Folgender Artikel beschäftigt sich mit den Themen Symphysis pubica und Iliosacral-Gelenk. 

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Symphysis pubica

Bild: “Anatomical dissection.” von Anatomist90 – Own work. Lizenz: CC BY-SA 3.0


Symphysis pubica (Symphyse)

Die Symphyse, auch als Schambeinfuge bezeichnet, verbindet die beiden Hüftbeine (Ossa coxae) des Beckengürtels, noch genauer gesagt die Schambeinkörper (Corpus ossis pubis), ventral in der Medianen. Zusammen mit dem Iliosakralgelenk auf der dorsalen Seite und dem Kreuzbein (Os sacrum) entsteht so der Beckenring. Diese stabile Bauweise ist notwendig, da auf dem Becken die Last des gesamten Körpergewichts vom Oberkörper lastet.

<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/File:Blausen_0723_Pelvis.png#/media/File:Blausen_0723_Pelvis.png">Bild</a>: “Pelvis.” von BruceBlaus. Blausen Medical Communications, Inc.. Lizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.en">CC BY 3.0</a>

Bild: “Pelvis.” von BruceBlaus. Blausen Medical Communications, Inc.. Lizenz: CC BY 3.0

Die Symphysis pubica stellt ein unechtes Gelenk, auch Synarthrose genannt, dar. Genauer gesagt ist die Symphyse eine Synchondrose. Das heißt, dass die Knochenverbindung über knorpeliges Material geschieht, in diesem Fall über Faserknorpel. Es gibt nicht wie im echten Gelenk einen richtigen Gelenkspalt.

Die Schambeinfuge besteht aus dem Discus interpubicus. Dieser verlauft kranial und kaudal weiter als Ligamentum pubicum superius und inferius. Dieser kräftigen Fasern wirken konstant der Gewichtskraft des Oberkörpers entgegen, die im aufrechten Stand auf zwei Beinen versucht den Beckenring auseinander zuziehen, ihn beim Sitzen aber zusammendrückt.

Die Symphyse kann somit um die nötige Stabilität zu gewährleisten nur einen sehr geringen Bewegungsausmaß im Becken zulassen. Lediglich bei schwangeren Frauen wird diese Straffheit der Fasern ein wenig gemindert.

Wichtig ist die Symphyse in der Gravidität auch noch, da sie Messpunkt einiger Beckenmaße ist. Diese sind für eine vaginale Geburt von großer Bedeutung, da man hier abschätzen kann, ob eine komplikationslose vaginale Geburt möglich ist. Am wichtigsten ist hier die Conjungata vera, die sich zwischen Promontorium und dem Hinterrand der Symphyse aufspannt. Sie beträgt im Normalfall circa 11cm. Dieses Beckenmaß gibt den kleinsten geraden Durchmesser des kleinen Beckens an.
Daneben ist auch noch die Conjungata recta erwähnenswert. Sie beschreibt die Beckenausgangsebene und lässt sich aus dem Abstand zwischen dem Unterrand der Symphyse und der Steißbeinspitze berechnen. Hier sind 9 (+2) cm physiologisch.

Die Symphyse ist des Weiteren Endpunkt der Linea terminalis. Diese gedachte Linie entspringt am Promontorium und läuft über die Liniae arcuatae. Sie beschreibt die Grenze zwischen dem großen und dem kleinen Becken.

Die Symphyse bildet außerdem den Scheitelpunkt des unteren Schambeinwinkels. Dieser ist geschlechterspezifisch unterschiedlich. So nennt man ihn beim Mann Angulus subpubicus mit ungefähr 70°. Bei der Frau beträgt der Winkel zwischen 90° und 100°. Man bezeichnet ihn hier als Arcus pubicus. Die unterschiedlichen Winkel lassen sich auf die im Allgemeinen verschiedene Form der Becken von Mann und Frau zurückführen.
Männliche Becken sind enger und steiler, wohingegen weibliche Becken ausladender und größer sind.

Articulatio sacroiliaca

Das Iliosakralgelenk (ISG) bildet die Verbindung zwischen den Ossa coxae und dem Os sacrum (Kreuzbein) und ist somit auch maßgeblich am Aufbau des Beckenringes beteiligt. Es ist somit auch die einzige Verbindung zwischen der Wirbelsäule des Oberkörpers und den unteren Extremitäten.

Iliosakral Gelenk

Bild: “Sacroiliac Joint.” von Blausen.com staff. „Blausen gallery 2014“. Wikiversity Journal of Medicine.. Lizenz: CC BY 3.0

Im Gegensatz zur Symphyse handelt es sich beim Iliosakralgelenk um ein echtes Gelenk. Das heißt, dass beide Gelenkkörper durch einen Gelenkspalt getrennt sind. Es gehört weiter zu den Amphiarthrosen, da es durch Bandverbindungen extrem straff und wenig beweglich ist.

Die Gelenkfläche am Kreuzbein wird als Facies auricularis ossis sacri bezeichnet, die am Hüftbein als Facies auricularis ossis ilii. Diese Flächen unterliegen mehr als andere Gelenke in Größe und Form großen interindividuellen Schwankungen. Die Gelenkflächen sind leicht miteinander verzahnt, da die Facies auricularis ossis sacri eine Einkerbung in seiner Mitte aufweist, in die sich eine Erhöhung auf der Facies auricularis ossis ilii einsenkt. Darüber hinaus ist der Gelenkknorpel auf dem Os sacrum ungefähr doppelt so dick wie der auf den Ossa ilia.

Die Bewegungen im ISG sind wie schon oben erwähnt nicht sehr ausladend möglich. Die durchführbaren Bewegungen beschränken sich auf Translations- und Nutationsbewegungen. Die Nutationsbewegung ist bei der Geburt von besonderer Bedeutung: Das Kreuzbein kippt um eine horizontale Achse im Bereich des Ansatzstelle der Ligamenta sacroiliaca interossea. So kann das Os sacrum nach vorne kippen, das Promontorium wandert also nach kaudal ventral und das Steißbein (Os coccygis) nach kranial dorsal. Dies hat zur Folge, dass die Beckenausgangseben sich vergrößert. Dreht sich das Kreuzbein in die andere Richtung, so nimmt die Beckeneingangseben in ihrem Durchmesser zu.
Bei der Schwangeren werden diese Bewegungen noch dadurch gefördert, dass das Horman Relaxin die straffen Bänder ein wenig lockert.

Das Iliosakralgelenk kann durch seine stabilisierende Funktion auch im Krankheitsfall zu erheblichen Schmerzen führen. Als Beispiel kann hier der Morbus Bechterew oder ankylosierende Spondylitis. Diese spezielle Form des Rheumas führt unter anderem zu schmerzhaften Entzündungen des ISG.

Bänder des Iliosakralgelenkes

Das Iliosakralgelenk ist durch eine straffe Gelenkskapsel und kräftige Bänder charakterisiert. Es finden sich sowohl Bänder auf der Innenseite des Beckens, als auch auf der Außenseite. Diese verhindern, wie schon oben erwähnt, eine zu große Beweglichkeit und garantieren dafür die bestmögliche Stabilität.

Die Ligg. sacroiliaca anteriora ziehen auf der Beckeninnenseite vom Os sacrum jeweils über den Gelenkspalt auf beiden Seiten hin zur Linea arcuata der Ossa ilia.
Zusammen mit den Ligamenta sacroiliaca interossea und den Ligamenta sacroiliaca posteriora (von derTuberositas ossis sacri zur Spina iliaca posterior superior ziehend) auf der dorsalen Seite des Beckens verspannen sie das Gelenk und fixieren das Kreuzbein im Beckenring vor allem im aufrechten Stand.Dadurch wird eine Absinken des Kreuzbeins in die Höhle des Beckens verhindert.  Die Ligg. Sacroiliaca interossea verlaufen bedeckt durch die Ligg. Sacroiliaca posteriora von der Tuberositas iliaca zur Tuberositas ossis sacri direkt hinter dem ISG.
Ein weiterer Bestandteil sind hier die Ligamenta iliolumbalia, die von den Rippenfortsätzen (Processus costales) der letzten beiden Lendenwirbelkörpers zu den Gelenkfortsätzen des Kreuzbeines (Processus articularis superior) und zur Christa iliaca verlaufen.

Das Ligamentum sacrospinale verläuft von der Spitze des Os sacrums (Apex ossis sacri) zur Spina ischiadica. Es trennt das Foramen ischiadicum majus vom Foramen ischiadicum minus. Mit der Hilfe des Ligamentum sacrotuberale (vom Os sacrum zum Tuber ischiadicum) verhindert das Ligamentum sacrospinale der jeweiligen Seite ein Kippen des Beckens nach dorsal.

Fragen zur Symphysis pubica und dem Iliosacral-Gelenk

Die Antworten befinden sich unterhalb der Quellenangabe.

1. Was für eine Art von Gelenk ist die Symphyse?

  1. Syndesmose
  2. Synostose
  3. Diarthrose
  4. Synchondrose
  5. Amphiarthrose

2. Durch welches der folgenden Hormone werden die Bandverbindungen des Iliosakralgelenks in der Schwangerschaft etwas lockerer?

  1. Progesteron
  2. Beta-HCG
  3. Relaxin
  4. Prolaktin
  5. Östrogen

3. Welches der folgenden Bänder des ISG zieht von der Tuberositas ossis sacri zur Spina iliaca posterior superior?

  1. Ligamenta sacroiliaca posteriora
  2. Ligamenta sacroiliaca interossea
  3. Ligamenta sacroiliaca anteriora
  4. Ligamentum sacrotuberale
  5. Ligamentum sacrospinale

 

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