Schussverletzungen, Ertrinkungstod und thermische Gewalt: Dies sind nicht nur für das Examen wichtige Themen der forensischen Traumatologie, sondern auch für den ärztlichen Alltag. Daher ist ein guter Überblick über die spezifischen Befunde und Differentialdiagnosen von hoher Relevanz für den klinisch tätigen Arzt als auch natürlich für den Rechtsmediziner.

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dieses bild zeigt frostbeulen am fuß eines menschen


Schussverletzungen

Das Fachgebiet der Ballistik befasst sich mit der Waffen- und Munitionskunde als auch der biologischen Auswirkung von Schüssen, der sogenannten Zielballistik.

Waffenarten bei Schussverletzungen

Man unterscheidet grob in langläufige Waffen, auch Handfeuerwaffen genannt, und kurzläufige Waffen, d.h. den Faustfeuerwaffen.

Zu den langläufigen Waffen gehören folgende:

  • Gewehre zeichnen sich durch einen gezogenen Lauf aus, d.h. dass im Lauf Züge (Vertiefungen) und Felder (spiral verlaufende Erhabenheiten) zu finden sind. Mit Gewehren werden Kugel-Patronen verschossen.
  • Flinten besitzen einen glatten Lauf und dienen zum Verschießen von Schrot-Patronen.

Diese gehören zu den kurzläufigen Waffen:

  • Revolver haben ein trommelförmiges Magazin, das sich bei jedem Schuss dreht. Das Magazin fasst je nach Hersteller und Typ unterschiedlich viele Patronen. Zwischen der Trommel und dem Lauf von Revolvern befindet sich ein Spaltraum, aus dem seitlich Schmauch austritt.
  • Pistolen weisen ein geschlossenes System auf, indem sich das Patronenlager im Anfangsteil des Laufs befindet. Es gibt einschüssige Pistolen, bei denen nach jedem Schuss nachgeladen werden muss und mehrschüssige Pistolen, welche manuell oder automatisch repetierend sind.

Des Weiteren gibt es noch Signalwaffen aus dem Sportbereich sowie Gasdruck-Waffen. Schlachtschussgeräte bzw. Viehbetäubungsapparate und Bolzen-/Nagel-Setzgeräte aus dem Baubereich sind zwar im Sinne des Gesetzes keine Waffen, vom Funktionsprinzip her aber vergleichbar und potentiell lebensgefährlich.

Munition bei Schussverletzungen

Als Munition bezeichnet man die Patronen, welche aus drei Bestandteilen bestehen: Dem Geschoss (d.h. dem Projektil, der Kugel oder dem Schrot), der Hülse inklusive Zündhütchen und der Ladung in Form des Zünd- und Treibsatzes, welche den Druck für die Geschossbewegung liefert.

Die forensisch wichtigsten Patronenarten sind die Kugel- und die Schrotpatrone. Die Kugelpatrone ist in der Regel aus Blei und besitzt eventuell einen Voll- oder Teilmantel aus Metall. Schrotpatronen bestehen aus groben bis sehr feinen Bleikugeln. Zwischen diesen und dem Treibsatz befindet sich ein Zwischenmittel aus Filz oder Kunststoff. Oben an der Hülse über der Schrotladung befindet sich ein Deckel.

Die Ladung der Patrone besteht aus einem Zünd- und einem Treibsatz. Der Zündsatz enthält schlag-labile Stoffe mit Schwermetallen wie Barium, Blei und Antimon, welche die Grundlage der chemischen Schmauchrückstandanalytik sind. Der Treibsatz besteht hingegen meistens aus Nitroglycerin in Form von Pulverplättchen. Dieser verbrennt nach der Zündung explosionsartig und bildet Gas unter einem extrem hohen Druck. Hierdurch wird das Geschoss durch den Lauf getrieben.

diese abbildung zeigt die bestandteile einer munitionspatrone


Bild: “Sectional view of a German 1888 pattern Patrone 88 or M/88 rifle cartridge” von Hmaag. Lizenz: CC BY-SA 3.0

1 – Geschoss, 2 – Hülse, 3 – Treibsatz, 4 – Zündkapsel, 5 – Zündelement

Innere Ballistik bei Schussverletzungen

Als innere Ballistik bezeichnet man die Vorgänge innerhalb der Waffe. Wird der Abzug einer Waffe betätigt, so wird der Zündstift auf den Boden der Patrone geschlagen, d.h. auf das sogenannte Zündhütchen. Dadurch explodiert der schlagempfindliche Zündsatz, welcher wiederum den Treibsatz entzündet. Dieser verbrennt sehr schnell und es entsteht viel Gas unter einem enormen Druck, sodass das Projektil durch den Lauf geschossen wird.

Mit dem Verlassen des Laufs werden auch Rückstände des Zünd- und Treibsatzes freigesetzt – der sogenannte Schmauch – welcher sich auf der Schusshand und anderen Gegenständen niederschlagen kann. An der Laufmündung können sich die Gase explosionsartig entspannen, wodurch der Knall und der Rückstoß der Waffe entstehen.

Zielballistik bei Schussverletzungen

Die Zielballistik befasst sich mit den biologischen Auswirkungen des Geschosses im Menschen. Dazu zählen die Wirkung durch den Einschuss, den Durchschuss und den Austritt aus dem Gewebe sowie Wirkungen durch Pulververbrennungsgase und Ladungsrückstände.

Merke: Bei Schussverletzungen handelt es sich um eine Sonderform des stumpfen Traumas.

Typische Befunde eines Einschusses sind ein zentraler Substanzdefekt, ein Schürfsaum, ein Abstreifring (auch Schmauchring) und ein Kontusionssaum mit Blutaustritten. Der Abstreifring gilt dabei als ein sicheres Kriterium für einen Projektileinschlag im Sinne eines Einschusses. Die anderen Merkmale sind bloße Zeichen stumpfer Gewalt. Ein ebenso wichtiges Differenzierungsmerkmal ist, dass der Einschussdefekt nicht adaptierbar ist.

Ein Durchschuss sorgt für Lochbrüche (v.a. am Schädel) und Splitterbrüche ( v.a. bei Röhrenknochen) an den Knochen. Ein Lochbruch ist für gewöhnlich konisch und lässt damit auf die Schussrichtung schließen. Die Knochensplitter bei Splitterbrüchen werden gleichfalls in die Bewegungsrichtung des Projektils verlagert.

An den Weichteilen kommt es zu einer hydrodynamischen Sprengung. Dabei führt die hohe Geschossgeschwindigkeit zur Bildung einer temporären Wundhöhle und einer höhlenförmigen Zerreißung des Gewebes in wasserhaltiges Gewebe, wie die Muskulatur oder das Gehirn. Eine von der temporären Wundhöhle ausgehende Stoßwelle führt zu Organschäden in der Umgebung.

diese abbildung zeigt einen knochenbruch durch eine schussverletzung

Bild: “Schussbruch des Oberschenkelknochens. Röntgen seitlich.” von Herecomesdoc. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Ein Ausschuss ist gekennzeichnet durch einen risswundenartigen Defekt, der meist kleiner ist als das Geschosskaliber, da das Projektil die Haut von innen dehnt. Zudem fehlen ein zentraler Substanzdefekt, eine Schürfung und eine Abstreifung. Knochensplitter können als Sekundärgeschosse wirken und mitunter zu einem großen Ausschuss führen. Das Gleiche gilt bei Teilmantelgeschossen, die sich beim Durchschuss zerteilen.

Besondere Schussverletzungen sind der Gellerschuss (Querschläger) und der Krönleinschuss. Beim Gellerschuss kommt es zu einer Verletzung durch ein Projektil, dass außerhalb des Körpers abgelenkt wurde. Als Krönleinschuss bezeichnet man das Aufsprengen der Schädelhöhle durch einen intrakraniellen Druckanstieg.

Ladungsrückstände bei Schussverletzungen

Diese Explosionsgase, die direkt nach dem Projektil die Laufmündung verlassen, bestehen aus un- oder teilverbrannten Pulverplättchen, Schmauch, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Elementen der Zündladung wie Blei, Antimon und Barium sowie eventuell Bestandteilen von Waffenpflegemitteln.

Ein Schmauchhof entsteht, wenn sich der Waffenlauf nah an der Zielfläche befindet. Hier schlagen sich die Ladungsrückstände hofförmig um den Einschuss nieder. Anhand des Aussehens des Schmauchbildes lässt sich die Schussdistanz ermitteln: Umso größer die Distanz ist, desto weniger schwere Partikeln erreichen die Haut.

Schussdistanz bei Schussverletzungen

Man unterscheidet in Fern- und Nahschüsse. Nahschüsse werden weiter in relative und absolute Nahschüsse unterteilt.

Beim Fernschuss findet man keine Ladungsrückstände am Einschuss. Beim relativen Nahschuss dagegen sind Ladungsrückstände auf der Haut und beim absoluten Nahschuss sogar unter der Haut zu finden.

Beim absoluten Nahschuss wird der Lauf bei der Schussabgabe direkt auf die Haut aufgesetzt, wodurch die Explosionsgase in die Haut eindringen, sich radiär ausbreiten und das Unterhautfettgewebe zerreißen. Dadurch entsteht die sogenannte Schmauchhöhle mit Einlagerungen von Schmauchbestandteilen und Kohlenmonoxid.

Hierdurch erscheint austretendes Blut hellrot und enthält CO-Hämoglobin. Gleichzeitig kommt es zu einer Aufblähung der Haut mit einer radiären Aufplatzung in Form einer Platzwunde. Da die Haut an den heißen Lauf anschlägt, entsteht eine Stanzmarke in Form des Mündungsgesichtes.

Die Stanzmarke gibt wichtige Hinweise zur Tatrekonstruktion: Anhand der Form kann man auf die Waffenart, die Waffenhaltung beim Abgeben des Schusses und die Händigkeit (bei Suizid) schließen.

dieses bild zeigt eine schusswunde im bauch einer frau

Bild: “Single gunshot wound (point of impact) to the abdomen in a female patient, Maracay, Venezuela.” von Bobjgalindo. Lizenz: CC BY-SA 4.0

Spezialfall: Bolzenschuss

Bei Schussverletzungen durch Bolzenschussgeräte entsteht eine Knochenstanze, ohne dass ein Projektil im Schusskanal zu finden ist.

Schusshand bei Schussverletzungen

Die Bestimmung der Schusshand gibt wichtige Hinweise auf den Täter. Bei ihm finden sich Schmauchniederschläge auf dem Daumen und dem Zeigefinger – insbesondere der bei Verwendung von Revolvern. Außerdem können sich Blutspritzer, die beim Einschuss zurückgeschleudert werden, auf den Fingeraußenflächen niederschlagen.

Auf der Hand und der Kleidung können sich Backspatter in der Form von kleinen Knochensplittern und Gewebefetzen finden. Bei Sturmgewehren sieht man zudem oft Hautzerreißungen an der Handinnenfläche durch seitlich austretende Explosionsgase.

Merke: Öffnet sich der Airbag bei Verkehrsunfällen, so kann der dabei entstehende Gasstrahl die Hände treffen und eine Beschmauchung durch eine Schussabgabe vortäuschen.

Differenzierung zwischen Delikten, Unfällen und Suiziden bei Schussverletzungen

Art: Delikt Unfall Suizid
Schussdistanz: Meist ein Fernschuss selten ein Nahschuss; beim Überraschen im Schlaf etc. Oft ein relativer Nahschuss bei einer Waffenmanipulation wie Reinigen oder Demontieren In der Regel ein absoluter Nahschuss
Zielballistik: Einschuss an jeder Körperstelle möglich; Kleidung ist durchschossen Einschuss in Brust, Gesicht oder ins offene Auge Häufig in Stirn, Schläfe, Mund; sehr selten im Hinterhaupt; Bekleidung ist beiseite geschoben
Waffenart: Keine Waffe vorhanden, oft nur ausgeworfene Hülsen Gesamte Fundsituation ist zu beachten Waffe und Munition aus eigenem Besitz; Waffe in Hand oder auf Boden
Rückstände: Geschosseinschlag bei einem Durchschuss in Wand oder Boden, eher nicht in der Zimmerdecke Projektileinschlag in Wand und Decke Projektileinschlag oft in Zimmerdecke

Verbrennungen und Verbrühungen

Verbrennungen entstehen durch eine direkte Flammenwirkung, strahlende Hitze oder heiße Gase wie Dampf oder Brandgase. Verbrühungen entstehen durch heiße Flüssigkeiten, etwa Wasser und Öl. Typisch hierfür sind Abrinnspuren an der Haut.

Befunde an der Leiche bzw. beim  Lebenden bei Verbrennungen und Verbrühungen

  • Haut: Grad I: eine Rötung mit einer Abheilung in kurzer Zeit; Grad II: Blasenbildung, bei der eine vollständige Heilung möglich ist; Grad III: eine oberflächliche Nekrose mit einer Defektheilung in Form einer Narbe; Grad IV: eine tiefe Nekrose mit einer Verkohlung
  • Haare: Hier sind nur bei Verbrennungen (nicht bei Verbrühungen mit Wasser) Kräuselungen bis hin zum Zerfall zu finden.
  • Weichteile: Es kommt zu einer Verkochung der Muskulatur mit einer Schrumpfung und einer dadurch bedingten Beugung der Gelenke. Die Leiche nimmt die sogenannte Fechter- oder Boxerstellung ein.
  • Zähne: Diese sind sehr hitzeresistent und dienen selbst bei einer starken Verkohlung der Identifikation der Leiche.
  • Kopf: Im Schädel kommt es oft postmortal zu Blutungen, einem sogenannten Brandhämatom. Diese Blutungen entstehen durch ein Zusammenziehen der Dura mater mit einer Ablösung von der Schädelkalotte, wobei Venen zerreißen. Des Weiteren kann die Hitze den Schädel sprengen.

Zeichen vitaler Reaktionen bei Verbrennungen und Verbrühungen

Zu den Zeichen vitaler Reaktionen gehören Hautrötungen und Hautblasen. Alle übrigen äußeren Befunde können auch an der Leiche entstehen – hier hilft nur eine innere Leichenschau weiter.

Bei einer erhaltenen Atemtätigkeit gelangen Brandgase wie CO, CO2 und Blausäure in die Atemorgane und sind im Blut der Leiche nachweisbar. Auffindbar sind Rußflocken am Mund und der Nasenöffnung, rußiges Material in der Luftröhre, Hitzeveränderungen der Atemwegsschleimhaut, Säureverätzungen aus den Brandgasen in den Atemwegen und bei einer CO-Vergiftung eine hellkirschrote Farbe von Totenflecken und inneren Organen.

Zudem können beim aktiven Zukneifen der Augen Krähenfüße entstehen, d.h. vom Ruß ausgesparte Falten an den Augen.

In den folgenden Fällen treten keine vitalen Reaktionen auf:

  • Zyanidvergiftung
  • Flash fire: Hier kommt es aufgrund der Hitze zu einem Laryngospasmus und einem Atemstillstand.
  • Hitzestarre: Eine schlagartige Hitzestarre des Brustkorbs führt zu einer funktionellen Beeinträchtigung der Atemexkursion mit Todeseintritt.

Todesursachen bei Verbrennungen und Verbrühungen

In der Regel kommt es durch eine CO-Vergiftung und einen O2-Mangel (durch die O2-Zehrung des Feuers) schnell zu einem Todeseintritt durch Ersticken. Verzögert kann es bei schweren Verbrennungen zum Todeseintritt durch eine Störung des Wasser- und Salzhaushalts, Infektionen, eine Verbrennung der Luftwege und ein Lungenödem kommen. So sieht eine Lunge mit einem Inhalationstrauma aus:

diese abbildung zeigt eine lunge mit inhalationstrauma


Bild: “Burn injury” von Yale Rosen. Lizenz: CC BY-SA 2.0

9er Regel bei Verbrennungen und Verbrühungen

Der tödliche Ausgang infolge von Verbrennungen ist abhängig vom Ausmaß der verbrannten Körperoberfläche und dem biologischen Alter des Opfers. In der Regel ist eine Verbrennung von über 70 Prozent der Körperoberfläche tödlich.

Als Faustregel gilt, dass falls die Summe des Opferalters und des Prozentanteils der verbrannten Körperoberfläche deutlich unter 100 liegt, Zweifel angebracht sind, dass der Tod infolge der Verbrennungen eingetroffen ist. In diesem Fall sind eine Autopsie und eine toxikologische Untersuchung angebracht.

Hilfreich zur Abschätzung der betroffenen Körperfläche in Prozent ist die 9er Regel. Diese besagt, dass der Kopf, die Brust, der Bauch, der Rücken oben bzw. unten, die Arme vorne bzw. hinten, die Oberschenkel und die Unterschenkel jeweils vorne und hinten je neun Prozent der Körperoberfläche entsprechen. Eine Verbrennung in Größe einer Handfläche entspricht einem Prozent.

Weitere Informationen zum Thema Verbrennungen finden Sie im Beitrag „Brandheiß: Medizinische Fakten zu Verbrennungen“.

Differenzierung zwischen Delikten, Unfällen, Suiziden und postmortalen Ereignissen bei Verbrennungen

Art: Delikt Unfall Suizid Postmortales Ereignis
Häufigkeit: Selten Häufig Selten Häufig
Merkmale: Opfer meist bewusstlos durch Stiche, Schläge oder Strangulation Oft in der Wohnung bei einem Schwelbrand im Schlaf überrascht oder durch Kinder/alte Menschen verursacht Meist im Freien nach Überschütten mit Brandmittel Durch Anzünden eines Objektes mit der Leiche darin zur Vertuschung eines Verbrechens (sogenannter Mord-Brand)

Elektrischer Strom

Verletzungen und Tode durch Stromwirkungen können eintreten, wenn ein Mensch zum Teil eines durch einen Kurz- oder einen Erdschluss geschlossenen Stromkreises wird.

Entscheidend für die biologische Wirkung ist der Stromfluss, welcher wesentlich durch den Hautwiderstand bestimmt wird. Der Hautwiderstand bewegt sich im Bereich von 100Ω (feuchte Haut) und 100.000 Ω (trockene Haut). Ebenso wichtig ist der Weg, den der Strom im Körper zurücklegt.

Thermische Wirkungen durch Joulesche Wärme bei elektrischem Strom

An Stromübertrittsstellen kommt es wegen der hohen lokalen Stromdichte zu Hitzeschäden in der Form von Rötungen, einer Blasenbildung und trichterförmigen Verbrennungen – insgesamt als Strommarke bezeichnet. Hierbei handelt es sich um einen rein thermischen Effekt und kein Zeichen vitaler Reaktion.

Die Strommarke ist meist rundlich, eingedellt und von grauweißer bis schwarzer Farbe. Ein wallartig aufgeworfener Rand (Porzellanwall) ist ebenso typisch wie eine histologisch feststellbare fischzugartige Anordnung von Basalzellen. Bei einer großen Kontaktfläche, etwa im Wasser, ist die Stromdichte an der Übertrittsstelle niedrig und es entsteht keine Strommarke.

dieses bild zeigt eine hand mit einer durch strom verursachten brandwunde

Bild: “Making Contact” von PubMed Central. Lizenz: CC BY 2.0

Bei einem direkten Kontakt mit dem Stromleiter entsteht ein kleiner Lichtbogen, wodurch das Metall des Stromleiters verdampft und sich an der Strommarke niederschlägt. Diese Metallisation ist aber ebenso kein vitales Zeichen. Bei einem Stromüberschlag entstehen zudem Brandspuren an den Schuhsohlen oder Jackenärmeln.

Spezifische Wirkungen durch Depolarisation bei elektrischem Strom

Da Strom Gewebe depolarisieren kann, kommt es z.B. am Herzen zu Rhythmusstörungen mit einem teilweise sofortigen Todeseintritt und an der Muskulatur zu Überdehnungen und Zerreißungen.

Aus den Muskeln austretendes Myoglobin kann über das Blut in die Nieren gelangen und dort zur Crush-Niere mit eventuellem Nierenversagen führen. Durch die Kontraktion der Atemmuskulatur kann es zu Stauungsblutungen und Atembeschwerden kommen.

Weitere Obduktionsbefunde sind ein Lungenödem, flüssiges Leichenblut, ein Blutreichtum der inneren Organe und Weichteilödeme.

Gefährdungsbereiche bei elektrischem Strom

Schon niedrige Stromstärken von wenigen Milliampere haben biologische Auswirkungen. Die folgenden Effekte treten ein:

  • Stromstärke über 5mA: Muskelziehen
  • Stromstärke über 25mA: Loslassen nicht möglich
  • Stromstärke über 80mA: Herzrhythmusstörungen
  • Stromstärke über 800mA: Garantiert tödlich
  • Stromstärke ab 2A: Strommarken und schwere Verbrennungen
Merke: Sicherungen brennen in der Regel erst ab 13 Ampere durch. Intakte Sicherungen sind also kein Ausschlusskriterium für einen Elektrotod. Auch ein FI-Schalter muss nicht kommen, wenn sich das Opfer zwar im Stromkreis befindet, aber keinen Erdkontakt hat.

Differenzierung zwischen Delikten, Unfällen, Suiziden und postmortalen Ereignissen bei elektrischem Strom

Art: Delikt Unfall Suizid Postmortales Ereignis
Häufigkeit: Selten Häufig Selten Selten
Merkmale: Föhn oder Stromkabel in Badewanne gelegt; Türklinke unter Strom gesetzt Amateurelektriker; Kontakt mit defekten Haushaltsgeräten Meist Tod in Badewanne Vorgetäuschter Stromtod; Strommarken können vorhanden sein

Spezialfall: Stromtod in der Badewanne

Die Voraussetzung für eine Schädigung ist ein geschlossener Stromkreis. In der Regel erfolgt der Erdschluss über einen Brauseschlauch aus Metall oder ein Metallabflussrohr. Aufgrund des niedrigen Hautwiderstandes sind meist keine Strommarken zu finden. Die Sicherungen brennen nicht durch.

Schwierig ist der Nachweis einer Tötung mit einer anschließenden Beseitigung der Stromquellen. Verdächtig ist das Fehlen von typischen Hinweisen auf ein Ertrinken, insbesondere wenn im Blut des Opfers Rückstände von Betäubungsmitteln zu finden sind. In solchen Fällen sind immer eine Autopsie sowie eine kriminal- und elektrotechnische Abklärung durchzuführen.

Spezialfall: Tod im Hochspannungsbereich

Im Hochspannungsbereich z. B bei Eisenbahnschienen oder Überlandleitungen ist ein direkter Leiterkontakt nicht nötig, da der Strom ca. einen Zentimeter pro 1.000V überspringen kann. Dabei entsteht ein heller und sehr heißer Lichtbogen.

Es finden sich oberflächliche Verbrennungen, Versenkungen der Kleidung und Versenkungen wie Gürtelschnallen oder Knöpfe. Das helle Licht führt zum Zusammenkneifen der Augen, wodurch Krähenfüße mit Verbrennungsaussparungen an den äußeren Augenwinkeln entstehen.

In der Regel handelt es sich bei solchen Todesgeschehen um Unfälle, doch es kann sich auch um ein Delikt in der Form eines Stoßens in den Gefahrenbereich handeln.

Spezialfall: Tod durch Blitzschlag

Hier unterscheidet man zwischen einer direkten und indirekten Blitzwirkung. Die direkte Blitzwirkung entspricht den Effekten beim Hochspannungsunfall. Die indirekte Blitzwirkung entsteht fernab der Blitzeinschlagsstelle. Ursächlich hierfür ist ein exponentieller Abfall der Spannung rund um die Blitzeinschlagsstelle, der sogenannte Spannungstrichter.

Steht der Mensch in diesem Bereich mit gespreizten Beinen auf dem Boden, so kann es sein, dass die Füße in Bereichen unterschiedlicher Spannung sind (Schrittspannung) und aufgrund dieser Spannungsdifferenz ein Strom durch den Körper fließt.

Oft finden sich feine, verzweigte Rötungen an den Beinen der Patienten, welche „Lichtenbergfigur“ genannt werden – genau wie die Blitzerscheinung am Himmel.

diese abbildung zeigt eine lichtenbergfigur am bein

Bild: “Lightning injury” von James Heilman, MD. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Kältetode und Unterkühlungen

Schon geringe Veränderungen der Körpertemperatur können gefährlich werden. Ein Wärmeverlust kann durch eine Radiation (Abstrahlung), eine Konduktion (direkte Wärmeübertragung auf die Umgebung), eine Evaporation (Entzug der Verdampfungswärme) und eine Konvektion (Belüftung) erfolgen.

Begünstigend auf den Wärmeverlust wirkt eine geringe Isolation bei einer dünnen Fettschicht oder unzureichender Bekleidung, ein geringes Volumen im Verhältnis zur Körperoberfläche (etwa bei Kleinkindern) und eine verstärkte Wärmeübertragung durch eine feuchte Umgebung oder wärmeleitende Unterlagen wie nasse Erde oder kaltes Wasser.

Zudem fördert eine Alkoholisierung durch eine gesteigerte Durchblutung der Haut den Wärmeverlust. Von einer Unterkühlung spricht man ab einer Körperkerntemperatur unter 35°C.

Wenn die Thermoregulation des Körpers in der Form von einem Muskelzittern und einer Kreislaufzentralisation ausgereizt ist, kühlt der Körperkern ab. Abgekühltes Hämoglobin weist eine höhere Affinität zu O2 auf, so dass es zu einer Gewebshypoxie kommt. Der Tod tritt also durch ein inneres Ersticken und dadurch bedingte Herzrhythmusstörungen ein, z.B. Kammerflimmern.

Lokale Erfrierungen werden in drei Grade eingeteilt:

  1. Hier findet sich ein Erythem (Dermatitis congelationis erythematosa) und eine Gefühllosigkeit.
  2. Danach kommt es zu einer Schwellung (Dematitis congelationis bullosa) und einer Blasenbildung (Frostbeulen).
  3. Zuletzt entstehen Nekrosen (Dermatitis congelationis gangraenosa) mit einer Schwarzfärbung.

Befunde an der Leiche bei Kältetoden und Unterkühlungen

  • Im Gehirn: Es kommt zu Bewusstseinsstörungen und Halluzinationen.
  • Im Herz: Ab unter 30°C Körpertemperatur treten Rhythmusstörungen auf, ab 27°C kommt es zum Todeseintritt durch Kammerflimmern.
  • Auf der Haut: Bei Perniones handelt es sich um Hämolyseflecken (auch Kälteflecken) an den Streckseiten der Extremitäten (meist an den Unterarmen und Unterschenkeln), welche rötlich sind und wie traumatische Blutungen aussehen. Von diesen sind sie dadurch zu unterscheiden, dass das Unterhautfettgewebe nicht gequetscht ist. Des Weiteren sind rote, juckende oder schmerzende Schwellungen unter der Haut (Frostbeulen) zu finden. Diese treten insbesondere an Körperstellen auf, die bei der Zentralisation zuerst weniger durchblutet werden wie Zehen, Finger und Ohren.
  • Im Magen: Wischnewsky-Blutungen sind hämorrhagische Erosionen der Magenschleimhaut, die typisch für den Kältetod sind.
  • An der Muskulatur: Hier finden sich vor allem an der Muskulatur des Körperkerns kleine Blutungen und mikroskopische Muskelfaserzerreißungen, z.B. am Musculus ileopsoas.
  • Veränderungen im Blut: hoher Blutzucker, Azidose, Ketoacidose in Folge des Fettabbaus. Das Blut hat eine hellrote Farbe durch die stärkere Bindung von O2 an das Hämoglobin.
Merke: Es gibt keine unterkühlungsspezifischen Befunde. Die Diagnose kann nur anhand mehrerer Anzeichen bzw. per exclusionem anderer Schadensarten erfolgen.

Das sind Frostbeulen am Fuß einer Person:

dieses bild zeigt frostbeulen am fuß eines menschen

Paradoxes Wärmegefühl bei Kältetoden und Unterkühlungen

Recht typisch ist das Auffinden einer teilweise oder vollständig entkleideten Leiche, sodass zunächst der Verdacht auf einen Sexualdelikt entstehen kann. Unterkühlte Personen ziehen sich aber aus aufgrund einer vermehrten Hautdurchblutung in der Sterbephase, welche zu einem intensiven Wärmegefühl führt.

Da die Betroffenen gleichzeitig aufgrund des Sauerstoffmangels an Halluzinationen leiden (Kälteidiotie) verkennen sie die Wirklichkeit und entledigen sich teilweise oder komplett ihrer Kleider. Eine Alkoholisierung fördert diesen Vorgang.

Differenzierung zwischen Delikten, Unfällen und Suiziden bei Kältetoden und Unterkühlungen

Art: Delikt Unfall Suizid
Häufigkeit: Relativ selten Häufig Selten
Betroffene: Ausgesetzte Neugeborene oder im Stich gelassene Alkoholisierte Bei Alkoholisierten, Drogenabhängigen oder Obdachlosen, die im Freien einschlafen Im Rahmen einer psychischen Störung
Merkmale: Besonders gefährlich ist kaltes Wasser; Faustregel zur Überlebenszeit: 1 min pro 1 °C

Ertrinken

Beim Tod im Wasser muss man zwischen einem mittelbaren und einem unmittelbaren Ertrinken differenzieren. Unter einem mittelbaren oder atypischen Ertrinken versteht man das Untergehen im Wasser infolge eines Kreislaufkollapses oder einer Bewusstseinsstörung. Hierzu zählt der  klassische Badetod nach Emminger (der plötzliche Tod im Wasser).

Ein unmittelbares Ertrinken hingegen ist ein Ersticken unter Wasser, das folgende Kriterien aufweist: Luftschnappen vor dem Untergehen, Atemanhalten nach dem Untergehen (eventuell mehrere Wiederholungen dieser beiden Abläufe), Atemnot mit Luftausatmen und Wassereinatmen, präterminale Atempause durch Lähmung und Tod. Insgesamt dauert das Ertrinken etwa drei bis fünf Minuten.

Spezialfall: Tod im Bad

Als Tod im Bad bezeichnet man den Todeseintritt bei einem zufälligen Aufenthalt im Wasser. Oft geschieht dies in der Badewanne, durch einen abrupten Zusammenbruch der vitalen Hauptfunktionen, sodass es jegliche vitalen Reaktionen fehlen.

Vitale Reaktionen beim Ertrinken

Aus dem Husten und Konvulsivstadium beim Ertrinken resultiert der sogenannte Schaumpilz vor Mund und Nase bei Frischertrunkenen, den man auch in angetrocknetem Zustand erkennen kann. Dieser weißliche Schaumpilz entsteht durch das reflexartige Einatmen von Wasser, welches sich mit der Atemluft und dem eiweißhaltigen Bronchialsekret vermischt.

Außerdem kommt es durch eine krampfhafte Inspiration zu einer Aufblähung der Lunge, durch welche wiederum Blutungen entstehen, die Paltaufschen Ekchymosen. Diese Flecke sind etwa fingerkuppengroß, subpleural und von roter bis brauner Farbe. Das makroskopische Bild der aufgeblähten, roten Lunge wird als Erythema aquosum bezeichnet (nur beim Ertrinken in Süßwasser). Die Lunge lässt sich auch durch einen Fingerdruck nicht kollabieren (Volumen pulmonum auctum).

In den Alveolen findet sich Wasser mit typischen Bestandteilen wie Plankton und Kieselalgen. Durch eine Sedimentanalyse des Fundorts und einer Analyse der Zusammensetzung des Wassers in der Lunge kann der Ertrinkungsort eventuell rekonstruiert werden.

Durch das Verschlucken von Wasser ist dieses auch im Magen zu finden. Der Mageninhalt ist dann typischerweise dreigeschichtet: oben Schaum, dann Wasser und unten Speisebrei, was Wydlersches Zeichen genannt wird.

Durch ein reflektorisches Erbrechen von Wasser kommt es zudem zu Schleimhauteinrissen des Mageneingangs, den Sehrtschen Schleimhautrissen. Ein weiterer häufiger Befund ist das Svechnikov Zeichen. Es beschreibt das Vorhandensein von Ertrinkungsflüssigkeit in der Keilbeinhöhle.

Alle diese Befunde beweisen, dass die Person lebend in das Wasser geraten war.

Wasserleiche beim Ertrinken

Zeichen des Aufenthalts im Wasser sind eine feuchte und schlammverunreinigte Kleidung, Treibverletzungen, Schiffsschraubenverletzungen, eine Waschhautbildung mit Nagelablösung, Apidocere (Fettwachsbildung auf der Haut), ein Auftreiben des Leichnams und Tierfraß.

Die Treibverletzungen befinden sich aufgrund der Fortbewegung in der Bauchlage im Fließgewässer meist an der Stirn, dem Handrücken, den Knien und den Fußspitzen.

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Bild: “Death by drowning, post-mortem.” von Wellcome Images. Lizenz: CC BY 4.0

Merke: Jede im Wasser aufgefundene Leiche wird als Wasserleiche bezeichnet. Dies bedeutet aber nicht, dass die Person im Wasser verstorben ist. Es kann sich ebenso um einen Tod außerhalb des Wassers und ein sekundäres Verbringen der Leiche ins Wasser handeln.

Beliebte Prüfungsfragen zu Schussverletzungen, Ertrinkungstod und thermischer Gewalt

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Was versteht man in der Rechtsmedizin unter dem Begriff Svechnikov Zeichen?
  1. Hämorrhagische Blutungen, die in der Magenschleimhaut von Erfrorenen zu finden sind.
  2. Subpleurale blutige Flecken in der Leiche von Ertrunkenen
  3. Schleimhauteinrisse des Mageneingangs bei Ertrunkenen
  4. Ertrinkungsflüssigkeit in der Keilbeinhöhle bei Ertrunkenen
  5. Subkonjunktivale Hämorrhagien, die man bei Personen findet, die aufgrund einer schweren Thoraxkompression verstorben sind.
2. Was trifft nicht auf den Suizid mit einer Schusswaffe zu?
  1. Es handelt sich in der Regel um einen absoluten Nahschuss.
  2. Die Tatwaffe befindet sich immer in der Schusshand der Leiche.
  3. Das Projektil ist oft in die Zimmerdecke eingeschlagen.
  4. Die Lokalisation findet sich meist im Bereich des Kopfes.
  5. Mehrere Schussverletzungen sind möglich.
3. Was ist kein Hinweis darauf, dass eine Person zum Zeitpunkt eines Feuers noch gelebt hat.
  1. Rußpartikel in den Atemwegen
  2. Hellkirschrote Farbe des Leichenbluts
  3. Krähenfüße an den seitlichen Augenrändern
  4. Leiche in Fechterstellung
  5. Brandblasen der Haut

Quellen

B.Madea: Praxis Rechtsmedizin, Springer 2003

R.Dettmeyer: Rechtsmedizin, Springer 2011

Skript zur Vorlesung Rechtsmedizin – Institut für Rechtsmedizin medizinische Fakultät Leipzig Stand 2011

T.Sigrist: Rechtsmedizin Skriptum Teil 1-13. überarbeitete Version, Stand 2010

C.Schyma: Schussspurensicherung- praktischer Umgang mit Schuss- und Schmauchspuren, Springer 2010

G.Zimmer: Prüfungsvorbereitende Rechtsmedizin, Thieme 2009

Lösungen zu den Prüfungsfragen: 1D, 2B, 3D

 

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