Vier Monate lang müssen Medizinstudenten nach dem Physikum im Rahmen einer Famulatur wichtige Praxiserfahrungen in einer Arztpraxis oder im Krankenhaus sammeln. Laut der Approbationsordnung für Ärzte ist dieses durch die Landesprüfungsämter anerkannte Praktikum zwingend vorgeschrieben. Folgende Tipps sollen Ihnen beim idealen Einstieg in den Klinikalltag helfen.
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famulatur


1. Wichtige Fragen bei der Anmeldung

Die Vorbereitung auf die Famulatur beginnt bereits mit der Anmeldung. Im Vorfeld ist zu klären, welche Formalitäten zu erledigen sind. Oft genügt hierfür schon ein Anruf im Sekretariat. Manchmal reicht es aus, sich bei der Sekretärin für das Praktikum anzumelden. In anderen Kliniken besteht der Chef darauf, die Studenten persönlich kennenzulernen.

Es ist ratsam, gleich bei der Anmeldung die geforderte Kleiderordnung zu erfragen. Diesbezüglich gibt es in jeder Klinik andere Regelungen. Während der Famulus in einigen Einrichtungen seine Dienstkleidung selbst mitbringt, wird sie anderswo gestellt. Ebenfalls unerlässlich ist die Frage nach dem Dienstbeginn.

2. Die Vorbereitung

Ein paar Tage vor Anfang der Famulatur empfiehlt sich der Blick in ein Anamnesebuch, um relevante Sachverhalte nochmals zu wiederholen. Auch die Lektüre eines Buches über das jeweilige Fachgebiet kann sich lohnen. Der dadurch gewonnene Überblick über die wesentlichsten Krankheiten verhilft Ihnen zu einem besseren Einstieg in den Klinikalltag.

3. Der Umgang mit dem Personal

Die gute Zusammenarbeit von Ärzten und Schwestern bzw. Pflegern ist für das Lösen der gestellten Aufgaben unverzichtbar. Als Neuling in der Gruppe sollten Sie daran denken, dass der erste Eindruck entscheidend ist. Es ist daher ratsam, sich bei Dienstantritt nicht nur den auf der Station tätigen Ärzten vorzustellen, sondern auch der Stationsschwester. Diese koordiniert den Pflegebereich und bekleidet sozusagen eine Leitungsposition. Sie kann dem Famulanten das Leben leichter machen oder auch erschweren.

Ist das Verhältnis zu Schwestern und Pflegern gut, geben diese gern ihre über die Jahre erworbenen Erfahrungen, Tricks und Kniffe an Sie weiter. Pflegen Sie also stets einen freundlicher Umgang mit Ihren Kollegen!

4. Wo ist was?

Gerade in großen Kliniken sorgen viele Etagen und Gänge bei den Famulanten häufig für Orientierungslosigkeit. Mit einer kurzen Führung lässt sich Abhilfe schaffen. Wer freundlich fragt, findet sicherlich jemanden, der ihm auf einem Rundgang die wichtigsten Sachen zeigt. Dazu gehören:

  • die Notaufnahme
  • der Weg zum OP
  • Ambulanz und Poliklinik
  • Röntgenabteilung
  • Sekretariat
  • Archiv
  • Besprechungsraum
  • Bibliothek
  • Kantine bzw. Cafeteria

5. Der Tagesablauf

In jeder Klinik herrscht ein anderer Tagesablauf. Wann wichtige Termine wie Schwerpunktvisiten, Chefvisiten und die Röntgenbesprechung stattfinden, lässt sich schnell bei den Ärzten in Erfahrung bringen. Vielerorts beginnt der Tag mit den Blutentnahmen oder mit der Visite. Danach folgen Untersuchungen, die Aufnahme von Patienten und andere Arbeiten. Famulanten operativer Fächer sind als Assistenten für den OP eingeplant.

Wer im Operationssaal steht, ist dem OP-Plan zu entnehmen. Diesen erhält die Station jeweils in den Nachmittagsstunden vor dem entsprechenden Tag. Neue Röntgenbilder und Problemfälle werden bei der Röntgenbesprechung, die je nach Klinik entweder vor- oder nachmittags stattfindet, vorgestellt.

6. Die Chefvisite

Am Tag der Chefvisite wird alles so gut wie nur möglich erledigt. Die Reinigung der Zimmer geschieht noch ordentlicher als sonst und der Stapel mit den Krankenakten liegt bereit. Sie als Famulant besorgen die aktuellsten Untersuchungsergebnisse und suchen notwendige Röntgenbilder heraus.

Bei der Chefvisite sind besonders viele Kittelträger unterwegs. Wer daran teilnimmt, ist von Klinik zu Klinik verschieden. Sie sollten diese Visiten ruhig wahrnehmen (nicht nur auf der eigenen Station), da Sie hier vieles lernen können. In manchen Krankenhäusern fallen die Zimmer zum Teil zu klein aus, als dass alle Mitarbeiter hineinpassen könnten. In diesem Fall sollten Sie es nicht persönlich nehmen, wenn Sie gebeten werden, auf dem Gang zu warten.

7. Die Tätigkeiten des Famulanten

Die Frage nach den Tätigkeiten des Famulanten ist nicht einfach zu beantworten. Unter Aufsicht ist es Ihnen erlaubt, auch anspruchsvollere Aufgaben wie Lumbalpunktionen oder das Legen eines Venenkatheters zu übernehmen. Einige Dinge sind an den Kliniken durch Vorschriften geregelt. In diesen ist beispielsweise festgelegt, wem die Abnahme von Blut zur Blutgruppenbestimmung gestattet ist und wem die intravenöse Verabreichung bestimmter Medikamente. Sofern Unsicherheit besteht, ist es besser, sich bei den Ärzten zu erkundigen als einen Fehler zu machen.

Zu den Hauptaufgaben eines Famulanten gehören die Aufnahme neuer Patienten, die Erstuntersuchungen und das Ausfüllen der dazugehörigen Papiere. Dabei können Sie das Erlernte aus dem Untersuchungskurs im Alltag anwenden. Welche Anforderungsscheine und Formulare selbst unterschrieben werden dürfen, klären Sie am besten mit einem der Ärzte ab. Eine weitere Aufgabe ist die Assistenz im OP. Eine Tätigkeit, die zwar sehr spannend sein kann, jedoch auch an die Grenzen der psychischen und physischen Belastbarkeit geht.

8. Notfälle

Bei Notfällen herrscht bei vielen Famulanten anfangs große Aufregung. Daher sollten Sie auf jeden Fall zu Beginn der Famulatur abklären, was genau zu tun ist und welche Abläufe zu befolgen sind. In vielen Kliniken gibt es eine zentrale Notrufnummer, die am besten auswendig gelernt und zur Sicherheit ins Notizheft eingetragen wird.

9. Die eigene Gesundheit

Während der Famulatur nehmen die Gesundheit bzw. die Krankheiten anderer Menschen einen großen Teil des eigenen Denkens ein. Ihr persönliches Wohlbefinden wird dabei schnell vernachlässigt. Ein Ausgleich in der Freizeit ist in dieser Zeit ebenso wichtig wie eine ausreichende Schlafdauer. Eine gute Basis für den Tag bildet ein ordentliches Frühstück am Morgen. Manche Operationen oder Visiten können durchaus länger dauern. Die Organisation des Mittagessens lässt sich bei den Kollegen erfragen. Zum Teil subventionieren die Kliniken das Essen für Studenten. In einigen Fällen ist der Kauf von Essenmarken erforderlich.

10. Schutz vor übertragbaren Krankheiten

Bereits vor Beginn der Famulatur sollte der Schutz vor übertragbaren Krankheiten sichergestellt werden. Zu empfehlen ist die Immunisierung gegen Hepatitis A und B. Anhand Ihres Impfausweises lässt sich überprüfen, ob ausreichend Schutz vor Tetanus und anderen Infektionskrankheiten gegeben ist. Grundsätzlich ratsam ist das Tragen von Handschuhen während des Umgangs mit Blut und Blutprodukten. In einigen Bereichen spielt darüber hinaus der Strahlenschutz eine große Rolle. Häufig sind diesbezügliche Vorschriften den Studenten nicht geläufig. Auch hier gilt: Fragen Sie bei Unsicherheit immer nach.










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