Durch die ständige Weiterentwicklung in der Medizin, den technischen Fortschritt und die Entwicklung von immer neuen Behandlungsmethoden sind heutzutage viele Krankheiten beherrschbar geworden, die in gar nicht allzu ferner Vergangenheit noch den sicheren Tod bedeuteten. Doch gerade in Zeiten der Hochleistungsmedizin stellt sich die Frage was passiert, wenn nicht mehr geheilt werden kann. Was die Palliativmedizin an dieser Stelle leisten kann und warum Sie nicht nur bei Sterbenden eingesetzt werden sollte, erfahren Sie hier.
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das sind betten in einem antiken krankenhaus

Bild: “Firland Tuberculosis Hospital beds, 1927” von Seattle Municipal Archives. Lizenz: CC BY 2.0


Die Sterbekultur wird in deutschen Krankenhäusern vernachlässigt

Laut Springermedizin.de brauchen 10-12% der sterbenskranken Patienten in Deutschland in ihrem letzten Lebensjahr eine spezialisierte Palliativmedizin. Aufgrund der demographischen Situation hierzulande kann man davon ausgehen, dass diese Zahl noch weiter steigen wird.

Palliativmedizin ist also ein akutes Thema, das jeden angehenden Mediziner irgendwann einmal treffen wird. Viele Universitäten haben dies bereits erkannt und das Fach Palliativmedizin fest in die Lehre integriert.

Der Intensivmediziner Michael de Ridder hat in seinem Buch „Wie wollen wir sterben?“ bereits scharf kritisiert, wie die Sterbekultur in deutschen Krankenhäusern vernachlässigt wird.

Zu wenig würde auf Palliativmedizin zurückgegriffen, zu oft Maßnahmen in die Wege geleitet, die das Sterben nur unnötig verlängern, wie das Legen einer Magensonde in einem präfinalen Stadium des Patienten. Als Vertreter der Palliativmedizin fordert De Ridder ein radikales Umdenken.

Die Palliativmedizin soll vor Schmerzen bewahren

„Mit einem Mantel bedecken“, das bedeutet das lateinische Wort „palliare“, von dem sich „palliativ“ ableitet (Duden). Ein Ausdruck, der das Ziel der Palliativmedizin gut beschreibt.

Palliativmedizinisches Handeln beinhaltet alle unterstütze nden und therapeutischen Maßnahmen, die zu einer Verbesserung der Lebensqualität des Patienten beitragen. Hierzu gehört die effektive Schmerztherapie nach dem WHO-Stufenschema.

Ihre Ursprünge hat die moderne Palliativmedizin in England. Dort gründete die Ärztin Cicely Saunders Mitte der 60er Jahre das erste Hospiz unter dem Namen St. Christopher’s Hospice, in dem sie später auch selbst verstarb. Als Christin setzte Saunders sich für eine menschenwürdige Begleitung von Sterbenden und ihren Angehörigen ein. Einer ihrer Leitsätze lautete:

„Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“

Das erste Hospiz in Deutschland wurde 1986 in Aachen gegründet, seitdem hat sich die Zahl stetig vervielfacht: Im Jahre 2011 gab es bereits 195 Hospize und 231 Palliativstationen in Deutschland (palliativ-portal.de).

Palliativmedizin ist nicht nur Sterbemedizin

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass sich die Palliativmedizin ausschließlich der Versorgung Sterbender widmet. Palliativmedizin ist jedoch weit mehr als reine „Sterbebegleitung“. Sie kommt auch bei Patienten zum Einsatz, deren Tod noch in weiter Ferne liegt, die aber die Diagnose einer chronisch fortschreitenden oder unheilbaren Krankheit bekommen haben. Neben der Schmerzlinderung stehen auch pflegerische Aspekte im Vordergrund, sowie Seelsorge und Physiotherapie.

Zu den Grundsätzen der Palliativmedizin nach Cicely Saunders gehören:

  • Behandlung des Patienten in der Umgebung seiner Wahl
  • Beachtung der physischen, psychischen, sozialen und seelsorgerischen Bedürfnisse von Patient, Angehörigen und Behandlungsteam
  • High person, low technology“
  • Individuelle Behandlung jedes Patienten im multidisziplinären Team rund um die Uhr
  • Offenheit und Wahrhaftigkeit als Grundlage des Vertrauensverhältnisses unter allen Beteiligten
  • Symptomkontrolle durch den Spezialisten
  • Fachliche Pflege durch speziell geschultes Personal
  • Integration von Ehrenamtlichen
  • Zentrale Koordination des Teams
  • Kontinuierliche Betreuung des Patienten und seiner Angehörigen bis zum Tod bzw. in der Trauerzeit
  • Bejahung des Lebens, Akzeptanz von Sterben und Tod als Teil des Lebens. Der Tod wird weder beschleunigt noch hinausgezögert. Aktive Sterbehilfe wird strikt abgelehnt.
  • Forschung, Dokumentation und Auswertung der Behandlungsergebnisse
  • Unterricht und Ausbildung von Ärzten, Pflegekräften, Sozialarbeitern, Seelsorgern und Ehrenamtlichen

Weitere Informationen gibt es hier.

Situation in Deutschland

In Deutschland setzt sich die 1994 gegründete Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin für die landesweite Vernetzung der Palliativversorgung ein. 2010 haben die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin und der Deutsche Hospiz- und Palliativverband zusammen mit der Bundesärztekammer die „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland“ verfasst.

Sie stellt Anforderungen an die Art und Weise, wie die Palliativversorgung in Deutschland stattfinden soll. In fünf Leitsätzen formuliert sie Ansprüche an die Gesellschaftspolitik, die Versorgungsstrukturen, die Aus- und Fortbildung, die Forschung und Weiterbildung und an die internationale Vernetzung von Organisationen in diesem Feld.

So wird bereits auf den demographischen Wandel reagiert und die Palliativmedizin wird vom Abstellgleis zu einem wichtigen Teil des medizinischen Alltags, der in den kommenden Jahren sicher noch präsenter werden wird.

Quellen:


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Ein Gedanke zu „Palliativmedizin: Mehr als eine Brücke zum Tod?

  • Elisabeth Jülich

    Liebe SAPV Teams,
    wir waren im Juni kurz vor der Zulassung unseres SAPV-Teams, als uns die einstweilige Verfügung des OLG überholte mit dem Vorhaben, SAPV-Niederlassungen europaweit ausschreiben zu müssen.
    Wem ist es ebenso ergangen?
    Wie geht man damit um?
    Wie kann eine Strategie aussehen?
    KV Nordrein