtuelle Universität oder die algo-generated Lessons. Dass die Weiterbildung völlig papierlos stattfindet, werden wir laut Radar allerdings erst schätzungsweise im Jahr 2026 erleben. Im Folgenden stellen wir stellen Ihnen die wichtigsten Prognosen vor.

Lernen in virtuellen Universitäten oder gleich in einer ganzen Bildungscity

Gegenwärtig stellen immer mehr Universitäten ihre Vorlesungen und Seminare online und erreichen damit hohe Klickzahlen. Die Leipzig School of Media bietet beispielsweise in Zusammenarbeit mit Lecturio eine Ausbildung zum Social Media Manager an. Ganze Studiengänge, wie der Bachelor in Wirtschaftswissenschaften an der FernUni Hagen, werden über E-Learning realisiert.

Perspektivisch konzentrieren sich Bildungsinstitutionen noch mehr auf ihr Onlineangebot und verstehen dieses nicht nur als ergänzendes Programm zum normalen Lehrbetrieb. Die virtuelle Universität ist eine Reaktion auf die Internationalisierung des Weiterbildungsmarktes.

Für Unternehmen bedeutet dies die Chance, Mitarbeiterbildungs- und Entwicklungsmaßnahmen auf internationaler Ebene anzubieten, da die Teilnahme an Kursen unabhängig vom Standort des Lernenden ist. Ohnehin werden die Mitarbeiter von morgen erwarten, Weiterbildungen online wahrnehmen zu können, wenn sie bereits Ihre Erstausbildung an einer virtuellen Universität absolviert haben.

Als künftige Alternative gegenüber den virtuellen Lehrangeboten gelten sogenannte Bildungscitys. Kommunen, aber auch Unternehmen schaffen ganze Bildungsstandorte, die ein vernetztes und ganzheitliches Lernen vom Kindergartenalter bis zum Uni-Abschluss und darüber hinaus ermöglicht. Unterschiedliche Lernwelten können so in physischen Umgebungen verschmelzen.

Learning by Doing in der Augmented Reality

Augmented Reality als Erweiterung realer Lerninhalte um virtuelle, computergenerierte Zusatzinformationen hat schon heute Einzug in verschiedene Wirtschaftsbereiche wie Tourismus und Immobilien erhalten. Vom Ausbau der AR-Systeme könnte zukünftig auch der Weiterbildungsmarkt profitieren.

Lerninhalte aus Büchern, Aufzeichnungen oder dem Internet werden dann beispielsweise durch Brillenbildschirme mit der aktuellen Umgebung verknüpft, in der wir uns befinden. Learning by Doing bzw. Learning on the Job erhält damit eine völlig neue Tiefe und Effizienz. Experten schätzen, dass diese Form des Lernens bereits 2018 standardmäßig zum Einsatz kommen könnte.

Kurs zu schwer, zu einfach, zu lang? Algo-generated Lessons lassen keine Ausreden mehr zu

Auf technischen Weiterentwicklungen begründen sich in Zukunft auch adaptive Lernsysteme, sogenannte Algo-generated Lessons. Bei der Teilnahme an Onlinekursen werden mittels Eye- und Attention-Trackern und unter Hinzunahme großer Datenmengen nutzerspezifische Algorithmen gebildet.

Diese geben Aufschluss über die individuelle und effiziente Gestaltung von Lernplänen. So erhält jeder Teilnehmer den Lernstoff wie und in welchem Umfang er ihn braucht. Die Partizipation aller Mitarbeiter an Weiterbildungsmaßnahmen, unabhängig von Alter Bildungsstand oder Lernfähigkeit, wird damit maßgeblich vereinfacht.

Semantic Web revolutioniert den Weiterbildungsmarkt

Eine grundsätzliche Neuorientierung erfährt der Weiterbildungsmarkt im Jahr 2020 durch den Einsatz des semantischen Webs. Hierbei handelt es sich um eine Art künstliche Intelligenz, die es Computern erlaubt, Informationen nicht nur abzurufen, sondern anhand ihrer Semantik zu interpretieren, zu verknüpfen und weiterverarbeiten zu können.

Mit der Entwicklung dieses Web 3.0 ist nicht mehr die Wissensaneignung und Vermittlung der Inhalte selbst wichtig, sondern die Vermittlung des Wo und Wie der Wissensverfügbarkeit.

Ein Beispiel, wie so etwas in seinen Grundzügen aussieht, halten Sie meist schon in Ihrer Hand: Ihr Smartphone kennt das Wetter von morgen und Geschäfte im Umkreis von 2 km, die Regenschirme verkaufen, wie viel sie kosten und wo Sie diese online günstiger erhalten.

Digitalisierung wird das Non-plus-Ultra

Gute Nachricht für den Regenwald: die langfristige Zukunft der Weiterbildung ist papierlos. Lecturio ist neben dem Online-Sprachkursanbieter Babbel ein gutes Beispiel, dass E-Learning gegenwärtig möglich, ressourcensparend und didaktisch sinnvoll ist.

Perspektivisch nimmt die Digitalisierung im Bildungsbereich nach Annahme der befragten Experten noch weiter zu, bis hin zum völligen Verzicht auf Lehrbücher und ähnliches im Jahr 2026. Technische Entwicklungen wie die Algo-generated Lessons oder das Semantic Web werden das analoge Lernen ohnehin in den Schatten stellen.

Return on Education und Employability sind die Schlagwörter der Zukunft

Berufliche Weiterbildungen finden in Zukunft verstärkt vor dem Hintergrund der individuellen Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter statt. Die Employability setzt sich dabei nicht nur aus fachlichen Fähigkeiten zusammen, sondern zielt auch auf soziale und methodische Kompetenzen ab.

Wie fit der Arbeitnehmer in seinem Job ist, wird durch einen Vermögenswert beschrieben, den es mittels spezifischer Weiterbildungen zu erhalten bzw. zu erweitern gilt. Die Mitarbeiter sollen dabei in ihre Kompetenzförderung mit einbezogen werden. Eine zielgerichtete und noch differenziertere Auswahl von Maßnahmen ist Konsequenz des ganzheitlichen Employability-Managements für Personalverantwortliche.

Diese stehen dabei oft unter dem Rechtfertigungsdruck der Kosten-Nutzen-Relation, wenn es um die Bereitstellung eines Weiterbildungsangebots geht. Arbeitgeber verlangen vermehrt eine gültige und messbare Mehrwertargumentation von Bildungsanbietern.

In der globalen Wirtschaft hat sich dafür der Return-Gedanke bei Investitionsentscheidungen schon längst durchgesetzt. Laut Studie werden zukünftig die Rufe nach einem Rentabilitätsnachweis auch auf dem Weiterbildungsmarkt lauter. Der Return of Education soll als transparenter und nachvollziehbarer, vor allem aber als unternehmensspezifischer Mehrwert verstanden werden.

Mit 74% prognostizierten die befragten Experten der wachsenden Bedeutung des Return of Education die höchste Eintrittswahrscheinlichkeit von allen abgefragten Kernthesen – wohl auch, weil man heutzutage die Ergebnisse von Weiterbildungsmaßnahmen lediglich über Wissenstests und Zufriedenheitsbefragungen messen kann.

6 Strategien, wie Sie sich und Ihre Mitarbeiter auf die Zukunft der beruflichen Weiterbildung vorbereiten

Strategie 1: Etablieren Sie den Employability-Ansatz in Ihrem Unternehmen. Die Beschäftigungsfähigkeit Ihrer Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum wird maßgeblich beeinflusst von einer sogenannten lebensphasenorientierten Personalpolitik.

Praktische Elemente sind beispielsweise regelmäßige Mitarbeiterbefragungen zu beruflichen und privaten Belangen, die Einführung von Jahresarbeitszeitkonten, die Unterstützung von Mitarbeiterinitiativen und die Sensibilisierung der Führungskräfte für den Umgang mit Mitarbeitern in unterschiedlichen Lebens- und Berufsphasen. Ausführliche Informationen und viele weitere Praxistipps dazu finden Sie hier.

Strategie 2: Nehmen Sie den Druck heraus. Einer Studie der Deutschen Universität für Weiterbildung zufolge fühlt sich jeder Dritte gelegentlich und jeder Zehnte sogar häufig oder sehr häufig mit der wachsenden Bedeutung von beruflichen Weiterbildungen überfordert. Wirken Sie entgegen, indem Sie grundsätzlich ein Betriebsklima schaffen, das jeden motiviert (und nicht zwingt!), sich fortzubilden.

Strategie 3: Richten Sie demzufolge die Elemente Ihrer Personalentwicklung nachfrageorientiert aus. Das heißt, dass Sie genau analysieren sollten, wie die Kompetenz eines Mitarbeiters mit Hinblick auf seine Bedürfnisse und Lernfähigkeit gefördert werden kann.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat eine detaillierte Toolbox zu Fragen der beruflichen Weiterbildung herausgegeben. Die darin enthaltene ausführliche Qualifikationsbedarfsanalyse können Sie im Gespräch mit Ihren Mitarbeitern sofort einsetzen!

Strategie 4: Um der Individualität Ihrer Mitarbeiter und den komplexen Anforderungen verschiedener Arbeitsprozesse Rechnung zu tragen, sollten Sie Ihr Weiterbildungsangebot stetig erweitern, sowohl quantitativ, als auch in Qualität und Inhalt. Schon heute fordern 71% der Arbeitnehmer bessere Angebote von Ihrem Arbeitgeber. Analysieren Sie die bisherigen Lernmöglichkeiten für diverse Beschäftigungsgruppen und Arbeitsbereiche in Ihrem Betrieb: wo besteht Verbesserungsbedarf?

Das BMBF empfiehlt den Einsatz eines internen oder externen Bildungscoaches, der mit Ihnen gemeinsam eine Bedarfsanalyse und Angebotsprüfung durchführt und Lösungsvorschläge erarbeitet. Wie Sie anschließend den richtigen Weiterbildungsanbieter finden, können Sie ebenfalls der Toolbox entnehmen.

Strategie 5: Stellen Sie die Weichen für die Digitalisierung Ihrer Arbeit und der Ihrer Mitarbeiter. Sie sollten sich in Zusammenarbeit mit der IT-Abteilung oder externen IT-Beratern in der Innovationspflicht sehen, die vorgestellten Trends auch in Ihrem Unternehmen zeitnah einsetzen zu können.

Beschäftigen Sie sich daher frühzeitig mit Themen wie dem digitalen Wissensmanagement und dem Tracking von Mitarbeiter- und Kundenverhalten im Web. Die Auseinandersetzung mit Cyber-Kriminalität spielt dabei auch eine große Rolle. Im Weiterbildungsbereich sollte Blended Learning, also die Kombination von analogem und digitalem Lernen schon heute zum Einsatz kommen, um eventuelle Hemmschwellen gegenüber dem Einsatz von Technik abzubauen.

Strategie 6: Lernen ist nicht gleich Wissen, Wissen bedeutet nicht Verstehen und Verstehen heißt noch lange nicht anwenden. Bei all der Digitalisierung sollten Sie daher die analoge Welt nicht vergessen und Ihren Mitarbeitern immer wieder die Möglichkeit geben, auch auf Basis persönlicher Kommunikation das Gelernte zu reflektieren und anzuwenden. Unterschätzen Sie das informelle Lernen, also beispielsweise Gespräche mit den Kollegen, nicht.

Fazit                                                                  

Die Zukunft der beruflichen Weiterbildung hält einiges für Sie bereit, wenn man den Prognosen der befragten Experten Glauben schenkt. Begriffe wie Gehirnscreening, Bildungsavatare und Hypnose-Learning klingen heute noch nach Science Fiction.

Doch wenn man es recht bedenkt, ist das Jahr 2030 gar nicht mehr in allzu weiter Ferne und vieler der vorgestellten Aspekte sind schon eher reif für den Weiterbildungsmarkt. Es schadet daher nicht, auf zukünftige Entwicklungen vorbereitet zu sein und vor allem auf den Digitalisierungs-Zug aufzuspringen, wenn es um berufliche Weiterbildungen geht.

So sichern Sie sich die kompetenten Fachkräfte, die Ihrem Unternehmen den Fortbestand sichern. Dreiviertel der in der DUW-Studie befragten Arbeitnehmer rechnen mit der wachsenden Bedeutung von beruflicher Weiterbildung innerhalb der nächsten zehn Jahre. Stehen Sie ihnen nicht im Weg und ermöglichen Sie moderne Personalentwicklung!

 

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