Mit dem Begriff Urogenitalsystem fasst man die Geschlechts- und die Harnorgane zusammen. Diese haben zwar unterschiedliche Aufgaben zu bewältigen, da sie jedoch einen gemeinsamen embryologischen Ursprung haben und klinisch gesehen oftmals in Abhängigkeit voneinander erkranken, fasst man diese Organe unter diesem Terminus zusammen. In dem folgenden Beitrag liegt der Fokus auf den ableitenden Harnorganen, d.h. es wird der Abschnitt von den Harnleitern, über die Harnblase bis zur Harnröhre beleuchtet. Neben dem anatomischen Aspekt findet die Physiologie bezüglich des Miktionsvorganges ebenfalls Aufmerksamkeit.

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Harntrakt

Bild: “Harntrakt” von Arcadian. Lizenz: Public Domain


Ureter (Harnleiter)

Es handelt sich dabei um paarig angelegte Hohlorgane, welche im Durchschnitt eine Länge von 25 – 30 cm haben und die das Nierenbecken mit der Harnblase verbinden. Der rechte Ureter ist im Vergleich zu seinem Partner etwas verkürzt, was damit korreliert, dass sich auf der rechten Seite die Leber befindet und diese recht raumeinnehmend ist.

Ureter

Bild: “Ureter” von Philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Verlauf des Ureters

Beginnend am Nierenhilum verlaufen die Ureter zunächst im Retroperitonealraum auf dem lateralen Rand des M. psoas major, von wo aus sie die A. und V. testicularis bzw. ovarica unterkreuzen und anschließend die A. und V. iliaca communis überkreuzen.

Die Harnleiter durchqueren das kleine Becken und unterkreuzen dabei den Ductus deferens bzw. die A. uterina. Schlussendlich münden sie von schräg hinten in die Harnblase. Die schräge Einmündung ist insofern günstig, dass die Harnleiter im Liegen beispielsweise durch die umliegenden Muskeln zusammengedrückt werden, sodass der Urin nicht zurück fließen kann.

Die Ureter passieren 3 physiologische Hindernisse, die sogenannten Ureterenengen, welche ein Hemmnis für den Transport, z.B. bei dem Abgang von Harnsteinen, darstellen:

  1.  Obere Unterenge: Austrittsstelle aus dem Nierenbecken
  2. Mittlere Unterenge: Überkreuzung der A. iliaca externa bzw. communis
  3. Untere Unterenge: Durchtritt durch die Harnblasenwand

Anatomisch lässt sich der Ureter in 3 Bereiche unterteilen:

  1. Pars abdominalis (Niere bis Linea terminalis, hintere Bauchwand)
  2. Pars pelvina (Linea terminalis bis Harnblase)
  3. Pars intramurales (durchläuft die Blasenwand schräg, wichtig für den Miktionsvorgang)
Merke: Radiologisch unterteilt man den Ureter etwas anders: Das obere Drittel (Nierenbecken bis zum oberen Ende des Os sacrum), das mittlere Drittel (obere bis untere Kante des Os sacrum) und das distale Drittel (Untere Kreuzbeinkante bis zur Harnblase).
Verlauf Harnleiter

Bild: “Verlauf Harnleiter” von Gray. Lizenz: Public Domain

Histologie/Mikroskopische Anatomie des Ureters

Von innen nach außen bestehen die Ureter aus folgenden Schichten:

  • Tunica mucosa: Urothel aus 4 – 5 Zelllagen, welches ein sternenförmiges Lumen umschließt
  • Tela submucosa oder auch Lamina propria: lockeres Bindegewebe
  • Tunica muscularis: spiralförmig angeordnete Längs- und Quermuskelschicht, welche für die Peristaltik verantwortlich ist. Diese ist nochmal wie folgt unterteilt:
    • Stratum longitudinale
    • Stratum circulare
    • zweites Stratum longitudinale (ausschließlich im Beckenbereich)
  • Tunica adventitia: bindegewebsartige Verschiebeschicht, in welcher sich die Blut- und Nervengefäße befinden

Funktion des Ureters

Zum einen dienen die Ureter als Verbindungsstück zwischen den Nieren und der Harnblase.

Des Weiteren haben sie den Transport des Urins zur Aufgabe. Die durch die Niere herausgefilterten Abfallprodukte werden in Verbindung mit Wasser als Urin bzw. Sekundärharn über die Harnleiter von der Niere in die Vesica urinaria (Harnblase) weitergeleitet.

Durch die Tunica muscularis sind peristaltische Bewegungen des Hohlorgans möglich, sodass der Harn auch bei anderen Körperlagen als dem Stand nach „unten“ in Richtung Harnblase transportiert werden kann. Die peristaltische Welle läuft 1 – 4 Mal pro Minute ab. Durch Relaxation wird der Harn in den Harnleiter aufgenommen und durch die Kontraktion der Wand wird dieser nach kaudal abtransportiert.

Gefäßversorgung des Ureters

Arteriell:

Die Versorgung wird durch kleine Äste der umliegenden Arterien bzw. den Rami ureterici, welche den Arterien der Umgebung entspringen, gewährleistet. Folgende Arterien sind beteiligt:

  • Pars abdominalis: A. renalis, A. testicularis (beim Mann) bzw. A. ovarica (bei der Frau)
  • Pars pelvica: A. iliaca communis, A. iliaca externa et interna mit ihren viszeralen Ästen

Venös:

Der venöse Rückfluss läuft über die Venen, welche analog zu den Arterien verlaufen und auch den gleichen Namen tragen.

Nerval:

Die Muskelkontraktion der Ureter wird durch die Schrittmacherzellen des Nierenbeckenkelchsystems ausgelöst, sodass die Harnleiter von kranial nach kaudal kontrahieren und den Urin Richtung Harnblase transportieren.

Das vegetative Nervensystem hat folgenden Einfluss:

Die sympathische Innervation wird durch die Ganglia aorticorenalia und den Plexus hypogastricus inferior gewährleistet. Diese haben Einfluss auf die Regulation des Gefäßtonus, in dem sie die Ureterperistaltik hemmen.

Parasympathisch werden die Harnleiter durch die Nervi splanchnici pelvici und zum Teil durch den Nervus vagus versorgt. Diese sorgen für eine Unterstützung bzw. Förderung der Ureterperistaltik.

Lymphatisch

Der lymphatische Abfluss des linken oberen Harnleiters erfolgt in die paraaortalen Lymphknoten und der des rechten oberen erfolgt in die paracavalen und in die interaortocavalen Lymphknoten. Der untere Abschnitt der Ureter drainiert seine lymphpflichtigen Lasten in die Nodi lymphatici iliacae et obturatoriae (Beckenlymphknoten).

Erkrankungen und Fehlbildungen des Ureters

Missbildungen:

Liegen Fehlbildungen des Harnleiters vor, hat das einen gestörten Harnabtransport oder einen Reflux zur Folge. Diese wiederum können zu einer Reihe von Folgeerkrankungen führen: Hydroureter (erweiterter Harnleiter), wiederkehrende Infektionen, Pyelonephritiden, Bildung von Nieren- bzw. Harnsteinen bis hin zur Niereninsuffizienz.

Bei einem dauerhaften Reflux kann es passieren, dass sich die Entzündungen des Nierenbeckens und der Harnblase chronifizieren. Die manifestierten Entzündungen können wiederum zu einer Malakoplakie (grau-weißlicher Plaque an der Harnleiterwand) oder zu einer Urerteritis cystica führen.

Die häufigsten Fehlbildungen hierbei sind unter anderem die Ureterozele, Ureterabgangsengen und Ureterektopien.

Harnleitersteine, Harnsteine, Nierensteine:

Mit steigendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Steinbildung, wobei Männer und Frauen gleichermaßen betroffen sind.

Die sogenannten Steine bzw. diese kristallartigen Ansammlungen können durch zu stark konzentrierte Harnansammlungen, übermäßigen Fleischkonsum, Entzündungen oder auch durch eine angeborene Störung des Abbaus von bestimmten Abfallprodukten entstehen, wobei sich diese nicht im Urin lösen und sich daher als Kristalle absetzen.

Ultraschallbild eines Harnsteins im Prostatateil der Harnröhre beim männlichen Hund. (Ur=Urethra (Harnröhre), Pr=Prostata, St= Harnstein)

Bild: “Ultraschallbild eines Harnsteins im Prostatateil der Harnröhre beim männlichen Hund. (Ur=Urethra (Harnröhre), Pr=Prostata, St= Harnstein)” von Kalumet. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Der überwiegende Teil der Steine, etwa 70 %, bestehen aus Calciumoxalat und entstehen durch einen Mangel an steinbildungshemmenden Stoffen oder durch einen Überschuss an Calcium oder Oxalat. 10 – 15 % der Steine sind durch abgelagerte Purinkörper bzw. übertriebenen Fleisch- oder Alkoholkonsum induziert. Weitere Steine sind Infekt-, Zystin- und Xanthinsteine, welche jedoch nur relativ selten auftreten.

Uretercarzinom:

Bei diesem bösartigen Tumor kommt es in 95 % der Fälle zu bösartigen Neubildungen des Urothels.  Selten ist das Plattenepithel betroffen. Er tritt sehr selten auf, wobei am häufigsten Männer zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr betroffen sind.

Symptome treten in der Regel erst spät auf. Sie äußern sich in Form von Mikrohämaturie oder Makrohämaturie. Außerdem kann es bei einer Harnleiterblockade durch den Tumor zu einseitigem Harnstau kommen. Schmerzen treten meist erst bei dem Metastasieren des Carzinoms auf. Die ersten Metastasen sind in der Regel in der Leber, in der Lunge oder im Skelettsystem vorzufinden.

Vesica urinaria (Harnblase)

Bei der Vesica urinaria handelt es sich um ein muskuläres Hohlorgan, welches abhängig von der Körpergröße 800 – 1500 ml Urinflüssigkeit fassen kann.

Harnblase

Bild: “(a) Frontquerschnittsansicht der Blase. ( b) Detrusormuskel der Blase” von Philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Lage der Harnblase

Lage der Harnblase und der Harnorgane beim Mann

Bild: “Lage der Harnblase und der Harnorgane beim Mann” von Lennert B. Lizenz: CC BY 2.5

Die Harnblase liegt retroperitoneal und wird ventral von der Symphyse und der Bauchdecke begrenzt. Dazwischen liegt das Spatium retropubicum, welches mit lockerem Bindegewebe aufgefüllt ist und eine craniale Ausdehnung der Blase bei entsprechender Füllung möglich macht.

Der obere Bereich der Harnblase ist mit Peritoneum überzogen, welches vom Apex vesicae bis zur Kontaktstelle mit den Ureteren befindlich ist. Durch das Lig. umbilicale medianum (Apex vesicae bis Nabel) wird die Blase von ventral kranial befestigt. Auf der Rückseite der Blase befindet sich die Peritonealtasche (beim Mann: Excavatio rectovesicalis, bei der Frau: Excavatio vesicouterina). Nach caudal wird die Blase durch den Levatorspalt begrenzt.

Die Prostata befindet sich unterhalb des Fundus vesicae.

Anatomie der Harnblase

Anatomisch sind 4 verschiedene Bereiche zu unterscheiden:

  • Apex vesicae: der craniale Bereich, von Peritoneum überzogen
  • Corpus vesicae: Blasenkörper
  • Fundus vesicae: Blasengrund, auf der Innenseite wird das Trigonum vesicae gebildet, welches aus den Ostia ureterum (Einmündungsstellen der Ureteren) und dem Ostium urethrae internum (Austrittsstelle der Urethra), kraniale Begrenzung durch die Plica interureterica (Schleimhautfalte zwischen den Ureteren)
  • Cervix vesicae: Blasenhals, trichterförmig

Mikroskopische Betrachtung:

Von innen nach außen ist die Harnblase wie folgt aufgebaut:

  • Tunica mucosa: Urotehl, im Trigonum vesicae besteht die Tunica mucosa (Lamina propria fehlt)
  • Tela submucosa: Lamina propria (lockeres Bindegewebe), nicht vorhanden im faltenfreien Trigonum vesicae
  • Tunica muscularis: glatte Muskulatur, welche als funktionelle Einheit in Form des M. detrusor vesicae arbeitet, jedoch nochmal wie folgt zu differenzieren ist:
    • Stratum longitudinale internum
    • Stratum circulare
    • Stratum longitudinale externum
  • Tunica adventitia: lockeres Bindegewebe, im peritonealüberzogenen Bereich Tela subserosa  genannt
  • Tunica serosa: stellenweise vorhandener Peritonealüberzug

Halteapparat der Harnblase

Damit die Blase sich während der Füllung nach cranial ausdehnen kann, ist sie lediglich an zwei Stellen mit dem Beckenboden fest verankert. Das sind zum einen der Fundus und zum anderen der Cervix vesicae.

Es existieren jedoch zusätzliche Bandvorrichtungen:

  • Lig. pubovesicale (Symphyse – Fundus vesicae)
  • Ligg. puboprostatica (Symphyse – Prostata)
  • Septa rectovesicalia (weiblich: Os sacrum – Rektum, männlich: Os sacrum – Rektum – Prostata)

Gefäßversorgung der Harnblase

Arteriell:

  • A. vesicalis superior: versorgt Apex vesicae und Corpus vesicae
  • A. vesicalis inferior: versorgt Fundus vesicae
  • A. rectalis media: versorgt die dorsale Seite der Blase

Venös:

Der venöse Rückfluss wird durch den Plexus venosus vesicalis übernommen.

Nerval:

Die sympathische Innervation erfolgt durch den Plexus vesicalis (Th12 – L1).

Parasympathisch versorgt wird die Harnblase über den Plexus hypogastricus inferior (S2 – S4).

M. sphincter vesicae – der Schließmuskel der Harnblase

Der Schließmuskel der Harnblase dient als Verschlussapparat und enthält glatte, wie auch quergestreifte Muskulatur. Er hat zwar engen Kontakt zur Muskulatur des Beckenbodens, ist jedoch streng davon abzugrenzen.

Der „glatte Harnblasensphincter“, auch Lissosphincter genannt, umspannt vom Trigonum vesicae ausgehend longitudinal und zirkulär den Blasenhals.

Der quergestreifte Anteil des Sphincters verläuft hufeisenförmig. Bei der genauen Lage dessen bestehen wieder Unterschiede zwischen dem männlichen und dem weiblichen Trakt: Bei der Frau umgeben die Muskelfasern proximalen bis mittleren Bereich der Harnröhre. Bei dem Mann zieht der quergestreifte Anteil von der Prostata bis über die gesamte Ausdehnung der membranösen Harnröhre.

Erworbene und angeborene Störungen der Harnblase

Aufgrund der Fülle an verschiedenen Erkrankungen und Beeinträchtigungen können in diesem Abschnitt nicht alle benannt und erläutert werden. Daher werden lediglich die wichtigsten Störungen genannt und inhaltlich angerissen.

Eine der häufigsten Erkrankungen der Harnblase ist die Blasenentzündung bzw. die Cystitis, welche, mit Schmerzen im Unterleibsbereich und beim Wasserlassen einhergeht. Die Infektion aszendiert oftmals aus der Harnröhre und da Frauen die kürzere Harnröhre haben, leiden diese auch vermehrt darunter.

Durch psychische Einflüsse (z.B. Stress oder Angst) oder physische Einwirkungen (z.B. bei Querschnittslähmung, Detrusor-Sphincter-Dyssynergie) kann es zur einer Fehlfunktion des Schließmechanismus und somit zur Harninkontinenz kommen. Man unterscheidet hierbei vor allem die Stress- bzw. Belastungsinkontinenz von der Dranginkontinenz.

Eine Prostatahyperplasie kann einen sehr unangenehmen Harnstau verursachen. Dieser wiederum kann eine Erweiterung der Blase bis hin zur Überdehnung (Vesica gigantea) zur Folge haben.

Ein wichtiges Thema in diesem Abschnitt stellt natürlich auch das Blasenkarzinom dar. In den meisten Fällen ist es vom Urothel ausgehend und verursacht in der Regel erst in den späteren Stadien Symptome, wie Schmerzen, Blasenentleerungsstörungen („Harnstottern“) oder einen durch Blut verfärbten Urin. Männer sind häufiger als Frauen betroffen und Rauchen gilt als Haupt-Risikofaktor.

Urethra (Harnröhre)

Da die Anatomie des männlichen und weiblichen Urogenitaltraktes einige wesentliche Unterschiede aufweist, spiegelt sich das maßgeblich in dem Aufbau der Harnröhren wieder. Daher werden die männlichen getrennt von den weiblichen Harnröhren betrachtet.

männliche und weibliche Urethra

Bild: “Weibliche (a) und männliche (b) Urethra” von Philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Urethra feminina

Die weibliche Harnröhre ist mit einer durchschnittlichen Länge von 3 – 5 cm deutlich kürzer als die männliche Variante. Aufgrund der bedeutend geringeren Länge, steigen Infektionen auch weitaus schneller auf als bei Männern, was die Frauen anfälliger für Blasenentzündungen macht.

Verlauf der Urethra feminina

Ausgehend vom Ostium urethrae internum verläuft die weibliche Harnröhre zwischen der Symphyse und der Vagina durch bis zum Vestibulum vagniae. An dieser Stelle mündet sie hinter der Glans clitoris am Ostium urethrae externum.

Man unterscheidet 2 Abschnitte der weiblichen Harnröhre:

  • Pars intramuralis (Harnblasenwandung)
  • Pars cavernosa

Mikroskopische Anatomie der Urethra feminina

Harnblase Urothel

Bild: “Harnblase Urothel” von Polarlys. Lizenz: CC BY 2.5

Die Urethra besteht histologisch betrachtet aus folgenden Schichten, von innen angefangen:

  • Tunica mucosa: Urothel, übergehend in mehrreihiges Zylinderepithel und anschließend in mehrschichtiges unverhorntes Plattenepithel. Das Lumen stellt sich schlitzförmig dar.
  • Tunica propria: mit dem Venennetz und den Glandulae urethrales
  • Tunica muscularis: mit dem Stratum longitudinale und circulare

Die Versorgung der Urethra feminina findet über den Corpus spongiosum urethrae statt, welcher das dort befindliche Gefäßgeflecht bezeichnet.

Urethra masculina

Die männliche Harnröhre hat eine durchschnittliche Länge von 20 – 25 cm. Sie geht vom Ostium urethrae internum aus zum Ostium urethrae externum, an dem Ende der Glans penis. Ihre Aufgabe ist neben dem Harntransport auch der Transport von Samenflüssigkeit.

Anatomie der Urethra masculina

Makroskopisch:

Die Urethra masculina ist in 3 Abschnitte untergliedert:

  • Pars prostatica: innerhalb der Prostata, ca. 4 cm lang
  • Pars membranosa: verläuft ca. 2 cm durch das Diaphragma urogenitale (oberhalb: M. sphincter urethrae, unterhalb Ampulla urethrae)
  • Pars spongiosa: im Corpus spongiosum, 10 – 20 cm lang, erweitert sich zur Fossa navicularis

In ihrem Verlauf durchläuft die Harnröhre 2 Krümmungen: Zum einen ist das die Curvatura infrapubica zwischen dem Pars membrana und dem Pars spongiosa und zum anderen ist das die Curvatura prepubica zwischen dem proximalen und distalen Bereich des Pars spongiosa.

Außerdem verengt und erweitert sich die Urethra an jeweils 3 Stellen:

→ Verengungen:

  1. Ostium urethrae internum
  2. M. sphincter urethrae
  3. Ostium urethrae externum

→ Erweiterungen:

  1. Pars prostatica
  2. Ampulla urethrae
  3. Fossa navicularis

Mikroskopisch:

Die Urethra ist aus folgenden Schichten von innen nach außen aufgebaut:

  • Tunica mucosa: anfangs Urothel, ab der Pars prostatica übergehend in mehrschichtiges und mehrreihiges hochprismatisches Epithel und von der Fossa navicularis an mehrschichtiges, unverhorntes Plattenepithel
  • Tunica propria: Bindegewebe mit Venenplexus
  • Tunica muscularis: bestehend aus Stratum longitudinale und circulare

Erkrankungen der Harnröhre

Die Uretheritis wird ausgelöst durch bakterielle Erreger oder durch „klassische“ Geschlechtskrankheiten. Als Komplikation kann eine Striktur entstehen.

Die Harnröhrenstriktur oder Harnröhrenenge resultiert aus Geschlechtskrankheiten, Infektionen, Unfällen, Katheterisierungen oder auch angeborenen Fehlbildungen. Es kann zu Harnstau, schmerzhafter Miktion oder zur unvollständigen Blasenleerung kommen (Restharn).

Carzinome der Harnröhre kommen selten vor. Sie gehen jedoch in ca. 90 % der Fälle vom Blasenhals aus. Eine andere Form ist z.B. die Condylomata accuminata (Feigwarze), welche infektbedingt entsteht.

Miktion (Blasenentleerung)

Beim erwachsenen, gesunden Menschen ist die Blasenentleerung in der Regel ein willkürlicher Vorgang. Das willkürliche Verschließen der Urethra geschieht durch den M. sphincter urethrae, welcher durch den N. pudendus innerviert wird.

Bei einem Erwachsenen tritt der Harndrang ab einer Blasenfüllung von ca. 300 – 500 ml auf. Mit zunehmender Füllmenge wird die Blasenwand verstärkt gedehnt, was die Dehnungsrezeptoren der Wand an die parasympathischen Zentren des Rückenmarks weiterleiten, wodurch schlussendlich der Miktionsreflex ausgelöst wird.

Bei der willentlichen Miktion wird der M. detrusor vesicae kontrahiert. Währenddessen verschließen sich die Ureteröffnungen,  das Blut der Uvula entweicht und das Ostium urethrae externum wird erweitert. Der M. sphincter urethrae löst seine Kontraktion und durch die Arbeit des Detrusormuskels und ggfs. durch die Unterstützung durch die Bauchpresse kann die Blase nun entleert werden.

Das bedeutet, dass der Vorgang des Wasserlassens eine Kombination aus Anspannung (Detrusor, Bauchpresse) und Entspannung (Sphincter) ist.

Beliebte Prüfungsfragen zu den ableitenden Harnorganen

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Welcher der folgenden Aussagen können Sie bezüglich der Anatomie der Vesica urinaria nicht zustimmen?

  1. Die Harnblase befindet sich im retroperitonealen Bauchraum und wird im ventralen Bereich durch die Symphyse und die Bauchdecke begrenzt.
  2. Der von Peritoneum überzogene Apex vesicae befindet sich im caudalen Bereich der Blase.
  3. Die Vesica urinaria ist zusätzlich zu den Befestigungspunkten am Beckenboden noch durch 3 Haltebänder fixiert, damit eine Ausdehnung nach caudal noch möglich ist.
  4. Lissosphincter ist ein Synonym für den glatten Harnblasensphincter.
  5. Der venöse Rückfluss erfolgt über den Plexus venosus vesicae.

2. Die Miktion ist ein physiologischer Vorgang, bei welchem der gesunde, erwachsene Mensch die Harnblase willentlich entleert. Welche der folgenden Antwortmöglichkeiten gibt die Abläufe der Miktion bzw. Ausschnitte dessen korrekt wieder?

  1. Bei einer Blasenfüllung ab ca. 300 – 500 ml werden durch die Dehnung der Blasenwand Dehnungsrezeptoren stimuliert, sodass diese elektrischen Impulse an die sympathischen Zentren des Gehirns weitergeleitet werden.
  2. Während der M. detrusor vesicae kontrahiert, schließen sich die Öffnungen der Ureter, das Ostitium urethrae externum wird weitgestellt und das Blut entweicht aus der Uvula.
  3. Der M. sphincter urethrae kontrahiert, während sich gleichzeitig der Detrusormuskel entspannt.
  4. Die Bauchpresse unterstützt das Zurückhalten des Harns im Falle einer starken Blasenfüllung.
  5. Der N. pudendus innerviert den  M. sphincter urethrae, welcher die Ureteren verschließt.

3. Welche der folgenden Aussagen zum Thema der urologischen Erkrankungen wurde in einen falschen Zusammenhang gebracht?

  1. Die Cystitis kann durch übermäßigen Fleisch- und Alkoholkonsum ausgelöst werden.
  2. Psychische Faktoren, wie Angst oder Stress, können zu einer Harninkontinenz führen.
  3. Die Striktur der Harnröhre kann u.a. durch Geschlechtskrankheiten ausgelöst werden und macht sich mit Symptomen wie schmerzhafter und unvollständiger Miktion bemerkbar.
  4. Männer sind häufiger als Frauen von einem Carzinom der Harnblase betroffen.
  5. Ein durch eine Ureterozele induzierter Reflux kann u.a. einen Hydroureter oder rezidivierende Infektionen zur Folge haben.

 

 

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