„Nacktfotos als Tauschobjekt: Lehrer warnen vor Sexting-Trend“:
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Bild: “Does it count as sexting if it’s a drawing of someone else?” von Quinn Dombrowski. Lizenz: CC BY-SA 2.0


Diese Schlagzeile aus der Frankfurter Rundschau spiegelt exemplarisch die aktuell aufgeheizte Debatte, die in den vergangenen Jahren zum Thema Sexting entbrannt ist. Wir haben uns die Fragen gestellt: Was ist Sexting überhaupt? Ist es tatsächlich so verbreitet? Und ist es auch wirklich so gefährlich?

Was ist Sexting?

Eine einheitliche wissenschaftliche Definition des Begriffs Sexting existiert nicht. Der Terminus stammt aus dem angloamerikanischen Raum und setzt sich aus den Begriffen „Sex“ und „Texting“ (vergleichbar mit „simsen“ im Deutschen) zusammen.

Davon sind mehrere unterschiedliche Handlungsvarianten umfasst. So wird mit dem Begriff sowohl das Versenden als auch das Empfangen und Weiterleiten sexuell expliziter Fotos, Videos oder Textnachrichten per Mobiltelefon erfasst.

Sexuell explizit sind dabei vor allem nackte und halbnackte Darstellungen. Im Einzelfall kann auch ein Bild, auf dem die betroffene Person bekleidet ist, als Sexting eingestuft werden, wenn es sich um eine sexuell anzügliche Pose oder Ähnliches handelt.

In Einzelfällen wird auch die Kommunikation via E-Mail oder sozialer Netzwerke erfasst, der klassische Sexting-Begriff betrifft jedoch nur oben genannte Erscheinungsformen.

Rechtliche Aspekte

Deutschland

Die rechtliche Lage zum Thema Sexting ist insbesondere international betrachtet recht komplex. In Deutschland ist zumindest das Weiterleiten anzüglicher Fotos ohne das Einverständnis des oder der Abgebildeten strafbar im Sinne einer Verletzung der Persönlichkeitsrechte.

Ein zivilrechtlicher Unterlassungsanspruch auch schon bei nicht anzüglichem Bildmaterial besteht gegenüber Anderen ohnehin im Sinne von §§ 1004 BGB i.V.m. 22 ff. KunstUrhG. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit von Schadensersatzansprüchen.

In strafrechtlichter Hinsicht kann das Antragsdelikt des § 201a StGB durch Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs in Frage kommen.

In extremen Fällen von Darstellungen Jugendlicher oder Kinder können Sexts im Sinne von §§ 184b und c StGB unter den Begriff der Jugendpornographie subsumiert werden. Die deutschen gesetzlichen Ausnahmeregelungen lassen gleichwohl Ausnahmen dahingehend zu, dass sich Minderjährige nicht strafbar machen, die einvernehmlich mit dem Partner erstellte Sexts teilen.

USA

In den Vereinigten Staaten stellt sich die Rechtslage grundlegend anders als in Deutschland dar. Dies liegt schon allein darin, dass die gesetzlichen Regelungen in den einzelnen Bundesstaaten sehr unterschiedlich sein können, vor allem mit Blick auf die rechtliche Einordnung.

So wird das Sexting in einigen Bundesstaaten als Vergehen, in anderen als Verbrechen geahndet. Eine besondere Folge dessen ist, dass einige Staaten sodann eine Eintragung des Täters ins Sexualstraftäterregister vornehmen. Dieses Register ist überall in den USA einsehbar und enthält keinerlei Informationen darüber, wegen welcher Sexualstraftat der jeweilig Betroffene verurteilt worden ist.

Dies kann also zur Folge haben, dass Sexter wegen vergleichsweise harmloser Handlungen unkommentiert in einen Kontext mit schweren Sexualstraftätern gesteckt werden. Diese sind dann selbst in solchen Bundesstaaten im Register aufgeführt, in denen Sexting eigentlich liberaler betrachtet wird.

Um Sexting-Täter zu überführen werden in den USA neuerdings beträchtliche Maßnahmen diskutiert. So soll einem Jugendlichen, dessen Gesicht auf dem Sext nicht zu sehen ist, unter bestimmten Umständen ein erektionsförderndes Mittel gespritzt werden können, um denjenigen an seinem erigierten Geschlechtsorgan identifizieren zu können.

Dennoch ist auch in den USA eine Debatte über die Entkriminalisierung von Sexting entbrannt, deren Ergebnis aber noch abzuwarten bleibt.

Nur wenige Jugendliche betreiben Sexting

Ein Durchschnitt der vorhandenen Studien zum Thema Sexting zeigt in etwa das Bild, dass ca. 15-16% aller Jugendlichen schon einmal Sexts empfangen haben. Die Zahl derjenigen, die selbst Sexts versendet haben wollen, liegt dabei deutlich darunter, was durch eine vermehrte Verbreitung erklärt werden kann.

Insgesamt bleibt also schon an diesem Punkt festzustellen, dass es sich keinesfalls um eine solch verbreitete Praxis darstellt, wie es in den Medien häufig den Anschein haben mag.

Wozu führt Sexting?

Durch Aufklärungskampagnen werden die Jugendlichen bereits frühzeitig auf die Gefahren des Sexting aufmerksam gemacht, zuallererst natürlich die Gefahr der unkontrollierten Weiterleitung und Veröffentlichung von Sexts.

Die Folgen der Weiterleitung von Sexts können recht unterschiedlich ausfallen. Auf der einen Seite Lästereien oder Mobbing, welche auf der anderen Seite in ernsthafte gesundheitliche Probleme münden können, wie suizidale Depressionen. Gerade hier ergeben sich auch einige Schnittstellen zum Phänomen des Cyber-Mobbing, das hier allerdings nicht näher erörtert werden soll.

Interessant ist dabei jedoch ein Blick auf die Motivlage gerade der Jungendlichen, die die Bilder einfach weiterleiten. Es sind nicht die häufigsten Fälle, in denen das Weiterleiten aus bloßer Boshaftigkeit erfolgt (lediglich 5% der Jugendlichen Befragten). 26% der Jugendlichen gaben an, dass die Weiterleitung aus purer Langeweile, 35% aus Prahlerei, erfolgte.

Der größte Teil der Jugendlichen machte sich offenbar gar keine tieferen Gedanken über die Weiterleitung, sondern gaben einfach nur an, dass sie davon ausgegangen sind, andere hätten die Bilder auch sehen wollen (52%). Die hauptsächliche Motivlage scheint somit Interesse und sexuelle Neugierde zu sein.

Sexting und Geschlecht

Exemplarisch, weil besonders relevant für die Erklärung des Phänomens Sexting sind genderspezifische Aspekte. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern fallen dabei sowohl in der Verbreitung als auch in den Gründen und dem Umgang mit Sexting auf. Weibliche Jugendliche versenden häufiger Sexts als es männliche tun. Bei ihnen ist dafür aber das Empfangen von Sexts überrepräsentiert.

Dass junge Frauen für das Empfangen und senden von Sexts prädestiniert sind, kann damit erklärt werden, dass junge Mädchen in der heutigen Gesellschaft ihren Wert vermehrt an ihrem Sex-Appeal messen müssen. Durch den Medienkonsum kann darüber hinaus eine starke Beeinflussung dahingehend vermutet werden, dass Mädchen sich als sexuelle Objekte wahrnehmen.

Hieran anknüpfend erscheinen einige geschlechterspezifische Erkenntnisse zur Wirkung von Sexts folgerichtig. Gemäß der genderspezifisch traditionellen Rollenverteilung wird von Mädchen klassischerweise sexuelle Zurückhaltung erwartet. Dies hat zur Folge, dass von Mädchen erstellte Sexts häufig automatisch als „billig“ oder „schlampig“ empfunden werden.

Bei Jungen hingegen wird ein Sext meistens nicht derart skandalisiert. Teilweise kann ein Sext zwar als albern, peinlich oder lächerlich empfunden werden, selten haftet ihm aber eine stigmatisierende Wirkung an.

Fazit

Sexting ist ein komplexer Vorgang. Die mediale Aufarbeitung der Thematik lässt immer wieder den Eindruck aufkommen, es handele sich beim Sexting um eine völlig neue Erscheinung. Dies lässt sich freilich anhand der Entwicklung nicht erkennen. Vielmehr stellt Sexting nur die folgerichtige technische Entwicklung einer unter Paaren schon lange gängigen Praxis dar.

Was hinzugekommen ist, ist die technische Möglichkeit der Vervielfältigung durch digitale Medien, die sich in den letzten Jahren rasant vergrößert hat. Das Sexting ist somit nicht neu, es sieht sich nur einem völlig neuen Gefahrenpotenzial gegenüber.

Bezüglich der Forschung zu den einzelnen Zusammenhängen, die zu Sexting führen, gibt es noch einigen Bedarf. Die aktuell vorhandenen Studien sind selten umfassend aussagekräftig und frei von methodischen Fehlern, sodass ihre Aussagekraft deutlich geschmälert ist.

Literaturempfehlungen:

  • Döring, Erotische Fotoaustausch von Jugendlichen: Verbreitung, Funktionen und Folgen des Sexting, in: Berner/Briken/Dekker/Matthiesen/Richter-Appelt/Strauß: Zeitschrift für Sexualforschung, 25 (1), Stuttgart 2012, S. 4-25.
  • Lounsbury/ Mitchell/ Finkelhor: The true Prevalence of „Sexting“2011, (http://www.unh.edu/ccrc/pdf/Sexting%20Fact%20Sheet%204_29_11.pdf).

 

 





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