Über zwei Jahre wütete in Westafrika die bislang folgenschwerste Ebola- Epidemie. Mehr als 11.300 Menschen fielen ihr zum Opfer, 28.000 infizierten sich. Die Erkrankungswelle, die im Februar 2014 in Guinea begann, breitete sich binnen kurzer Zeit auf 3 weitere Nachbarländer aus, drohte sich auch über die Kontinentalgrenzen hinwegzusetzen, wie unter anderem der berichtete Verdachtsfall eines in Saudi- Arabien verstorbenen Patienten zeigt. Die Hilfsorganisationen vor Ort waren überfordert. Auch die Regierungen wurden der Lage nicht mehr Herr. Es mangelte an Personal, Geld und Infrastruktur. Zur Eindämmung der Seuche rief die WHO den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Die Angst einer weltweiten Epidemie wuchs. Wir verraten Ihnen, was Ebola ist und welche Gefahren wirklich davon ausgehen.
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Erste Ebola-Epidemie in Zaire

Das für den jetzigen Ausbruch verantwortliche Ebola- Virus vom Typ Zaire ist eines von insgesamt 5 bekannten Ebola- Erregern. Es tauchte erstmals 1976 in der heutigen Demokratischen Republik Kongo auf. Überträger sind vor allem infizierte Flughunde, die das Virus in sich tragen, selbst aber nicht daran erkranken. Auch Affen und Antilopen können das Virus verbreiten. Der Mensch infiziert sich durch den Verzehr dieser Tiere (Bush meat) oder über ihre Exkremente und scheidet das Virus über Körperflüssigkeiten (Blut, Speichel, Urin, Erbrochenes) aus. Kommen weitere Personen mit diesen Flüssigkeiten in Kontakt, können auch sie erkranken.

Lange Inkubationszeit und unspezifische Symptome

Erste Symptome der Erkrankung zeigen sich nach 2 bis 21 Tagen. Die Betroffenen leiden an Fieber, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Durchfall, Bindehautentzündungen und Bauchschmerzen. Ab diesem Zeitpunkt sind sie bereits infektiös. Später kommen innere und äußere Blutungen hinzu, die mit einem tödlichen Organversagen einhergehen können.

Das Ausmaß

Mit 1779 gemeldeten Krankheitsfällen (Verdachtsfälle eingeschlossen) und 962 Toten hat die Erkrankungswelle ein noch nie dagewesenes Ausmaß angenommen. Zum Vergleich: Während der bisher folgenschwersten Epidemie von 1976 erkrankten 318 Menschen, 280 davon starben. Doch wie konnte es zu einer so aggressiven Ausbreitung des Virus kommen?

Statistik: Todesopfer und Fallzahl des Ebola-Virus in Guinea, Liberia, Sierra Leone und Nigeria im Jahr 2014 (Stand: 09. August 2014) | Statista
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Unwissenheit, Angst und Aberglaube

Ein maßgeblicher Grund liegt in der mangelnden Aufklärung der Bevölkerung über die Verbreitung des Virus. In den überwiegend ländlichen Regionen herrscht vielerorts die Auffassung, es handele sich bei Ebola nicht um eine Erkrankung, sondern um einen Fluch, dem mit westlicher Medizin nicht beizukommen sei. Die Mystifizierung der Erkrankung und die anfangs harmlos erscheinenden Symptome, die denen der Malaria sehr ähnlich sind, halten viele der Betroffenen davon ab, sich in medizinische Behandlung zu begeben. Eine weitere Gefahrenquelle sind Beerdigungszeremonien, bei denen die Toten vor der Beisetzung von ihren Angehörigen gewaschen und umarmt werden.

Regierungen und Hilfsorganisationen sind überfordert

Auch die Regierungen tragen aus Sicht der Hilfsorganisationen eine Teilschuld an der rasanten Ausbreitung des Virus. Es sei in den betroffenen Ländern „zu langsam“ gehandelt worden, heißt es in einer Presseerklärung der „Ärzte ohne Grenzen“. Die mit 610 Mitarbeitern in den Krisengebieten vertretene Organisation ist bereits an die Grenzen ihrer personellen Kapazitäten gestoßen. Eine Eindämmung der Seuche könne nur durch eine schnelle Personalbereitstellung der Länder gelingen.

Schutz vor Ebola

Da derzeit keine effektive Therapie gegen das Virus verfügbar ist, besteht der einzige Schutz in der Aufspürung und Isolierung erkrankter Personen. Kontaktpersonen müssen konsequent nachverfolgt und für die Dauer der Inkubationszeit (21 Tage) regelmäßig untersucht werden. Dies erfordert nicht nur einen hohen personellen Aufwand, sondern auch eine umfangreiche Infrastruktur in den betroffenen Gebieten. Bevölkerung und Helfer müssen für die Gefahren der Erkrankung sensibilisiert und im Umgang mit Erkrankten geschult werden.

Neue Medikamente

Zwei in der Entwicklung befindliche Medikamente könnten trotz fehlender klinischer Tests in der Bekämpfung der Epidemie eingesetzt werden. Die amerikanische Arzneimittelbehörde (FDA) lockerte bereits die Zulassung für das Antiserum TKM- Ebola, das in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Militär entwickelt wurde. Damit könnte das von einem kanadischen Arzneimittelhersteller vertriebene Medikament das erste Medikament sein, das experimentell im Einsatz gegen Ebola zur Anwendung kommt. Ein weiteres in die Schlagzeilen gerücktes Antiserum besitzt derzeit noch keine Zulassung. Das Medikament namens ZMAPP wurde im Falle zweier erkrankter US- Amerikaner erstmals beim Menschen eingesetzt, nachdem es zuvor an Affen getestet worden war. Beide überlebten die Infektion. Zurzeit prüft die WHO, ob der Einsatz des ethisch umstrittenen Mittels zulässig ist.

Gefahr für Deutschland?

Mit der Erklärung des internationalen Notstandes hat die WHO den betroffenen Staaten einen umfangreichen Maßnahmenkatalog zur Bekämpfung der Seuche auferlegt. Für Deutschland besteht nach Angaben von Experten jedoch keine erhöhte Gefahr. Im Gegensatz zu den betroffenen westafrikanischen Staaten bestehe eine ausreichende Infrastruktur, um Erkrankte sicher zu versorgen und eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Für den Ernstfall besteht eine enge Vernetzung spezialisierter Kompetenz- und Behandlungszentren, die die Koordination der Behandlungs- und Quarantänemaßnahmen gewährleisten.

Ebola 2014: Chronologie einer Epidemie

Februar 2014: Erste gemeldete Ebola- Fälle in Guinea

30. März 2014: Ausbruch des Virus auch in Liberia

Mai 2014: Das Virus weitet sich auf Sierra Leone aus

2.- 3. Juni: Krisentreffen der Gesundheitsminister Westafrikas in Accra (Ghana)

Juli/August 2014: Der Staatspräsident Sierra Leones erklärt den nationalen Notstand. Zur Bekämpfung der Seuche sollen Polizei und Militär die betroffenen Gebiete abriegeln. Für alle Bürger gilt ein Versammlungsverbot.

August 2014:

  • Die erkrankten US-Amerikaner Dr. Kent Brantly und die Missionarin Nancy Writebol werden zur Behandlung aus Liberia in die Staaten überführt. Das bisher nie an Menschen getestete Antiserum ZMAPP wird erstmals erfolgreich in der Behandlung von Menschen eingesetzt.
  • 04.08.: Auch in Nigeria beginnt Ebola sich auszubreiten.
  • 06.08.: erster gemeldeter Verdachtsfall von Ebola in Saudi- Arabien
  • 07.08.: Auf Petition der spanischen Bevölkerung kehrt der erkrankte Geistliche Miguel Pajares aus Liberia in seine Heimat zurück. Mit ihm erreicht das Virus erstmals europäischen Boden.
  • Liberia und Nigeria rufen den nationalen Notstand aus
  • 08.08.: Die WHO erklärt den weltweiten Gesundheitsnotstand
  • 29.08. Ebola gelangt über einen Studenten in den Senegal

30. September 2014: In den USA wird bei einem Patienten Ebola diagnostiziert.

6. Oktober 2014: Eine spanische Krankenschwester steckt sich bei einem Patienten mit Ebola an, wie ist bisher ungeklärt.

18. Januar 2015: Die WHO erklärt Mali für Ebola-frei.

30. März 2015: In Liberia treten drei neue Ebola-Fälle auf, obwohl das Land bereits als Ebola-frei betrachtet worden war.

31. Juli 2015: In Guinea wird nach einer großen Studie das Präparat VSV-ZEBOV als vielversprechend im Schutz gegen Ebola bezeichnet.

03. September 2015: Liberia wird erneut von der WHO für Ebola-frei erklärt.

08. November 2015: Auch Sierra-Leone wird für Ebola-frei erklärt.

29. Dezember 2015: Guinea wird ebenfalls für Ebola-frei erklärt.

21. Januar 2016: In Sierra Leone treten zwei neue Fälle von Ebola auf.

März 2016:

  • 18.03. Zwei Menschen sterben in Guinea an Ebola, drei weitere Verdachtsfälle bestehen.
  • 22.03. Liberia schließt die Grenzen zum Nachbarstaat Guinea und sendet Soldaten und medizinisches Fachpersonal in die Orte an der Grenze.
  • 29.03. WHO-Generaldirektorin Margaret Chan gibt in Genf bekannt, dass der globale Gesundheitsnotstand für beendet erklärt wurde. Beschränkungen im internationalen Reiseverkehr können aufgehoben werden. Trotz der kürzlich aufgetretenen Fälle, die unter anderem auf die Übertragung über Samenflüssigkeit von Überlebenden zurückzuführen seien, sei Ebola auf dem Rückzug, auch wenn weiterhin Ansteckungen möglich seien.

 

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