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Bild: “heisenberg” von Tim Snell. Lizenz: CC BY-ND 2.0


Deutschlandweit sind synthetische Drogen auf dem Vormarsch. Rund 7% mehr Erstkonsumenten und 10% mehr Sicherstellungen gegenüber den Vorjahreszahlen vermeldet der Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2014 für die Modedroge Crystal Meth. Anfang November wurden Rohstoffe in Leipzig beschlagnahmt, um 2,3 Tonnen davon herzustellen. Was es mit dieser Substanz auf sich hat und was Sie als Mediziner darüber wissen sollten, erfahren Sie hier.

Was ist Crystal Meth?

Chemisch betrachtet handelt es sich bei Crystal Meth um kristallines Methamphetamin, das in anderer Form meist als Pulver, seltener in Tablettenform, auch als YABA, Crank, Speed, Perlik oder ICE, sowie vielen weiteren Szenebezeichnungen im Umlauf ist. In der Einordnung der Rauschgifte wird es den Psychostimulanzien zugeordnet.

Die Konsumform und Wirkdauer

Die Konsumform ist abhängig von der Zubereitung. Kristallines Meth wird meist geschnupft, kann aber auch geraucht, injiziert oder oral eingenommen werden, wobei die Rauschwirkung entsprechend der benötigten Resorptionszeit schnell (bei i.v. – Konsum innerhalb weniger Sekunden, sog „Rush“) oder verzögert (schnupfen: innerhalb weniger Minuten; oral: bis zu einer Stunde) eintritt. Die Wirkdauer kann in Abhängigkeit der eingenommenen Dosis, der Applikationsform und der Konstitution des Konsumenten variieren. Rauschzustände von wenigen Stunden bis hin zu mehreren Tagen (insb. unter der freien Base „ICE“) sind beschrieben wurden.

Metabolisierung

Nach erfolgter Resorption wird Metamphetamin durch die Cytochrom p450-abhängigen Monooxygenasen der Leber (Isoenzym CYP2D6) zu verschiedenen Amphetaminmetaboliten metabolisiert. Metamphetamin und seine Metabolite werden in unterschiedlichen Anteilen renal elimniert, wobei die Ausscheidung der basischen Substanzen maßgeblich von der Azidität des Urins abhängt.

Wirkungen und Symptome

Als lipophile Substanz kann Methamphetamin die Bluthirn-Schranke überwinden. Die Wirkung beruht auf einer zentralen Freisetzung von Dopamin und Noradrenalin (zentrales Sympathomimetikum), sowie einer Wiederaufnahmehemmung der Transmitter durch Hemmung der präsynaptischen Monoamintransporter.

Es kommt zu einer psychomotorischen Antriebssteigerung mit euphorischer Grundstimmung (Dopamineffekt), einer Steigerung des Selbstbewusstseins und Logorrhoe („Laber- Flash“), sowie einer Unterdrückung des Hunger- und Durstempfindens. Ebenso nimmt das Schlafbedürfnis und das Schmerzempfinden ab.

Klinisch zeigen sich vegetative Symptome wie eine Zunahme von Herzfrequenz und Blutdruck, Mydriasis und ein gesteigerter Atemantrieb. Zudem fallen Konsumenten oft durch Nervosität, körperliche Unruhe, Schwitzen und/oder Zittern auf.

Im Anschluss an einen Rauschzustand kehren sich die Symptome um: Es besteht ein Erschöpfungszustand mit vermehrtem Schlafbedürfnis, vermindertem Antrieb und gedrückter depressiver Grundstimmung.

Akute Intoxikation

Bei Überdosierung von Crystal Meth und anderen Methamphetaminen kann es zu schwerwiegenden und z.T. lebensbedrohlichen kardiovaskulären (tachykarde Herzrhythmusstörungen, Angina pectoris Symptomatik, hypertensive Krise, Myokardinfarkt, Kammerflimmern) und neurologischen (Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen) Komplikationen kommen. Darüberhinaus besteht die Gefahr einer malignen Hyperthermie mit daraus abgeleiteten Folgekomplikationen (Rhabdomyolyse, Crush- Niere, Hyperkaliämie, Azidose u.a.). Desweiteren können psychotische Zustandsbilder mit Halluzinationen auftreten.

Suchtpotential

Metamphetamine besitzen ein hohes Abhängigkeitspotential. Verantwortlich sind die im Anschluss an den Rausch eintretenden psychomotorischen Erschöpfungszustände (Konsumenten sehnen sich nach dem Effekt der Droge), als auch der bei längerfristigem Konsum eintretende Gewöhnungseffekt (Dosis muss zum Zwecke des erwünschten Effektes gesteigert werden).

Langzeitfolgen

Beim Langzeitkonsum von Amphetamin- und Metamphetaminderivaten kann es zu vielfältigen körperlichen und psychiatrischen Nebenwirkungen kommen. Möglich sind u.a.:

  • Gewichtsabnahme
  • Schlafstörungen
  • Erhöhte Infektneigung
  • Akneiforme Exantheme
  • Toxische Hepatitiden
  • Konzentrationsstörungen
  • Zahnschäden
  • Depressionen und psychotische Störungen

Darüberhinaus ist das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (Apoplex, Myokardinfarkt) gegenüber der Normalbevölkerung um das fünffache erhöht.

Therapie der Intoxikation

Die Akute Intoxikation durch Amphetamine und Amphataminderivate stellt einen potentiell lebensbedrohlichen Notfall dar, der eine intensivmedizinische Überwachung erforderlich macht. Neben Sicherung der Atmung und der Kreislauffunktionen orientieren sich die medizinischen Maßnahmen an der Klinik des Patienten:

  • Zur Therapie epileptischer Krampfanfälle und zur Krampfprophylaxe eignen sich Benzodiazepine (z.B. Diazepam).
  • Die kardiovaskulären Symptome können durch Alpharezeptorenblocker, z.B. Clonidin (Behandlung hypertensiver Krisen) und Betablocker (Therapie tachykarder HRST) beherrscht werden.
  • Bei Entwicklung einer Hyperthermie kann die Gabe von Dantrolen erwogen werden.
  • Eine beschleunigte renale Elimination von Metamphetamin kann über eine Ansäuerung des Harns mit Ammoniumchlorid erreicht werden.







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