Der Ösophagus dient der Nahrungsaufnahme als ein elastisches, muskulöses Hohlorgan. Störungen zeigen sich hier besonders in der Nahrungspassage und in der Funktion der Sphinkter. Leitsymptome bei Erkrankungen der Speiseröhre sind Schluckstörungen, Regurgitation, Sodbrennen, retrosternaler Schmerz und auch Husten.
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das ist eine mikrographie einer eosinophilen oesophagitis

Bild: “Eosinophilic oesophagitis, histologic features” von Mattopaedia. Lizenz: CC BY-SA 3.0


Angeborene Fehlbildungen des Ösophagus (ICD Q 39.-)

Ösophagusatresie mit Ösophagotrachealfistel (ICD Q 39.1)

Die Ösophagusatresie ist mit einer Häufigkeit von 1 : 3500 Geburten, eine relativ häufige Fehlbildung. Der Ösophagus entwickelt sich in der Embryonalzeit aus dem Vorderdarm. Zunächst besteht eine Verbindung zwischen den Luft- und Speisewegen, die im Entwicklungsverlauf jedoch vom Septum oesophagotracheale bis auf den proximalen Abschnitt verschlossen wird.

Störungen in dieser Entwicklung führen häufig zu einem blindendenden oberen Ösophagusabschnitt und einer Ösophagotrachealfistel im unteren Abschnitt.

Eingeteilt wird die Ösophagusatresie nach Vogt:

  • Vogt Typ I: Ösophagusaplasie (keine Luftansammlung im Magen), Häufigkeit ca. 1 %
  • Vogt Typ II: Atresie ohne ösophagotracheale Fistelbildung (ebenfalls keine Luftansammlung im Magen), Häufigkeit ca. 6 %
  • Vogt Typ IIIa: ösophagotracheale Fistel am oberen Segment, das untere Segment endet im Blindsack, Häufigkeit ca. 1 %
  • Vogt Typ IIIb: ösophagotracheale Fistelbildung am unteren Segment, das obere Segment endet im Blindsack, Häufigkeit ca. 85 %
  • Vogt Typ IIIc: ösophagotracheale Fistelbildung am unteren und oberen Segment, Häufigkeit ca. 5 %
  • Vogt Typ IV: Tracheo-ösophageale Fistel ohne Atresie (sog. „H-Fistel“), Häufigkeit: ca. 2 %.

Merke: Der Typ Vogt IIIb ist mit 85 % der Ösophagusatresien die deutlich häufigste Form.

Eine intrauterine Komplikation, die mit vorzeitigen Wehen und einer Frühgeburt enden kann, ist das Polyhydramnion. Der Fetus schluckt Amnionflüssigkeit, die aufgrund der Fehlbildung nicht mehr in den Magen-Darm-Trakt gelangt und resorbiert wird, sondern sich ansammelt. Auffällige Symptome des Neugeborenen sind häufige Hustenattacken und Speicheln, ausgelöst durch die fehlgeleitete Nahrung, sowie eine rasselnde Atmung mit Atemstörungen bis zur Zyanose. Eine Ausnahme stellt die Form Vogt IV dar, bei der die Neugeborenen nur an Aspirationspneumonien, nicht aber den typischen Symptomen leiden.

Zur Diagnosefindung wird die Speiseröhre sondiert, ein federnder Stopp ist typisch. Im Röntgen Thorax zeigt sich eine Luftfüllung des oberen Blindsacks, so genanntes Medaillon-Zeichen.

Die Erkrankung ist oft mit weiteren Fehlbildungen assoziiert, der sogenannten VACTERL-Assoziation:

  • Vertebrale Fehlbildungen
  • Analatresie
  • Cardiale Fehlbildungen
  • Ösophagotrachealfistel, engl.: tracheoesophageal fistula
  • Renale Fehlbildungen
  • Fehlbildungen der Extremitäten (engl.: Limbs)

Funktionsstörungen der Speiseröhre

Achalasie (K22.0-)

Die Achalasie ist mit einer Inzidenz von 1/100.000 Einwohnern eine eher seltene Erkrankung mit unbekannter Ursache. Noch seltener kommt sie im Rahmen der autosomal-rezessiven Erbkrankheit Triple-A-Syndrom vor.

Sie ist gekennzeichnet durch eine verminderte Peristaltik der Speiseröhre und eine ungenügende Erschlaffung des unteren Ösophagussphinkters, was zu den Leitsymptomen Dysphagie und retrosternalem Schmerz führt.

Besonders im Liegen kommt es zur Regurgitation von Speisen mit Mundgeruch, welche die Komplikationen einer Aspirationspneumonie und einer Ösophagitis birgt. Diese als Retentionsösophagitis bezeichnete Speiseröhrenentzündung lässt das Karzinomrisiko auf das bis zu 30-fache im Vergleich zur Normalbevölkerung ansteigen.

Die Ursachen der Achalasie liegen in einer Degeneration der Ganglienzellen des Plexus myentericus im unteren Abschnitt der Speiseröhre – sie sind also neuromuskulär. Man unterscheidet eine primäre Form mit einer unklaren Genese von einer sekundären Form, die meist im Rahmen einer malignen Erkrankung durch eine Infiltration nervaler Strukturen entsteht.

Diagnostik der Achalasie:

  • Endoskopie mit Biopsie
  • Ösophagus-Breischluck – der typischerweise die sogenannte „Sektglasform“ mit prästenotischer Dilatation (Megaösophagus) zeigt.
  • Manometrie (physikalische Druckmessung)
dieses roentgenbild zeigt die sektglasform einer achalasie

Bild: “typische Sektglasform im Kontrastmittel-Breischluck” von Farnoosh Farrokhi, Michael F. Vaezi. Lizenz: CC BY 2.0

Therapie der Achalasie:

  • Ballonkatheterdilatation des UÖS (unterer Ösophagussphinkter)
  • Reversible Lähmung des UÖS durch eine Injektion von Botulinustoxin
  • Operative Kardiomyotomie mit der Komplikationsgefahr einer postoperativen Refluxkrankheit
Merke: Wegen der erhöhten Karzinomgefahr sind regelmäßige endoskopische Kontrollen notwendig.

Ösophagusspasmus

Der Ösophagusspasmus ist eine seltene gutartige Funktionsstörung der Speiseröhre. Es treten anfallsartig retrosternale Schmerzen und Schluckstörungen auf, die auch zur Bolusimpaktation führen können. In leichteren Fällen wird Glyceroltrinitrat gegeben. In schweren Fällen wird Botulinustoxin injiziert oder chirurgisch interveniert.

Die Hiatushernie (K44.9)

Bei der Hiatushernie ist der Bereich des Hiatus oesophageus des Zwerchfells die Bruchpforte, durch die Magenanteile/der ganze Magen im peritonealen Bruchsack nach intrathorakal gelangt.

Die verschiedenen Hernienformen der Hiatushernie

Axiale Gleithernien stellen ca. 90 % der Fälle dar und nehmen in ihrer Häufigkeit mit dem Alter deutlich zu: 50 % aller über 50-Jährigen haben eine axiale Gleithernie. Hierbei verlagern sich Kardia und Magenfundus in den Thorakalraum. Klinisch zeigt sich das Bild der Refluxkrankheit. Selten kann es zu einer Bolusobstruktion kommen, wenn sich der Oberrand der Hernie zum sogenannten Schatzki-Ring verengt hat.

Bei der paraösophagealen Hernie schiebt sich ein Teil des Magens – im schwersten Fall sogar der ganze Magen = Upside-down-stomach – durch die Bruchpforte neben den Ösophagus. Paraösophageale Hernien können asymptomatisch sein oder unspezifische Symptome wie Aufstoßen und Druck in der Herzgegend zeigen. Sie bergen allerdings immer auch die Gefahr einer Inkarzeration, Erosionen, Ulzera und Blutungen, weshalb sie meist schon im symptomfreien Stadium operiert werden.

Die gemischte Hernie als Kombination der axialen Gleithernie und paraösophagealen Hernie ist mit 5 % aller Fälle eher selten.

Diagnostik der Hiatushernie

  • Ösophagusbreischluck
  • Endoskopie
dieses roentgenbild eine hiatushernie im thorax

Bild: “Hiatushernie im seitlichen Röntgenbild des Thorax. Pfeil auf Luft-Flüssigkeits-Spiegel.” von Hellerhoff. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Therapie der Hiatushernie

Axiale Hernien werden bei einer bestehenden Refluxerkrankung symptomatisch therapiert. Paraösophageale Hernien stellen aufgrund der Inkarzerationsgefahr eine OP-Indikation dar. Hierbei wird der Magen repositioniert und an der vorderen Bauchwand fixiert, was als transabdominale Gastropexie bezeichnet wird.

Ösophagusdivertikel (Q39.6)

Ösophagusdivertikel sind Wandausbuchtungen der Speiseröhre. Kleine Divertikel bleiben häufig symptomlos, während große meist Beschwerden machen. Es kann zu einer Dysphagie, einem Globusgefühl und einer nächtlichen Regurgitation unverdauter Nahrungsreste mit einer Aspirationsgefahr kommen.

Die Ablagerung von Nahrungresten in den Ausbuchtungen führt zu übelriechendem Foetor ex ore. Divertikel können sich entzünden und Fisteln bilden.

Pulsionsdivertikel als Ösophagusdivertikel

Pulsionsdivertikel gelten als Pseudodivertikel, weil nur Mucosa und Submucosa durch die Muskelschicht nach außen gedrückt werden. Prädilektionsstellen sind die folgenden muskelschwachen Stellen des Ösophagus:

  • Bereich des Laimer-Dreiecks (= längsmuskelfreies Gebiet am oberen Ösophagus)
  • Oberhalb des Diaphragmas als epiphrenische Divertikel (da sie oft asymptomatisch sind, fallen sie am ehesten als Zusatzbefunde bei Röntgenuntersuchungen auf)
dieses roentgenbild zeigt ein pulsionsdivertikel

Bild: “Pulsionsdivertikel des mittleren Ösophagus.” von Hellerhoff. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Merke: Zenker Divertikel (K22.5) im Bereich des Killian-Dreiecks (=muskelschwacher Bereich zwischen Pharynx- und Ösophagusmuskulatur) sind auch Pseudodivertikel – jedoch des Hypopharynx.
dieses roentgenbild zeigt ein zenkerdivertikel

Bild: “Nachweis eines Zenker-Divertikels mittels Breischluck. Schräger Strahlengang.” von Bernd Brägelmann. Lizenz: CC BY 3.0

Traktionsdivertikel als Ösophagusdivertikel

Traktionsdivertikel sind echte Divertikel, da alle Wandschichten von der Ausstülpung betroffen sind (z.B. parabronchiale Divertikel). Sie entstehen durch einen Zug von außen, durch Entzündungen und Prozesse in der Umgebung des Ösophagus.

Diagnostik der Traktionsdivertikel:

  • Ösophagus-Breischluck
  • Endoskopie

Therapie der Traktionsdivertikel:

Klinisch relevante Fälle werden operativ behandelt = Divertikelresektion.

GERD = Gastro-Esophageal Reflux Disease (K21.9)

Während ein geringer temporärer Rückfluss vom Magen in die Speiseröhre physiologisch ist, kann der vermehrte gastroösophageale Reflux vom Mageninhalt zur Gastroösophagealen Refluxkrankheit (= GERD) führen. Die Patienten sind meist deutlich in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Man unterscheidet zwei Formen der GERD:

  1. NERD = non-erosive reflux disease: Der Patient hat häufige Refluxbeschwerden, zeigt aber im endoskopischen Befund keine Zeichen einer Ösophagitis.
  2. ERD = erosive reflux disease (K21.0): Der Patient hat eine Refluxkrankheit mit Ösophagitis.

40 % der GERD-Patienten haben gleichzeitig zur bestehenden Refluxerkrankung Ösophagusläsionen. 5 % dieser Patienten entwickeln eine Epitheldysplasie der Speiseröhre, die als Barrett-Ösophagus bezeichnet wird.

Barrett-Ösophagus (K22.7)

Auf den chronischen Reflux von Magensäure reagiert das Speiseröhrenepithel mit einer Epitheldysplasie: Das eigentlich mehrschichtige unverhornte Epithel wird durch Zylinderepithel ersetzt. Epitheldysplasien gelten als Präkanzerosen, da sich hier gehäuft Adenokarzinome entwickeln können.

das ist eine mikrographie eines barrett oesophagus

Bild: “Micrograph of Barrett’s esophagus” von Nephron. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Ursachen der GERD

Die häufigste Ursache ist die Insuffizienz des unteren Ösophagussphinkters. Weitere begünstigende Faktoren sind:

  • Fortgeschrittene Schwangerschaft
  • Abdominelle Adipositas
  • Z.n. operativer Versorgung einer Achalasie
  • Stenose des Magenausgangs
  • Sklerodermie
  • Axiale Gleithernie

Symptome der GERD

Das bekannteste Symptom der Gastroösophagealen Refluxkrankheit ist das Sodbrennen. Auch Meteroismus und Flatulenzen sowie Aufstoßen treten als eher unspezifische Symptome auf. Durch den nächtlich verstärkten Rückfluss der Säure kann es zu einer Heiserkeit am Morgen kommen. Eine refluxinduzierte Vagusreizung führt zu Reizhusten.

Diagnostik der GERD

  • Endoskopie mit Biopsie zur Beurteilung der Entzündungsstadien
  • 24-Stunden pH-Metrie mittels nasaler Sonde
  • Kapselbasierte pH-Metrie

Therapie der GERD

Häufige Beschwerden und eine Ösophagitis machen eine Medikamentengabe erforderlich, wobei die Protonenpumpenhemmer wie z.B. Omeprazol oder Pantoprazol hier das Mittel der Wahl darstellen, da sich durch die Säuresuppression die Schleimhaut regenerieren kann.

H2-Rezeptorantagonisten und Antazida werden nur bei einer leichten Symptomatik ohne Entzündungszeichen empfohlen. Generell sollte die Therapie der Refluxkrankheit durch die Einhaltung folgender Maßnahmen unterstützt werden:

  • Der Konsum von säure- und alkoholhaltigen Getränken wie Kaffee, Saft und Wein sollte vermieden werden.
  • Verzicht auf Nikotin
  • Keine späten Mahlzeiten
  • Auf fetthaltiges, sehr zuckerhaltiges Essen verzichten
  • Mit aufgestelltem Kopfteil schlafen
  • Stress vermeiden

Die Indikation zur laparoskopischen Fundoplicatio nach Nissen, bei der man eine Manschette um den unteren Ösophagussphinkter legt, ist nur gegeben, wenn mit konservativen Methoden keine Erfolge erzielt wurden.

Ösophagitis (K20)

Symptome der Ösophagitis

Die Symptome sind Dysphagie, Odynophagie und retrosternaler Schmerz.

Infektiöse Ösophagitis

Eine schwere Allgemeinerkrankung kann von einer Ösophagitis begleitet werden. So kann es z.B. im Rahmen einer Infektion mit Candida albicans zur Soor-Ösophagitis kommen, die das typische endoskopische Bild zahlreicher weißer, nicht abwischbarer Beläge zeigt. Bei immunsupprimierten Patienten, AIDS- und Tumorpatienten können auch Herpesviren (HSV und CMV) eine Ösophagitis auslösen.

Eosinophile Ösophagitis

Im Rahmen allergischer Erkrankungen findet man diese Form häufiger bei Kindern. Endoskopisch zeigen sich eosinophile Infiltrate des Ösophagus als weißliche Papeln. Die Therapie erfolgt mit Kortikoidpräparaten, da die eosinophile Ösophagitis meist nicht auf PPIs anspricht.

das ist eine mikrographie einer eosinophilen oesophagitis

Bild: “Eosinophilic oesophagitis, histologic features” von Mattopaedia. Lizenz: CC BY-SA 3.0

AIDS und Ösophaguserkrankungen

Im Rahmen einer AIDS-Erkrankung kann es zu zahlreichen Ösophaguserkrankungen kommen:

  • Soor-Ösophagitis
  • Ulzerabildung bei Infektionen mit dem Herpes-Simplex- oder dem Zytomegalievirus
  • Stenosierung des Ösophagus mit Blutungen und Perforation durch das Kaposisarkom

Weitere Ursachen der Ösophagitis

  • Chemische Ursachen: Verätzungen, Reflux von Magensaft = Refluxösophagitis, Alkoholabusus, Medikamente
  • Physikalische Ursachen: Folgen von Strahlentherapie, Magensonden
  • Stenosen: Retentionsösophagitis bei Achalasie, tumoröse Prozesse

Therapie der Ösophagitis

Je nach bestehender Grundkrankheit werden die auslösenden Faktoren therapiert. So wird die Refluxösophagitis mit Protonenpumpenhemmern behandelt, bei Soorösophagitis Antimykotika gegeben und antivirale Medikamente bei HSV- und CMV-assoziierten Entzündungen eingesetzt.

Tumore der Speiseröhre

Gutartige Speiseröhrentumore

Gutartige Tumore des Ösophagus sind eher selten und häufig auch symptomlos. Sie können intramural oder intraluminal wachsen. Diagnostiziert werden sie über Ösophagus-Breischluck, Endoskopie und Endosonographie. Kleinere intraluminale Tumore können in der Regel mit der Diathermieschlinge endoskopisch abgetragen werden – größere werden operativ entfernt.

Ösophaguskarzinom (C15.9)

Die malignen Tumore der Speiseröhre sind vom Epithel ausgehende Plattenepithel– oder Adenokarzinome. In den westlichen Industrieländern ist das Ösophaguskarzinom mit 2 % aller Krebserkrankungen relativ selten. Es sind mehr Männer zwischen dem sechsten und siebten Lebensjahrzehnt betroffen als Frauen. Das Adenokarzinom der Speiseröhre entwickelt sich aus dem Barrett-Ösophagus nach einer chronischen Ösophagitis.

Als auslösende Faktoren des Plattenepithelkarzinoms gelten: Nitrosamine, Aflatoxine, langanhaltender Genuss von hochkonzentriertem Alkohol und sehr heißen Speisen und Getränken sowie das Rauchen. Des Weiteren können Verätzungsnarben, Achalasie und das Plummer-Vinson-Syndrom die Bildung eines Ösophaguskarzinoms begünstigen.

Symptome des Ösophaguskarzinoms

Speiseröhrentumore fallen oft erst spät auf, da sie eher unspezifische Symptome zeigen:

  • Retrosternaler Schmerz, Rückenschmerz
  • Dysphagie
  • Regurgitation
  • Singultus bei Infiltration des Nervus vagus
  • Heiserkeit bei Infiltration des Nervus laryngeus recurrens
  • Reizhusten und andere pulmonale Symptome
  • Hämatemesis

Tumorbegleitsymptome sind Gewichtsverlust, Nachtschweiß und eine verminderte Belastbarkeit.

Pathologie des Ösophaguskarzinoms

Prädilektionsstellen für die Karzinombildung sind die drei physiologischen Engstellen der Speiseröhre. Beide Karzinome breiten sich intraluminal aus, infiltrieren und metastasieren frühzeitig.

diese aufnahme zeigt ein oesophaguskarzinom

Bild: “Endoscopic image of patient with esophageal adenocarcinoma seen at gastro-esophageal junction.” von Samir. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Staging des Ösophaguskarzinoms

Die Einteilung der Tumorstadien erfolgt nach der TNM-Klassifikation. Bei der Diagnosestellung befinden sich diese Tumore meist schon im Stadium III oder IV, da sie wie schon erwähnt lange symptomlos bleiben.

Diagnostik des Ösophaguskarzinoms

  • Endoskopie und Histologie des Biopsiematerials
  • Endosonographie zur Beurteilung des T- und N-Stadiums
  • Sonographie Abdomen
  • Thorax-Röntgen
  • Bronchoskopie
  • CT

Therapie des Ösophaguskarzinoms

Die Wahl der Therapie richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung:

  • Endoskopische Abtragung früher Adenokarzinome mit hoher Heilungsrate
  • Ösophagusresektion mit Magenhochzug und Radio-/Chemotherapie
  • Ausschließlich Radio-Chemotherapie, wenn eine Operation nicht mehr möglich ist

Eine palliative Therapie zur Erhaltung der Nahrungspassage beinhaltet das Implantat eines Metallstents zur Öffnung des Speiseröhrenlumens und eine Laserkoagulation.

Insgesamt gesehen ist die Prognose eher schlecht, da das erste Symptom der Erkrankung die Dysphagie schon ein Spätsymptom ist. 95 % der Tumore sind bei der Diagnosestellung nur noch palliativ behandelbar.

Notfälle

Ösophagusvarizenruptur

Die portale Hypertension unterschiedlichster Genese führt durch die Bildung von portokavalen Anastomosen unter anderem zur Ausprägung von Ösophagusvarizen. Diese Varizen können ruptieren, was wegen der fulminanten Blutung schnell lebensbedrohlich wird. Therapeutisch wird wie folgt interveniert:

  • Kreislaufstabilisation (peripherer Zugang, Erythrozytenkonzentrate)
  • Eventuell Trachealtubus
  • Gabe des Vasopressin Analogon: Terlipressin
  • Gabe des Somatostatin Analogon: Octreoid
  • Antibiotikaprophylaxe
  • Gummibandligatur, Sklerotherapie oder Obliteration der Varizen

In 10 % der Fälle persistiert die Blutung und macht weitere Maßnahmen notwendig. Auch die Gefahr von Rezidiven ist mit 80 % hoch.

Verätzungen der Speiseröhre mit Säuren und Laugen

In Folge des Kontaktes der Schleimhaut mit Säuren und Laugen entstehen tief Nekrosen, aus denen sich reaktiv Entzündungen entwickeln, die zum Schock des Patienten führen können. Deshalb muss ausreichend Volumen substituiert werden. Zudem kann der Ösophagus perforieren, was die Gefahr einer Mediastinitis birgt. Die Differenzierung zwischen Laugen- und Säurenverätzung erfolgt mit Hilfe von Lackmusstreifen.

Kontraindikation: Es darf kein Erbrechen herbeigeführt werden.

Man teilt die Verätzung in Schweregrade ein, wobei Grad III eine Resektion von Speiseröhrenabschnitten erforderlich machen kann, da bei der kompletten Zerstörung aller Wandschichten immer auch die Gefahr der Perforation mit ihren Folgeerscheinungen besteht.

Beurteilung des Schweregrades einer Verätzung in vier Stadien:

  1. Grad I: Rötung und Ödembildung
  2. Grad II: Schleimhautulzera mit Fibrinbelägen
  3. Grad III: tiefe Nekrosen
  4. Grad IV: Perforation

Boerhaave-Syndrom

Beim Boerhaave-Syndrom kommt es zu einer spontanen Ruptur der Speiseröhre nach einer akuten Druckbelastung (starkes Erbrechen oder Würgen), bei der die Komplikation einer Mediastinitis mit generalisierter Sepsis besteht. Die Therapie besteht in einer endoskopischen Fibrinklebung oder einer temporären endoprothetischen Versorgung des Defektes, Nahrungskarenz und Antibiotikagabe.

Beliebte Prüfungsfragen zu den Speiseröhrenerkrankungen

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Welche Aussage zu Ösophagusdivertikeln trifft nicht zu?

  1. Pulsionsdivertikel sind Pseudodivertikel.
  2. Der Bereich des „Laimer Dreiecks“ und der Bereich oberhalb des Diaphragmas sind Prädilektionsstellen für Pulsionsdivertikel.
  3. Der Bereich des „Killian-Dreiecks“ ist eine Prädilektionsstelle für  Ösophagusdivertikel.
  4. Traktionsdivertikel entstehen oft als Folge entzündlicher Prozesse in der Nachbarschaft des Ösophagus.
  5. Bei klinisch relevanten Fällen wird eine Divertikelresektion durchgeführt.

2. Welche Aussage zum Ösophaguskarzinom trifft nicht zu?

  1. Husten und Heiserkeit können Symptome eines Ösophaguskarzinoms sein.
  2. Die Komplikation einer Ösophagitis, der Barrett-Ösophagus, kann zur Bildung eines Adenokarzinoms der Speiseröhre führen.
  3. Nitrosamine, Aflatoxine, konzentrierter Alkohol und Rauchen sind ätiologische Faktoren, die zu einem Plattenepithelkarzinom im Bereich der Speiseröhre führen können.
  4. Das Ösophaguskarzinom ist in der Regel frühzeitig durch seine spezifische Symptomatik erkennbar.
  5. Die Dysphagie ist ein Spätsymptom des Ösophaguskarzinoms.

3. Welche Aussage zur Achalasie trifft nicht zu?

  1. Sie ist eine neuromuskuläre Erkrankung, die sich durch Störungen in der Ösophagusperistaltik und durch einen fehlenden Verschluss des unteren Ösophagussphinkters zeigt.
  2. Sie kann durch maligne Erkrankungen verursacht werden.
  3. Sie wird u.a. mit dem Nervengift Botulinustoxin behandelt.
  4. Sie wird bei Versagen der konservativen Behandlungsmethoden operativ versorgt. Die häufigste Komplikation hierbei ist eine sich postoperativ entwickelnde Refluxkrankheit.
  5. Sie zeigt sich v.a. in der Dysphagie und der Regurgitation von Speisen.

Quellen

Heiner Greten: Innere Medizin, 12. Auflage – Thieme Verlag

Gerd Herold und Mitarbeiter: Innere Medizin, 2015

Duale Reihe – Anatomie, 1.Auflage – Thieme Verlag

Wikipedia-Artikel zur Ösophagusatresie

Lösungen zu den Fragen: 1C, 2D, 3A



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