Sie möchten Menschen unterstützen, die unter psychischen Beeinträchtigungen leiden und dringend professionell behandelt werden müssen? Als Heilpraktiker für Psychotherapie arbeiten Sie in genau diesem Tätigkeitsbereich. Durch eine entsprechende Zusatzqualifikation erhalten Sie spezielle fachliche Kompetenzen im Bereich der Psychotherapie und werden in der Lage sein, therapeutische Verfahren in der Praxis anzuwenden. Wir erklären Ihnen, wie Sie dieses Ziel erreichen können.
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Heilpraktiker-Ausbildung

Bild: „Nature is my medicine“ von mkhmarketing. Lizenz: CC BY-SA 2.0


Begriffsdefinition

In Deutschland wird im Bereich der Psychotherapie generell zwischen drei Basisberufen unterschieden:

  • Psychiater mit einem abgeschlossenen Medizinstudium
  • Psychologischer Psychotherapeut mit einem abgeschlossenen Studium der Psychologie
  • Heilpraktiker für Psychotherapie

Die ersten beiden Berufsgruppen dürfen nur anerkannte Verfahren wie Psychoanalyse, tiefenpsychologische Psychotherapie sowie kognitive Verhaltenstherapie und Hypnose in der Praxis anwenden. Der Heilpraktiker für Psychotherapie handelt jedoch nach dem Prinzip der Therapiefreiheit. Dies bedeutet, dass Sie sämtliche Behandlungsverfahren Ihren Qualifikationen entsprechend frei auswählen dürfen.

Sie haben die Möglichkeit, aus verschiedenen Therapiemethoden die jeweils passenden Behandlungen frei zu wählen – ganz nach den spezifischen Bedürfnissen Ihrer Patienten. Natürlich gibt es auch hier Grenzen: Entsprechend Ihrer Sorgfaltspflicht dürfen Sie nur im Rahmen Ihrer Fähigkeiten therapeutisch tätig werden. Gelangen Sie an Ihre Grenzen, so müssen Sie die Patienten an andere Behandler, beispielsweise einen Psychiater, verweisen.

Erst seit 1993 sieht das Gesetz vor, dass nicht nur Ärzte oder Diplom-Psychologen psychotherapeutisch tätig werden dürfen, sondern auch Heilpraktiker. Die Genehmigung hierfür erteilen die berechtigten Gesundheitsämter nach bestandener schriftlicher und mündlicher Prüfung. Die Eignung als Heilpraktiker mit der Spezialisierung und Beschränkung auf das Fachgebiet der Psychotherapie wird als „kleiner Heilpraktiker“ bezeichnet. Durch diese staatlich anerkannte Heilerlaubnis erhalten Sie die Genehmigung, eingeschränkt im Gebiet der Psychotherapie tätig zu werden.

Dem sogenannten „großen Heilpraktiker“ wird eine uneingeschränkte Erlaubnis zum Praktizieren erteilt. Damit dürfen Sie zwar psychotherapeutische Behandlungen durchführen – in der Regel bieten Sie als Vollheilpraktiker jedoch seltener Psychotherapie an, sondern beschränken sich vornehmlich auf die Behandlung körperlicher Beschwerden.

Im Gegensatz zu einem praktizierenden Psychiater sind Sie als Heilpraktiker für Psychotherapie nicht befugt, Ihre Therapiekosten bei den gesetzlichen Krankenkassen abzurechnen. Die therapeutische Behandlung muss grundsätzlich von den Patienten selbst bezahlt werden. Einige private Krankenkassen haben die Behandlung durch einen Heilpraktiker in ihren Leistungskatalog aufgenommen. In diesem Fall werden die Kosten vollständig oder anteilig übernommen.

Aufgabengebiete des Heilpraktikers für Psychotherapie

Die Anzahl psychischer Erkrankungen hat dramatisch zugenommen. Untersuchungen zufolge wird sich das Krankheitsbild der Depression in Zukunft zur am weitesten verbreiteten Volkskrankheit entwickeln. Weiterhin leiden Menschen in Deutschland vermehrt unter Ängsten, Zwängen, gestörtem Essverhalten, Suchtproblemen sowie Schwierigkeiten im Bereich zwischenmenschlicher Beziehungen, so beispielsweise hinsichtlich der Kindererziehung oder in der Ehe. Daher ist der Bedarf an psychotherapeutisch tätigen Behandlern ausgesprochen hoch.

Als Heilpraktiker für Psychotherapie setzen Sie sich mit den seelischen und psychosomatischen Prozessen Ihrer Patienten auseinander. Damit Sie professionelle Hilfe in schwierigen Lebenssituationen leisten können, benötigen Sie fundierte theoretische Kenntnisse im Themengebiet der psychischen Störungen, da diese häufig von körperlichen Krankheitsbildern begleitet werden. Hierzu zählen beispielsweise:

  • Psychische Störungen aufgrund einer Hirnfunktionsstörung, wie beispielsweise Demenz
  • Psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten durch Substanzen (Alkohol, Medikamente etc.)
  • Schizophrenie und wahnhafte Störungen
  • Affektive Störungen, wie beispielsweise Depressionen
  • Neurotische und somatoforme Störungen (Angst- und Zwangsstörungen etc.)
  • Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Symptomen, beispielsweise Essstörungen
  • Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
  • Intelligenz- und Entwicklungsstörungen (Intelligenzminderung etc.)
  • Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in Kindheit und Jugend, wie beispielsweise Störungen des Sozialverhaltens

Ein Heilpraktiker muss diese psychischen und habituellen Störungen für die theoretische Prüfung zwar diagnostizieren – er darf allerdings in der Praxis längst nicht sämtliche Krankheitsbilder behandeln.

Die Erhebung einer ausführlichen Anamnese stellt die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Therapie dar. Hierbei erfassen Sie durch explizite Fragestellungen sämtliche Symptome Ihrer Patienten. Als Heilpraktiker für Psychotherapie müssen Sie jegliche psychische Symptomatik dem entsprechenden Krankheitsbild zuordnen können.

Für einen erfolgreichen Abschluss benötigen Sie explizites Fachwissen in den Bereichen Psychiatrie, Psychopathologie und Pharmakologie. Sie müssen die Fähigkeit besitzen, Diagnosen sowie Differentialdiagnosen zu erstellen. Das bedeutet, dass Sie nicht nur in der Lage sein müssen, psychische Erkrankungen erkennen, sondern diese auch von Krankheiten, die Sie nicht behandeln dürfen, abzugrenzen.

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil Ihrer Ausbildung ist die Gesetzeskunde. Es ist notwendig, die Verordnungen und Gesetze bezüglich der Unterbringung psychisch kranker Personen in Deutschland zu kennen. Hierfür erlernen Sie im Zuge Ihrer Ausbildung spezielle psychologische Gesprächsführungskompetenzen. Eine gute Eigen- und Beziehungskompetenz bildet hierfür die Basis. Um die entsprechenden Fähigkeiten zu erlangen, können Sie in einigen Schulen an tiefenpsychologisch ausgerichteten Selbsterfahrungsgruppen teilnehmen.

Modalitäten für die amtsärztliche Heilpraktikerprüfung für Psychotherapie

Der theoretische Prüfungsteil ist sehr anspruchsvoll. Die relevanten Themen können generell in zwei Abschnitte unterteilt werden:

1. Grundwissen

  • Klassifikationssysteme
  • Entwicklungspsychologie
  • Einführung in die Psychopathologie
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie
  • Psychopharmakotherapie
  • Diagnostik und Testverfahren
  • Psychotherapieverfahren (Psychoanalyse, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Gesprächstherapie, Gestalttherapie, Familien- und Paartherapie, Krisenintervention)

2.  Spezielle Krankheitslehre

  • Sucht und Abhängigkeit
  • Persönlichkeitstypen und Persönlichkeitsstörungen
  • Neurosenlehre, Psychoneurosen und Zwangsstörungen
  • Depression
  • Psychosomatik
  • Angst- und Panikstörungen
  • Reaktionen auf schwere Belastungen, Anpassungsstörungen
  • Schizophrenie, Wahnstörungen und affektive Psychosen
  • Somatoforme Störungen, psychosomatische Störungen, Essstörungen

Um an der Prüfung teilnehmen zu können, müssen Sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Sie müssen das Mindestalter von 25 Jahren erreicht haben und mindestens einen Hauptschulabschluss vorweisen können. Sie müssen ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis besitzen und einen ärztlichen Nachweis Ihrer körperlichen und geistigen Eignung für diesen Beruf erbringen.

Bezüglich beruflicher Vorerfahrungen müssen Sie für Ihre Zulassung keinen offiziellen Nachweis darüber vorlegen, dass Sie sich in der Vergangenheit mit psychotherapeutischen Verfahren beschäftigt haben oder in diesem Bereich ausgebildet sind.

Eine zentrale Überprüfung der Eignung als Heilpraktiker für Psychotherapie findet zweimal pro Jahr durch die zuständigen Gesundheitsämter des jeweiligen Bundeslandes statt. In einer schriftlichen Prüfung müssen Sie 28 Multiple-Choice-Fragen beantworten. Die Fragetypen setzen sich aus Einfachauswahlfragen, Aussagenkombinationen und Zuordnungsfragen zusammen, wobei stets nur eine der vorgegebenen Antwortmöglichkeiten richtig ist.

Zur Bearbeitung stehen Ihnen 60 Minuten Zeit zur Verfügung. Der Amtsarzt kann die konkreten Prüfungsinhalte bzw. -fragen nach eigenem Ermessen festlegen. Beachten Sie, dass die theoretischen Inhalte der Ausbildung sowie der Prüfung gesetzlich nicht vorgeschrieben sind. Je nach Bundesland können die Anforderungen durchaus variieren. Insgesamt belaufen sich die Verwaltungsgebühren für die Abwicklung der Prüfung auf ungefähr 600 €.

Für das erfolgreiche Bestehen der schriftlichen Prüfung müssen Sie insgesamt 21 Fragen richtig beantworten. Übersteigt Ihr Fehlerindex 25%, haben Sie das Ausbildungsziel nicht erreicht. Nach Bestehen der schriftlichen Prüfung des Heilpraktikers für Psychotherapie findet in der Regel vier bis acht Wochen später eine mündliche Überprüfung statt. Diese darf pro Person nicht mehr als 60 Minuten dauern. Die Befragung erfolgt in Gruppen mit bis zu vier Personen. Inhaltlich müssen Sie sich auf diejenigen Sachgebiete vorbereiten, die Sie im schriftlichen Teil nur unzureichend beantworten konnten.

Kosten und Ablauf der Vorbereitungskurse

In zahlreichen Vorbereitungskursen unterschiedlicher Ausbildungsinstitute können Sie sich auf die Prüfung für den Heilpraktiker im Bereich der Psychotherapie vorbereiten. Ausbildungsdauer, Anzahl von Unterrichtsstunden sowie Preise weichen jedoch stark voneinander ab. Durch den Unterricht erlangen Sie spezielle psychologische Kenntnisse, die im Praxisalltag regelmäßig zur Anwendung kommen werden. Ihnen wird das prüfungsrelevante Theoriewissen vermittelt.

Hierzu wird der Unterricht durch praktische Fallbeispiele und Gruppenübungen ergänzt. Sie erhalten meist Begleitskripte, schriftliche Originalprüfungen sowie internetgestützte Zusatzangebote. Die Ausbildung, die nicht zwingend vorgeschrieben ist, dauert je nach Intensität sechs bis 24 Monate. Das meist flexible Ausbildungskonzept der Anbieter verschafft Ihnen die Möglichkeit, zwischen wöchentlichen Kursen, berufsbegleitendem Unterricht oder Wochenendkursen auszuwählen.

Die Gebühren für Tages-, Abend- und Wochenendkurse variieren stark. Standortspezifisch ergeben sich erhebliche Preisunterschiede: Bei berufsbegleitenden Blockseminaren mit einer Dauer von zwei Jahren müssen Sie beispielsweise mit Studiengebühren in Höhe von 3.000 € bis 4.000 € rechnen. In einigen Fällen wird eine Einschreibgebühr fällig, die sich auf bis zu 300 € belaufen kann. Sie haben in einigen Ausbildungseinrichtungen die Möglichkeit, Ratenzahlungen zu vereinbaren.

Daher sollten Sie sich dringend vor Ort über Zahlungsmodalitäten und mögliche Rabatte informieren. Anfallende Ausbildungs- bzw. Weiterbildungskosten sind in der Regel steuerlich absetzbar. Für die Ausbildung können ausgesuchte Heilpraktikerschulen Prämiengutscheine des Bundesministeriums für Bildung und Forschung annehmen.

Insgesamt ist die Prüfung als Heilpraktiker für Psychotherapie sehr anspruchsvoll. Es ist von erheblichem Vorteil, wenn Sie bereits vorausgegangene praktische Erfahrungen im Bereich der Psychiatrie vorweisen können. Die Anforderungen an die Prüflinge haben sich im Vergleich zur Vergangenheit verschärft. Dies ist verständlich, da Sie als Heilpraktiker für Psychotherapie einen Beruf mit sehr viel Verantwortung ausüben, der dementsprechend hohe Fachkompetenzen voraussetzt. Schließlich können Sie mit der staatlich geprüften Heilerlaubnis eine eigene Praxis für Psychotherapie eröffnen und dort frei praktizieren.

Bei Interesse ist es ratsam, an einem Basis- bzw. Vorbereitungskurs in einer entsprechenden Einrichtung teilzunehmen. Nehmen Sie sich Zeit, sich vorab ausreichend bei wohnortnahen Ausbildungsstätten zu informieren, um an der bestmöglichen Ausbildung teilnehmen zu können.



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