Die Ausleitung ist ein wichtiger Schwerpunkt in der naturheilkundlichen Praxis. Dazu stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Sie dienen der Entfernung giftiger Substanzen aus dem Körper, die nicht oder nicht vollständig über die normalen Ausleitungswege aus dem Organismus gelangen.
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Bild: “Schröpfen” von labormikro. Lizenz: CC BY-SA 2.0


Natürliche Ausleitung

Der Körper ist in der Lage sich von vielen giftigen Substanzen zu befreien, indem er sie unschädlich macht und/oder so schnell wie möglich aus dem Körper schleust. Die schnellste Reaktion ist das Erbrechen, langsamer sind die Prozesse, wenn die Substanzen erst verstoffwechselt werden müssen. Hier sind vor allem Leber, Darm und Nieren beteiligt.

Ist zusätzliches Entgiften nötig?

Nicht alle Stoffe können ausgeschieden werden, manche Substanzen lagern sich auch ab und können für schleichende Vergiftungen sorgen. Diese Stoffe kommen nicht nur in der Natur vor, auch Rückstände aus der Industrie machen der Gesundheit zu schaffen. Ein Beispiel dafür sind Schwermetalle wie Quecksilber. Sie stehen in Verdacht Auslöser schwerer Krankheitsprozesse zu sein, Schädigungen des ZNS zu verursachen oder Krebs auszulösen. In der Naturheilkunde ist die Ausleitung daher ein wichtiger Schwerpunkt der Behandlung. Vor allem bei häufig wiederkehrenden Krankheitsgeschehen und bei allergischen Reaktionen soll so für Entlastung gesorgt werden.

Der Glaube an den Erfolg einer Entgiftung ist sehr alt. Auch Paracelsus war der Überzeugung:

Wo die Natur einen Schmerz erzeugt, dort will sie schädliche Stoffe ausleeren. Und wo sie das nicht selbst fertig bringt, dort mach ein Loch in die Haut und lasse die schädlichen Stoffe heraus.

Ausleitung von Schlacken

Bei einigen Ausleitungsverfahren sollen auch Schlacken entfernt werden. Schlacken gibt es nach schulmedizinischem Verständnis nicht. Für die Naturheilkunde handelt es sich um Stoffwechselendprodukte oder auch Giftstoffe. Die Ausleitung über den Darm zeigt dennoch, dass nach einer ersten, gründlichen Entleerung auch Ablagerungen ausgeschieden werden, die in ihrer Konsistenz stark verändert sein können.

Die Hauptziele der Entgiftung sind:

  • Entlastung des Stoffwechsels
  • Förderung des Stoffwechsels
  • Linderung von Schmerzen
  • Beseitigung von psychischen Belastungen
  • Stärkung des Immunsystems
  • Beseitigung von Entzündungen

Ausleitungsverfahren

Aus der Naturheilkunde stehen viele Ausleitungsverfahren zur Verfügung. Um den Organismus nicht zu überlasten, wird auf schonendes Ausleiten geachtet, das mit Fasten verbunden sein kann. So soll sich vor allem der Darm erholen. Eine Ausleitung wird auch in der Naturheilkunde engmaschig überwacht. Zu den möglichen Verfahren gehören u.a.:

  • Baunscheidt
  • Aderlass
  • Blutegeltherapie
  • Fontanellentherapie
  • Schröpfen
  • Hydrotherapie
  • Heilfasten
  • Medikamentöses Ausleiten

Baunscheidt

Die Baunscheidtmethode wird vor allem bei entzündlichen Prozessen als systemische Therapie verwendet. Dabei basiert die Methode auf dem Ähnlichkeitsprinzip (Ähnliches wird mit Ähnlichem behandelt). Hat der Patient z. B. eine Entzündung, wird eine künstliche Entzündung ausgelöst. Das soll die Selbstheilungskräfte aktivieren und eine schneller Heilung erwirken.

Entwickler der Methode war  Carl Baunscheidt, der im Jahr 1884 feststellte, dass sich seine durch eine Gichterkrankung ausgelöste Gelenkentzündung plötzlich verbesserte, nachdem er über Nacht von zahlreichen Mücken gestochen worden war. Um diesen Effekt erneut auszulösen, entwarf der Mechaniker ein Instrument, mit dem er sich selbst Verletzungen auf der Haut zufügen konnte. Auf die verletzten Stellen trug er eine reizende Flüssigkeit auf und erreichte so eine Besserung der Symptome.

Der Lebenswecker von Baunscheidt

Lebenswecker

Bild: „‚Lebenswecker‘ nach Baunscheidt (Baunscheidttherapie)” von MBq. Lizenz: Public Domain

Das Instrument von Baunscheidt wird heute als Lebenswecker bezeichnet. Es wird per Hand bedient und schießt mit hohem Tempo mehrere Nadeln auf ein kleines Areal knapp unter der Haut. Früher wurde auf diese Stelle Crotonöl aufgetragen. Das ist mittlerweile verboten, weil das Öl in Verdacht stand, krebserregend zu sein. Heute stehen dafür andere Öle zur Verfügung, die aber ebenfalls reizend sind. Es kommt zur gewünschten Quaddelbildung und der Stoffwechsel wird angeregt, sich gegen die krankmachenden Prozesse zur Wehr zu setzen.

Baunscheidtieren soll Schmerzen lindern, die Durchblutung fördern und die Selbstheilung anregen. Die Behandlung ist ein Ausleitungsverfahren, das auch bei Erkrankungen der Atemwege eingesetzt wird. Behandelbar ist zudem die Arthrose und Erkrankungen der Wirbelsäule. Die Anwendung ist schmerzhaft und für Kinder nicht geeignet.

Aderlass

Aderlass

Bild: “Gemälde des britischen Malers James Gillray um 1805, London, Victoria und Albert Museum” von James Gillray. Lizenz: Public Domain

Der Aderlass ist eines der ältesten Ausleitungsverfahren und wird in der Naturheilkunde unter bestimmten Umständen bis heute praktiziert. Dazu wird dem Patienten eine begrenzte Menge Blut aus der Vene entnommen. Die Menge ist abhängig von der Art der Erkrankung, aber auch vom Zustand des Patienten. Zu diesem Zustand wird nicht nur die körperliche Verfassung gerechnet, sondern auch das seelische Gleichgewicht. Ziel ist es, das Blut zu verdünnen, schädliche Substanzen auszuleiten, Entzündungen zu lindern, Krampfzustände zu verbessern, Schmerzen zu reduzieren und den Patienten zu beruhigen.

Blutegeltherapie

Weit gefasst gehört die Blutegeltherapie auch zum Aderlass, denn auch hier wird dem Patienten genau genommen Blut abgenommen. Allerdings kann die Wirkung bei der Blutegeltherapie noch etwas stärker sein, da der Speichel der Blutegel viele Substanzen enthält, die ihrerseits auf den Körper wirken.

Blutegel für diese Therapie werden extra für diesen Zweck gezüchtet und dürfen auch nicht in die Freiheit entlassen werden. Im Sinne des Tierschutzes ist daher zu prüfen, ob für die Tiere nach ihrer Verwendung, die nur ein einziges Mal zulässig ist, ein geeigneter Lebensraum ohne Austausch mit anderen Gewässern möglich ist. Gemeinhin wird im Anschluss an die Verwendung die Tötung der Blutegel angeregt.

Blutegeltherapie wird häufig angefragt

Die Blutegeltherapie ist vor allem bei chronisch kranken Patienten, die unter ständigen Schmerzen und/oder entzündlichen Prozessen leiden, gefragt. Sie erlebt auch in der Tiermedizin zur Zeit zunehmendes Interesse.

Fontanellentherapie

Das Ausleiten mittels Fontanelle ist ein in der modernen Naturheilkunde überholtes Verfahren, das sich mit den Ansprüchen an die Hygiene und Wundheilung nicht mehr vereinbaren lässt. Ältere Naturheilkundler bringen es unter Umständen aber noch zur Anwendung.

Bei der Fontanellenausleitung wird eine künstliche Wunde gesetzt. Nachdem die Verletzung lokal anästhesiert wurde, wird sie mit einer sehr geringen Menge Schwefelsäure künstlich vertieft. Im Anschluss wird ein Fremdkörper eingelegt, damit die Wunde nicht abheilt. Bei einem solchen Fremdkörper handelte es sich für gewöhnlich um eine Glasperle. Die folgende Eiterbildung ist erwünscht und soll insgesamt den Organismus anregen, sich zu reinigen.

Schröpfen

Schröpfen

Bild: “Schroepfen” von Afroe. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Das Schröpfen gilt als eine der ältesten bekannten Heilmethoden. Es wird vermutet, dass das Schröpfen schon 3000 v. Chr. angewendet wurde. Es gibt verschiedene Formen des Schröpfens. Dazu gehören das blutige Schröpfen, das trockene Schröpfen und die Massage mit Schröpfköpfen.

Dazu wird heute mit gläsernen Schröpfköpfen gearbeitet, die über Gummis mit Unterdruck die Haut anziehen. Alternativ wird Watte in den Schöpfkopf gegeben und angezündet, die beim Aufsetzen auf die Haut sofort sämtlichen Sauerstoff verbraucht und somit ein Vakuum erzeugt. Beim blutigen Schröpfen wird zuvor die Haut leicht verletzt. Alle Methoden dienen der Ausleitung.

Hydrotherapie

Hydrotherapie ist ein Oberbegriff über verschiedene Therapieverfahren, die mit Wasser durchgeführt werden. Dazu gehören auch Methoden, die der Patient selbst durchführen kann. Die Naturheilkunde rechnet auch die Kneippkur dazu, die geeignet ist, schädliche Ungleichgewichte zu beseitigen und die Ausleitung begleitend zu unterstützen. Das Ziel ist, Herz und Kreislauf zu stützen und auch die Nerven zu stabilisieren. Außerdem soll die Durchblutung der Haut gefördert werden, das wiederum mit dem Ziel, die Ausleitung schädlicher Substanzen zu verbessern.

Hydro-Colon-Therapie

Bei der Hydro-Colon-Therapie wird der Darm mithilfe von erwärmtem Wasser und gleichzeitiger Darmmassage entleert. Im Grunde ist diese Behandlung also eine Darmspülung. Für die Behandlung ist ein spezielles Gerät erforderlich, das über einen Schlauch das warme Wasser in den Dickdarm leitet. Über einen zweiten Schlauch gelangt das Wasser wieder nach draußen. Diese Behandlung wird zwar auch bei Verdauungsstörungen angewendet wie anhaltender Verstopfung, findet aber auch Anwendung bei Patienten mit häufigen Kopfschmerzen oder Neigung zu Allergien.

Schwitzen

Schwitzkuren sind unumstritten in vielen Fällen eine gesunde und unterstützende hilfreiche Maßnahme. Die Sauna ist dafür sicher das beste Beispiel. Schwitzkuren sind ebenfalls Teil der Naturheilkunde. Aber auch das Bad mit medizinischen Zusätzen gehört in den Bereich der Hydrotherapie. Die Methoden werden z. B. bei Menschen angewendet, die aufgrund einer bestimmten Krankengeschichte nicht mehr schwitzen. Das Ziel ist nicht nur die Ausleitung, sondern auch ein Anregen des Immunsystems.

Heilfasten

Das Heilfasten ist in der Naturheilkunde und der Schulmedizin ein anerkanntes Verfahren der inneren Reinigung. Heilfasten setzt eine therapeutische Begleitung voraus, da es während der Maßnahme zu Kreislaufproblemen kommen kann. Aus diesem Grund ist vor dem Heilfasten eine gründliche Anamnese und eine körperliche Untersuchung erforderlich.

Heilfasten kann wenige Tage oder auch länger dauern, entscheidend ist die körperliche Verfassung des Patienten. Heilfasten bedeutet nicht zu hungern und dient auch nicht zur Beseitigung von Übergewicht. Das Heilfasten sollte möglichst durch eine Darmreinigung eingeleitet werden. Wasser, ggf. auch Tees werden während der gesamten Zeit getrunken.

Es wird zu Linderung von Hauterkrankungen, Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden und einigen anderen gesundheitlichen Problemen verordnet. Von seiner entgiftenden Wirkung sollen auch Rheumatiker profitieren.

Medikamentöses Ausleiten

Beim medikamentösen Ausleiten werden Arzneimittel aus der Naturheilkunde verwendet, die die natürlichen Entgiftungsprozesse stärken. Sie können z. B. auf den Darm wirken, die Leber anregen oder auch den Fluss der Galle. Solche Mittel stammen dann z. B. aus der Phytotherapie, aus der traditionell chinesischen Medizin oder auch aus der Spagyrik.

Spagyrik ist ebenfalls eine ganzheitliche Medizin, die schon vor der Zeitrechnung angewendet wurde. Nach dieser Methode wird der gesunde Mensch als im gesunden Gleichgewicht stehend und damit als Einheit betrachtet, die auch philosophische Prinzipien enthält und später von Paracelsus geprägt wurde.

Beliebte Prüfungsfragen zu Ausleitungsverfahren

Die richtigen Antworten befinden sich unterhalb der Quellenangabe.

1. Ausleitungsverfahren…

  1. …dürfen nur von Ärzten durchgeführt werden.
  2. …sind überholt.
  3. …sind nur Teil der Naturheilkunde.
  4. …sollten unter klinischen Bedingungen durchgeführt werden.
  5. …sind zum Teil sehr alte Verfahren.

2. Baunscheidt…

  1. …wird heute nicht mehr durchgeführt.
  2. …darf nur von Ärzten angeboten werden.
  3. …wurde von einem medizinischen Laien entwickelt.
  4. …ist völlig schmerzfrei.
  5. …beruhigt die Haut.

3. Heilfasten…

  1. …beginnt mit der Hydro-Colon-Therapie.
  2. …ist nicht für Patienten mit chronischen Erkrankungen geeignet.
  3. …konnte sich nur in der Naturheilkunde durchsetzen.
  4. …kann problemlos auch allein durchgeführt werden.
  5. …sollte möglichst mit einer Darmreinigung beginnen.

Quellen

Ausleiten und Entgiften via heilpraktikerin-praxis.de

Ab- und Ausleitungsverfahren (Aschnerverfahren) via bdh-online.de

Richtige Antworten: 1E, 2C, 3E



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