„Davon bekommt man ja die Krätze!“ Im allgemeinen Sprachgebrauch ein gerne verwendeter Ausruf, doch was steckt tatsächlich hinter der Krätze? Sie kennen die parasitäre Krankheit unter dem medizinischen Fachterminus Skabies. CAVE: Skabies wird in 25 % der Fälle zunächst fehldiagnostiziert! Der Verursacher des starken Juckreizes ist Sarcoptes scabiei – die Krätzemilbe. Was Sie als Mediziner zu Pathophysiologie, Diagnose und Behandlung wissen sollten, lesen Sie im Folgenden!

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Man in Bed

Bild: “Staring at the ceiling !” von Craig Sunter – Thanx 2 Million. Lizenz: CC BY-ND 2.0


Pathophysiologie

Der Parasit wird von Mensch von Mensch durch direkten Körperkontakt übertragen: Spielende Kinder, Bettwärme und Geschlechtsverkehr sind dabei als Hauptexpositionsrisiken anzusehen. (Entwarnung für geteilte Textilien wie Bettwäsche: Das Infektionsrisiko liegt unter 1/200!). Nach der Begattung graben sich die 0,3- 0,4 mm großen weiblichen Milben ins Stratum corneum der Epidermis ein, wo sie tunnelartige Gänge für die Ablage der Eier ausbilden. Wenige Tage später versterben sie dort. 3 Wochen nach Eiablage schlüpfen aus den Eiern die  Milbenlarven, die sich zurück an die Hautoberfläche bohren. Der Lebenszyklus beginnt von vorn.

Symptome und Diagnosestellung

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Bild: „Acarodermatitis“ von Sven Teschke. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Typisch für die Skabies ist ein starker nächtlicher Juckreiz, der durch Milbenantigene hervorgerufen wird, die beim Zerfall der Milbenkörper freigesetzt werden. Als klinisches Korrelat der Milbengänge finden sich gewundene und z.T. tastbare Hauteffloreszenzen. Später entwickeln sich Papeln und Vesikel. Betroffen sind vor allem warme Körperregionen mit wenig Hornhaut. Hierzu gehören die Mamillenregion, die Interdigitalfalten, das männliches Genitale, die Achselfalten und die Handgelenke. Durch Kratzen kommt es zur  Ausbildung von Sekundäreffloreszenzen in Form von Exkoriationen, Krusten und Ekzembildung. Komplizierend können bakterielle Superinfektionen der Haut hinzutreten.

Merke: Die Prädilektionsstellen der Skabies sollten Sie sich gut für Prüfungen und Examen einprägen!

Charakteristische Primär- und Sekundäreffloreszenzen bei der Skabies

Primäreffloreszenzen sind komma- oder punktförmig, gerade Effloreszenzen sind meist Kratzspuren!

Primäreffloreszenzen Sekundäreffloreszenzen
Kommaartige oder unregelmäßig gewundene Milbengänge Krusten
Papeln Kratzdefekte
Vesikel Impetigo
Exanthem

Quelle: Robert Koch Institut

Die Latenzzeit zwischen Infektion und Beginn der Symptome beträgt etwa 3 Wochen (s.o.: Larvenschlüpfen). Anamnestisch sollte daher nach einer möglichen zurückliegenden Exposition innerhalb dieses Zeitraumes gefragt werden (z.B. Ferienfreizeiten). Besonders hellhörig machen sollte Sie ein Befall von mehreren Personen innerhalb einer Familie oder sozialen Einrichtung (z.B. Kindergärten, Krankenhausstationen).

Zum Nachweis der Skabies  eignet sich die Dermatoskopie (Nachweis der Milbengänge) und die Mikroskopie. Die Hautproben zur mikroskopischen Untersuchung werden mittels Klebebandabriss oder Abschabung gewonnen.

Scabies norvegica

Als Scabies norvegica bezeichnet man einen bei immunsupprimierten (AIDS, langfristige Glukokortikoid/Zytostatika-Therapie, Leukämien, DM) Patienten auftretenden massiven Milbenbefall, der aufgrund der herabgesetzten Immunreaktion keinen oder nur wenig Juckreiz hervorruft. Das Hautbild mit schmutzig-braunen Papeln, Borkenbildung und Schuppung ähnelt einer Ichthyosis.

Psychiatrische Differenzialdiagnose Dermatozoenwahn

Bei vorwiegend älteren Patienten mit nächtlichem Pruritus sollte ein Dermatozoenwahn ausgeschlossen werden. Auch im Rahmen organischer Psychosen (z.B. bei Alkoholentzugsdelir oder Exsikkose) tritt diese chronische taktile Halluzinose häufig auf, wobei der Patient überzeugt ist, dass Tiere oder Insekten unter seiner Haut leben.

Therapie: Ohne Compliance hilft das beste Medikament nichts!

Die drei Hauptpfeiler der erfolgreichen Therapie einer Skabies sind hygienische Maßnahmen, medikamentöse Therapie und vor allem die Compliance des Betroffenen. Das Therapeutikum der Wahl ist das Antiskabiosum Permethrin, das in Form einer Creme auf das gesamte Integument, einschließlich Fingernägel und Zehenspitzen, aufgetragen wird. Weitere Optionen sind z.B. Benzylbenzoat, Ivermectin und Allethrin. Um eine Auto-Re-Infektion zu vermeiden, müssen während der Therapie Kleidung, Bettwäsche und Handtücher täglich gewechselt und gewaschen werden.

Wichtiges zum Schluss

  • Die Milben überleben bei Raumtemperatur höchstens 2-4 Tage außerhalb des menschlichen Körpers.
  • In Deutschland existiert für Sie keine Meldepflicht für die Skabies.

Beliebte Prüfungsfragen über Skabies

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangabe.

1. Welche der folgenden Körperregionen ist eher selten von Skabies betroffen?

  1. Interdigitalfalten
  2. Mamillenregion
  3. Männliches Genitale
  4. Achselfalten
  5. Wange

2. Welcher Erreger übeträgt die Krätze?

  1. Sarcoptes scabiei
  2. Dermatozoen
  3. Neisseria gonorrhoeae
  4. Candida albicans
  5. Aspergillus fumigans

3. Wie wird die Erkrankung hauptsächlich übertragen?

  1. Tröpfcheninfektion
  2. Schmierinfektion
  3. indirekter Körperkontakt
  4. direkter Körperkontakt
  5. Blutübertragung

Quellen

Deutsches Ärzteblatt

Robert Koch Institut Infektionsschutz

Enzyklopaedie Dermatologie

Antworten: 1E, 2A, 3D

 

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